Mit Discountzertifikaten kann man Aktien günstig kaufen. Das puffert Verluste ab. Der Preis für die Sicherheit ist eine begrenzte Gewinnchance.

Mit Discountzertifikaten kauft man Aktien mit Rabatt. Das hat einen großen Vorteil: Fallen die Aktien, macht der Anleger nicht unbedingt einen Verlust. Der Rabatt gibt ihm einen Sicherheitspuffer. Erst wenn die Aktie so weit fällt, dass der Rabatt aufgezehrt wird, gerät der Anleger in die Verlustzone. Für diesen Schutz akzeptiert er im Gegenzug eine begrenzte Gewinnchance.

Die Laufzeit des Zertifikats ist begrenzt. Ein Beispiel zeigt, wie es funktioniert: Die West LB hat ein Discountzertifikat auf die SAP-Aktie ausgegeben (Isin DE 000 699 580 6). Es läuft bis 30. April 2004 und hat eine Gewinngrenze von 100 Euro. Die Aktie notierte zum Redaktionsschluss bei 87 Euro, das Zertifikat kostete 78,60 Euro.

Steigt die Aktie bis zur Fälligkeit des Zertifikats auf 100 Euro, gewinnt der Aktionär 13 Euro oder 15 Prozent, der Zertifikatebesitzer 21,40 Euro oder 27 Prozent. Das ist sein Maximalgewinn.

Steigt die Aktie bis zur Fälligkeit des Zertifikats auf 130 Euro, gewinnt der Aktionär 43 Euro, knapp 50 Prozent. Der Besitzer des Zertifikats bekommt wieder 27 Prozent.

Fällt die Aktie bis zum Ende der Laufzeit von 87 Euro auf 79 Euro, macht nur der Aktionär einen Verlust, der Zertifikatebesitzer nicht, weil er für sein Papier nur 78,60 Euro bezahlt hat.

Allerdings muss er nun eine Entscheidung treffen: Weil die Aktie nicht auf die Gewinngrenze gestiegen ist, zahlt die Bank ihn nicht bar aus, sondern bucht ihm die Aktien ins Depot. Der Anleger kann die Aktien verkaufen oder darauf warten, dass sie wieder steigen.

Fällt die Aktie bis zum Ende der Laufzeit unter 78,60 Euro, steht auch der Zertifikatebesitzer im Verlust.

Auch Indizes gibts mit Rabatt

Discountzertifikate Meldung

Zwei Szenarien. Oben: Die zugrunde ­liegende Aktie steigt. Das Discountzertifikat hat einen Renditevorsprung. Das liegt am günstigeren Einstiegspreis. Am Ende seiner Laufzeit ist das Zertifikat um 39 Prozent ­gestiegen, die Aktie um rund 23 Prozent. Das Zertifikat hat damit die Gewinngrenze erreicht. Gleich, wie weit die Aktie über 120 Euro steigt, mehr ist nicht drin. Unten: Die Aktie fällt. Das Discountzertifikat verliert weniger als die Aktie. Der niedrigere Einstiegspreis wirkt wie ein Sicherheitspuffer.

Discountzertifikate gibt es nicht nur auf einzelne Aktien, sondern auch auf Indizes wie den deutschen Aktienindex Dax oder den europäischen Stoxx. Im Fachjargon werden die zugrunde liegenden Werte als Underlying bezeichnet.

Die Funktionsweise der Discos, wie sie bei den Profis heißen, bringt Roland Lang von der Commerzbank auf einen einfachen Nenner: „Erstens: Ein Discountzertifikat ist immer konservativer als die Aktie.“ Ein Discountzertifikat steigt nie über den Kurs der zugrunde liegenden Aktie, deshalb bleiben auch die prozentualen Verluste immer unter denen der Aktien.

„Zweitens: Ein Discountzertifikat ist immer interessant, wenn die Aktienmärkte seitwärts tendieren und der Anleger ein konkretes Kursziel hat.“ Ein Discountzertifikat eignet sich dann, wenn der Anleger der Ansicht ist, dass die Aktie oder der Index nicht über eine bestimmte Marke steigt. Ungefähr dort, wo das Kursziel ist, sollte auch die Gewinnobergrenze sein.

