Discountzertifikate Test

Für jeden ist etwas dabei: Discountzertifikate dienen als steuerfreie Alternative zum Sparbrief oder sind lukrativer Aktienersatz. Wir haben Zertifikate auf den Dax untersucht.

Die Deutschen gelten als das Volk der Schnäppchenjäger und so verwundert es nicht, dass Discountzertifikate beliebt sind. Mit Discountzertifikaten kaufen Anleger eine Aktie, einen Aktienindex oder Rohstoffe mit Rabatt – billiger als sie diese im Direkterwerb bekämen.

Ein Beispiel: Am 15. November 2007 stand der deutsche Aktienindex Dax bei 7 667 Punkten. Ein Indexzertifikat, das den Dax im Verhältnis 100 : 1 abbildet, hätte 76,67 Euro gekostet. Das Discountzertifikat der Deutschen Bank auf den Dax gab es an diesem Tag schon für 64,55 Euro (siehe Tabelle). Das entspricht einem Rabatt von 15,8 Prozent.

Der Rabatt dient als Risikopuffer. Wenn der Dax bis zur Fälligkeit des Papiers am 30. Juni 2009 nicht unter 6 456 Punkte fällt – das sind 15,8 Prozent vom jetzigen Stand –, bekommt der Zertifikatekäufer trotzdem seinen Einsatz wieder.

Wir haben acht Discountzertifikate auf den Dax untersucht, die spätestens am 30. Juni 2009 fällig werden. Diesen Stichtag haben wir deshalb gewählt, weil die Anleger Gewinne aus den Zertifikaten dann auf jeden Fall noch steuerfrei kassieren können (siehe „So bleiben die Gewinne steuerfrei“).

4 Prozent steuerfrei

Discountzertifikate Test

Die waagerechte schwarze Linie ist der Höchstbetrag, den ein Anleger für sein Discountzertifikat bekommt. Steigt der Basiswert nur leicht, zeigt sich der Vorteil für das Zertifikat. Steigt er stark, lohnt sich das Zertifikat nicht mehr. Selbst bei fallendem Basiswert ist der Zertifikatekäufer meistens im Vorteil. Erst wenn ein Totalverlust droht, gleichen sich Basiswert und Zertifikat wieder an.

Die waagerechte schwarze Linie ist der Höchstbetrag, den ein Anleger für sein Discountzertifikat bekommt. Steigt der Basiswert nur leicht, zeigt sich der Vorteil für das Zertifikat. Steigt er stark, lohnt sich das Zertifikat nicht mehr. Selbst bei fallendem Basiswert ist der Zertifikatekäufer meistens im Vorteil. Erst wenn ein Totalverlust droht, gleichen sich Basiswert und Zertifikat wieder an.

Die meisten Anleger, die sich für Discountzertifikate interessieren, legen Wert auf die höhere Sicherheit, die ihnen diese Anlage im Vergleich zur Direktinvestition in den Aktienmarkt bietet. Wie unser Test zeigt, sind Discountzertifikate tatsächlich weniger riskant als das Einzelinvestment.

Was viele aber nicht wissen oder kaum für möglich halten: Discountzertifikate lassen sich sogar als Alternative zu sicheren Bankprodukten einsetzen, als Ersatz fürs Festgeld oder für einen Geldmarktfonds. Die Erträge sind dann zwar ungefähr gleich hoch, aber – und das ist der Clou – es gibt sie steuerfrei.

Das Discountzertifikat der BNP Paribas auf den Dax zum Beispiel bringt so gut wie sicher eine Rendite von 4,3 Prozent pro Jahr. Vor Steuern und nach Steuern auch. Ein Festgeld müsste je nach Steuersatz des Anlegers mit über 5 oder sogar 6 Prozent verzinst sein, damit es nach Steuern genauso viel bringt.

Dieses Zertifikat ist ähnlich ­sicher wie Festgeld. Das jedenfalls ist das Ergebnis unserer Simulationsrechnungen. In keinem der von uns berechneten 10 000 Kursverläufe ist es vorgekommen, dass es am Ende im Verlust lag. Das geringe Risiko zeigt sich auch schon am hohen Discount. Der Abschlag auf den Normalpreis des Dax beträgt 76,8 Prozent.

Renditechance 24,1 Prozent

Das aussichtsreichste Angebot unserer Stichprobe ist eines der Discountzertifikate von der Commerzbank (Isin DE 000 CB5 HVG 1). Wenn es gut läuft, können Anleger mit diesem Papier eine Rendite von 24,1 Prozent pro Jahr erzielen.

Die höhere Rendite geht allerdings mit einem höheren Risiko einher. Der Discount für dieses Papier beträgt nur 2,3 Prozent. Verliert der Dax bis zur Fälligkeit mehr als 2,3 Prozent, macht der Zertifikatekäufer Verlust.

Unsere Auswahl

Es gibt Zigtausende Discountzertifikate. Allein an der Stuttgarter Börse sind knapp 67 000 gelistet. 80 Prozent davon beziehen sich auf einzelne Aktien, der Rest auf Rohstoffe oder Aktienindizes. Wir haben nur Papiere untersucht, die sich auf den Dax beziehen.

