Display-Beleuchtung Schadet blaues Licht Augen und Haut?

26.08.2021
Display-Beleuchtung - Schadet blaues Licht Augen und Haut?
Falten durch blaues Licht? Dazu ist die Strahlendosis zu gering, aber viel blaues Licht am Abend könnte die Produktion des Schlafhormons Melatonin beein­flussen. © Adobe Stock

Blaues Bild­schirm-Licht kann Augen und Schlaf beein­trächtigen. Wie gravierend die Effekte sind, ist noch unklar. Vorbeugen kann aber nicht schaden. test.de informiert.

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Einfluss auf Augen und Schlaf

Seit der Mensch Computer, Smartphones, Tablets und LED-Lampen nutzt, setzt er sich verstärkt blauem Licht aus. In all diesen Geräten sind Leucht­dioden (LEDs) verbaut, die Monitore und Displays aufhellen. Die LEDs sind energieeffizient, halt­bar, kompakt – aber sie können einen hohen Anteil an blauem Licht aussenden. Es besteht aus kurz­welligen und energiereichen Licht­wellen, die in der Natur auch im Mittags­sonnenlicht vorkommen und wach halten. Schadet dieses blaue Licht den Augen und beein­trächtigt den Schlaf?

US-Forscher schlagen Alarm, EU beschwichtigt

Im Sommer 2018 sorgte ein Beitrag der US-Universität Toledo im Fachmagazin Scientific Reports für Aufmerk­samkeit. Forscher behaupteten, dass der Blau­anteil im Licht von Displays und Monitoren die Augen schlimm schädigen könne. Er könne zu einer Makuladegeneration, schlimms­tenfalls sogar zur Erblindung führen. Das blaue Licht rege die Zellen des Auges dazu an, schädliche Moleküle zu produzieren.

Das wissenschaftliche Komitee der EU für Gesundheit beschwichtigte zeitgleich auf seiner Webseite: „Studien zeigen, dass die Strahlung von LED-Screens in Fernsehern, Laptops, Handys, Tablets und Spielzeugen weniger als 10 Prozent der maximalen Höhe des Sicher­heits-Limits beträgt“. Bei normalem Gebrauch würde kein Risiko vorliegen.

Kleine Kinder reagieren empfindlicher

Allerdings können kleine Kinder und alte Menschen empfindlicher auf das blaue Licht reagieren, räumen auch die Experten der EU ein. Es könne sie etwa blenden. Einige Menschen berichten über ein Flackern vor den Augen durch blaues Licht.

Augen­schäden durch ein Über­maß möglich

„Zurzeit liegen nur Studien an Modellen und Tieren vor, nicht aber am Menschen“, fasst Professor Stephan Degle die Studien­lage zusammen. Er forscht an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena unter anderem zu Licht und Beleuchtung in der Optik und Optometrie. Es sei nicht auszuschließen, dass Netzhaut und die Linse des menschlichen Auges durch ein Über­maß an blauem Licht Schaden nehmen können – vor allem, wenn es gebündelt auf das Auge treffe, wie es bei manchen LED-Leuchten der Fall sei.

Probleme beim Einschlafen

Auch noch nicht zu Ende erforscht ist die Wirkung des blauen Lichts auf den Schlaf. Fest steht, dass der Anteil blauen Lichts im natürlichen Abend­licht nur gering ist – ein Signal für den Körper, das müde machende Hormon Melatonin zu bilden. Zahlreiche Studien – unter anderem von der Harvard Medical School – weisen darauf hin, dass zu viel blaues Licht den Körper hemmen kann, das Schlafhormon auszuschütten. Das kann zu Problemen beim Einschlafen oder Durch­schlafen führen. Das wissenschaftliche Komitee der EU gibt zu Bedenken, dass auch die Aktivität an sich – zum Beispiel das Anschauen eines Films – manchen um den Schlaf bringe.

Tipp: In unserem Special Schlafstörungen haben wir Erkennt­nisse aus der Schlaf­forschung zusammengefasst, die dabei helfen können, wieder besser zu schlafen.

Kaum Daten über die Intensität des blauen Lichts

„Es lässt sich nicht sagen, dass bestimmte elektronische Gerätearten oder bestimmte Modelle mehr blaues Licht aussenden als andere“, sagt Professor Degle. Ein Laie könne den Blaulicht­anteil eines Geräts oder einer LED nicht erkennen. „Leider gibt es auch keine Kenn­zeichnungs­pflicht zur spektralen Verteilung des emit­tierten Lichts“, so Degle.