Steigt die Aktie oder der Index stark, guckt der Zertifikatekäufer in die Röhre – weil seine Gewinnchance begrenzt ist. Wer eine regelrechte Börsenhausse erwartet, kauft besser die Aktie oder das Indexpapier direkt. Anleger sollten ein Discountzertifikat auch nur dann kaufen, wenn sie keine stark fallenden Kurse erwarten. Ist der Rabatt nämlich aufgezehrt, fällt das Zertifikat genauso wie der zugrunde liegende Wert.

Manchmal sind Steuern fällig

Die Laufzeit von Discountzertifikaten beträgt in der Regel mehr als ein Jahr. Das hat steuerliche Gründe: Nach derzeit gültiger Gesetzgebung darf der Anleger Gewinne nach einem Jahr brutto für netto kassieren.

Seinen Gewinn in bar bekommt der Anleger dann, wenn die dem Zertifikat zugrunde liegende Aktie oder der Index auf oder über die vereinbarte Höchstgrenze gestiegen ist. Diese Höchstgrenze nennt man den Cap. Ist der Cap nicht erreicht, bucht die Bank dem Anleger die Aktie ins Depot.

Für das Finanzamt zählt der Tag, an dem Aktien ins Depot gebucht werden. Sind die Aktien zwischen Einbuchung und Verkauf gestiegen, fällt der Gewinn in die Spekulationsfrist und ist steuerpflichtig. Ist die Aktie in der Zwischenzeit gesunken, kann der Anleger den Verlust mit Gewinnen aus anderen Geschäften verrechnen.

Kursverläufe

„Oftmals halten die Anleger ihre Zertifikate nicht bis zum Ende, sondern verkaufen während der Laufzeit“, sagt Roland Lang. Die Commerzbank nimmt die Zertifikate zurück, wann immer es der Anleger will. Die möglichen Erträge sehen dann jedoch anders aus, als wenn der Anleger die Papiere bis zur Fälligkeit halten würde.

Die Grafiken zeigen, dass der Kursunterschied zwischen Zertifikat und Underlying mit der Zeit abnimmt. Steigt die Aktie, dann steigt das Discountzertifikat umso stärker, je näher das Ende der Laufzeit rückt. Sinkt das Underlying, zehrt der Anleger vom Rabatt.

Zertifikat und Aktie nähern sich

Dieses Phänomen der abnehmenden Kursunterschiede lässt sich nur aus der Konstruktion der Produkte erklären. Discountzertifikate sind eine Kombination aus einem Aktien- und einem Optionsgeschäft.

Die Aktie sorgt dafür, dass das Discountzertifikat steigt, wenn sie selbst steigt, und umgekehrt. Die Option hält dagegen. Weil aber eine Option, egal, was die zugehörige Aktie macht, mit der Zeit an Wert verliert, wird ihre Gegenwehr immer schwächer. Das Discountzertifikat wird der Aktie im Laufe der Zeit ähnlicher. Die Kursverläufe von Aktie und Zertifikat gleichen sich an.

Die Optionen bei den Discountzertifikaten sind Kaufoptionen. Sie berechtigen die Bank zum Kauf von Aktien. Und zwar der Aktien, die der Anleger indirekt erstanden hat, indem er sich ein Zertifikat gekauft hat. Gleichzeitig hat der Anleger seiner Bank die Option eingeräumt, die Aktien von ihm abzukaufen, falls sie auf die Gewinngrenze steigen sollten oder darüber.

Optionsgeschäfte

Für die Bank ist das ein attraktives Geschäft: Steigt die Aktie der SAP aus dem Eingangsbeispiel über die Gewinngrenze von 100 Euro, übt sie die Option aus und kauft dem Anleger die Aktie für 100 Euro ab. Gleichzeitig verkauft sie sie an der Börse für mehr als 100 Euro.

Bleibt die Aktie unter 100 Euro, übt die Bank die Option nicht aus. Sie lässt dem Anleger die Aktie. Weil der Anleger die Aktie bisher nicht wirklich im Depot gehabt hat, sondern nur das Zertifikat zur Aktie, bekommt er die Aktie jetzt eingebucht.

Auch der Anleger profitiert von dem Geschäft. Er überlässt der Bank die Option nämlich nicht umsonst, sondern gegen Geld. Der Preis, den die Bank für die Option zahlt, ist sein Discount. Wie viel die Option wert ist, hängt davon ab, wie lange sie läuft und wie stark die zugrunde liegende Aktie schwankt.

Wahrscheinlichkeiten

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie über die Gewinngrenze steigt, ist umso höher, je stärker die Aktie schwankt und je länger die Zeit ist, die dazu bleibt.