Dabei haben wir uns für die Angebote mit dem höchsten und dem niedrigsten Discount interessiert und darauf geachtet, dass wir die verschiedenen Varianten, die es für Discountzertifikate gibt, abbilden.

Jede Bank, die Discountzertifikate auflegt, hat eine große Auswahl. Dass die Commerzbank allein mit fünf Papieren in unserer Tabelle vertreten ist, liegt an unseren Auswahlkriterien.

Die einfache Variante eines Discountzertifikats funktioniert so: Es gibt eine feste Laufzeit und eine Gewinnobergrenze, auch Cap genannt. Der Anleger bekommt immer dann den Höchstbetrag ausgezahlt, wenn der Basiswert am Laufzeitende auf oder über dem Cap steht.

Nach diesem Muster funktionieren die bereits genannten Discountzertifikate von der Commerzbank, von BNP Paribas und der Deutschen Bank.

Bei dem Papier der Deutschen Bank liegt der Cap bei 76 Euro. Das entspricht einem Dax-Stand von 7 600 Punkten.

Am 15. November, unserem Stichtag, lag der Dax über dem Cap. Liegt er auch am 30. Juni 2009 darüber, bekommt der Anleger 76 Euro ausgezahlt und macht einen Gewinn von 11,45 Euro. Das Chance-Risiko-Verhältnis dieses Zertifikats ist ausgewogen. Die Renditechance und das Verlustrisiko sind kleiner als beim Dax.

Mehr Sicherheit, weniger Chance

Fünf der von uns untersuchten Zertifikate haben zusätzlich zur Kursobergrenze eine weitere eingebaute Kursschwelle. Diese Kursschwelle vergrößert die Chancen des Anlegers auf den Höchstbetrag.

Ein Beispiel: Die Commerzbank bietet ein Discount Plus Zertifikat an, dessen Höchstrückzahlung bei 76 Euro liegt. Die 76 Euro gibt es, wenn der Dax am Laufzeitende über 7 600 Punkten steht oder wenn er während der gesamten Laufzeit nie unter 4 600 Punkte gefallen ist.

Die Chance, dass zumindest eine dieser beiden Bedingungen erfüllt wird, ist hoch. Wir haben 10 000 mögliche Kursverläufe des Dax simuliert: In 98,2 Prozent aller Fälle bekommt der Anleger den Höchstbetrag und darf sich über eine Rendite von 7,6 Prozent pro Jahr freuen. Nur in 1,8 Prozent der Fälle macht der Anleger einen Verlust. Für dieses vergleichsweise geringe Risiko ist die Gewinnchance attraktiv.

Bei einigen Discountzertifikaten gilt die zusätzliche Kursschwelle während der gesamten Laufzeit. Bei anderen ist die Schwelle nur eine kurze Zeit in Kraft, zum Beispiel einen Monat lang.

Ein Beispiel: Beim Commerzbank Discount Plus Pro (Isin DE 000 CB5 XEW 1) liegt die Kursobergrenze bei 56 Euro. Das entspricht einem Dax-Stand von 5 600 Punkten. Die untere Kursschwelle liegt bei 4 400 Punkten.

Der Anleger bekommt den Höchstbetrag, wenn der Dax bei Fälligkeit über 5 600 Punkten liegt. Ist das nicht der Fall, bekommt er den Höchstbetrag dennoch, falls der Dax im letzten Monat vor Fälligkeit nicht unter 4 400 Punkte gefallen ist.

Was der Dax während der restlichen Laufzeit macht, ist egal. Das bringt mehr Sicherheit. Die Wahrscheinlichkeit für einen Verlust liegt bei geringen 0,7 Prozent.

Tipps für die Suche

Unsere Berechnungen machen die unterschiedlichen Zertifikate vergleichbar. Wer aber keines unserer acht getesteten, sondern ein anderes Zertifikat kaufen will, sollten darauf achten, dass er nur ähnlich gebaute Papiere miteinander vergleicht.

Am wichtigsten ist dabei, dass sie sich auf denselben Basiswert beziehen. Außerdem sollten die Zertifikate zumindest in etwa gleich lang laufen. Wichtig ist auch, dass Anleger nur Papiere ohne oder nur Papiere mit Kursschwelle vergleichen, und nur solche, deren Kursschwelle während desselben Zeitraums aktiv ist.

Papiere mit geringem Risiko sind daran zu erkennen, dass die Gewinnobergrenze weit unter dem aktuellen Kurs des Basiswerts liegt. Bei Papieren mit mittlerem Risiko liegt die Gewinnobergrenze ungefähr auf Höhe des Basiswerts.

Muss der Basiswert erst noch steigen, ehe er die Gewinnobergrenze erreicht, ist das Risiko hoch. Eine zusätzliche untere Kursschwelle bringt nur dann zusätzliche Sicherheit, wenn sie unter dem aktuellen Stand des Basiswerts liegt.

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