Sorge vor vorzeitiger Hautalterung unbe­gründet

Vor allem in den sozialen Medien wird die Sorge diskutiert, dass blaues Monitorlicht vom Rechner oder Smartphone die Haut schneller altern lasse, früh­zeitig Falten und Pigment­flecken verursache. Die Kosmetik­anbieter greifen das auf: „Digital De-Stress“ oder „Schutz vor Blue-Light“– Pfle­gepro­dukte sollen die Gesichts­haut mittels Antioxidantien vor „Digital Aging“ schützen. Doch die so adressierte Sorge ist unbe­gründet. „Zuver­lässige wissenschaftliche Literatur dazu gibt es nicht“, sagt Monika Asmuß, wissenschaftliche Referentin am Fach­gebiet Optische Strahlung des Bundes­amts für Strahlen­schutz.

UVA-Strahlung ist das größere Problem

Die Sorge, vor dem Bild­schirm schneller zu altern, hält sie für unbe­gründet. „Nur weil das Licht künst­lich ist, ist es nicht per se gefähr­lich für die Haut.“ Zudem sei die Strahlendosis, die von den Geräten ausgehe, eher gering. Vielfach unter­schätzt werde dagegen nach wie vor das natürliche, deutlich intensi­vere Sonnenlicht – und die klar belegte schädigende sowie hautalternde Wirkung der UVA-Strahlung.

Tipp: Pausen vom Bild­schirm sind trotzdem sinn­voll – um sich regel­mäßig zu bewegen und die Augen zu erholen. Welche Kosmetika die Haut vor UVA- und UVB-Strahlen schützen, lesen Sie in unseren Tests von Sonnencreme und Tagescremes mit UV-Schutz.

Blaues Licht: Das hat die Stiftung Warentest heraus­gefunden

Die Stiftung Warentest hat sich in zahlreichen Unter­suchungen mit dem Thema blaues Licht befasst. So haben wir bei unseren Tests von LED-Lampen den Anteil an blauem Licht gemessen und auch ihren möglichen Einfluss auf den Schlaf.

LED-Lampen: Auch nicht anders als bei Glühbirnen

„Blaues Licht ist bei den warmweißen Haus­halts-LED-Lampen kein Thema“, sagt der verantwort­liche Projektleiter Peter Schick. Auf den Schlaf-Wach-Rhythmus habe ihr Licht keinen größeren Einfluss als früher die Glühbirnen. Sogenannte LED-Tages­licht­lampen hätten allerdings einen höheren Blaulicht­anteil.

Smartphones: Farb­temperatur per Night-Shift regulieren

Wenn die Stiftung Warentest Handys testet, ermittelt sie, ob die Geräte eine Funk­tion zur Regulierung von blauem Licht haben – auch Night-Shift oder Blaulicht­filter genannt. Fast alle Smartphones bieten mitt­lerweile diese Einstell­möglich­keit. Damit lässt sich der Anteil an blauem Licht ständig oder nur am Abend reduzieren. Das Display leuchtet dann eher gelb­lich-rötlich – je wärmer die Farbe, desto weniger blaues Licht.

Monitore: Blaulicht­filter mit Vor- und Nach­teilen

Im aktuellen Monitor-Test haben fast alle Bild­schirme einen Blaulicht­filter. Der Filter erzeugt ein wärmeres Bild und soll verhindern, dass Medien­konsum zu später Stunde Einschlaf­störungen verursacht. Die Kehr­seite: Mit Blaulicht­filter wirken Videos oft unnatürlich.

E-Book-Reader: Licht­farbe je nach Tages­zeit

Im Test von E-Book-Readern zeigte sich: Bei den Readern für über 150 Euro passt sich die Licht­farbe auf Wunsch an die Uhrzeit an. Tags­über ist sie bläulich, abends wird sie gelb­lich und damit wärmer.

Tipp: Auch bei Fernsehern lässt sich blaues Licht über die Farb­temperatur runter­regeln. Wie Sie das Bild optimieren, lesen Sie in unserem Fernseher-Test.

26.08.2021
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