„Zurzeit sind die Volatilitäten vergleichsweise hoch“, sagt Roland Lang. Das heißt, die Aktien und die Indizes schwanken stark und deshalb sind die Optionen viel wert. Die Käufer von Discountzertifikaten bekommen deshalb hohe Rabatte.

Gehen die Schwankungen nun zurück, wird die Option weniger wert, der Rabatt schmilzt dahin und das Discountzertifikat wird teurer. Der Anleger kann es mit Gewinn verkaufen.

Genau das Gleiche passiert mit der Komponente der Zeit. Je weiter die Zeit fortschreitet, desto weniger wert wird die Option. Im gleichen Maß bröckelt der Discount. Das Discountzertifikat wird teurer und beschert seinem Besitzer einen Kursgewinn.

Daraus ergibt sich, dass Anleger keine Discountzertifikate kaufen sollten, die kurz vor ihrer Fälligkeit stehen, denn dann bekommen sie keinen Rabatt mehr.

Sie sollten auch die Finger von Discountzertifikaten lassen, wenn sie annehmen, dass die Schwankungen steigen. Dann wird die Option im Lauf der Zeit nämlich immer mehr statt weniger wert. Das heißt, der Rabatt steigt. Das Discountzertifikat sinkt im Preis. Der Anleger kann es nur mit Verlust wieder verkaufen.

Strategien für Anleger

Es gibt Discountzertifikate sowohl für die risikofreudigen als auch die risikoscheuen Anleger.

Die Risikofreudigen setzen auf Zertifikate mit geringem Discount. Der Discount ist niedrig, wenn der aktuelle Kurs der Aktie oder des Indexes weit unter der Gewinnhöchstgrenze liegt. Die Deutsche Bank hat zum Beispiel ein Discountzertifikat auf den Dax ausgegeben (Isin DE 000 671 420 7), das am 18. Juni 2004 fällig wird und die Gewinngrenze erreicht, wenn der Dax auf 3400 Punkte klettert. Bei Redaktionsschluss stand der Dax bei 2860 Punkten.

Weil die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie die Gewinngrenze überschreitet, vergleichsweise gering ist, ist die Option der Bank wenig wert. Sie gewährt deshalb nur einen Rabatt oder Discount von gerade mal 5 Prozent. Fachleute versehen die Option dann mit dem Zusatz „aus dem Geld“.

Das Gute daran: Weil die Gewinngrenze weit entfernt ist, bekommt der Anleger von einem möglichen Kursanstieg des Dax viel mit. Das Schlechte: Das Sicherheitspolster ist dünn. Sobald der Dax mehr als 5 Prozent verliert, macht der Zertifikatebesitzer Verlust.

Vorsichtigere Anleger wählen Papiere, die nahe an der Gewinngrenze notieren oder die Grenze schon überschritten haben. Ihnen würde zum Beispiel das Discountzertifikat mit der Gewinngrenze bei einem Dax-Stand von 3000 Punkten gefallen (Isin: DE 000 557 937 9). Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich für die Bank lohnt, ihre Option auszuüben, ist hoch. Die Option liegt „am Geld“. Der Discount beträgt rund 10 Prozent.

Liegen die Papiere sogar über der Höchstgrenze, ist die Option erst recht ein lohnendes Geschäft für die Bank. Die Option und damit auch das Discountzertifikat ist „im Geld“.

Das passende Angebot der Deutschen Bank: Das Discountzertifikat auf den Dax (Isin DE 000 831 846 0) mit Fälligkeit 18. Juni 2004 hat die Gewinngrenze, die 2000-Punkte-Marke des Dax, schon überschritten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Dax auch am Fälligkeitstag über der Marke von 2000 Punkten steht, ist hoch. Deshalb ist die Option der Bank viel wert: Der Discount beträgt 33 Prozent, gerechnet auf den aktuellen Dax-Stand von 2860. Der Gewinn des Anlegers wird geringer sein, denn seine Gewinngrenze liegt beim Dax-Stand von 2000.

Taktik

Zurzeit empfehlen Experten die Sicherheitsstrategie. Sollten die Märkte erneut korrigieren, böten hohe Rabatte einen guten Schutz. Einen starken Anstieg der Kurse erwarten die meisten nicht.

Dieser Artikel ist hilfreich. 500 Nutzer finden das hilfreich.