Keine Versteckspiele mehr möglich

Finanztest sprach mit Georg Wittich, Präsident des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel (BAWe), über die Erreichbarkeit von Direktbanken und Discountbrokern.


Ende Februar 2000 haben Sie die Direktbanken auf ihre Organisationspflichten nach dem Wertpapierhandelsgesetz hingewiesen. Haben Sie seitdem ein verändertes Verhalten der Discountbroker beobachtet?

Wittich:

Direktbanken und Discountbroker sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz dazu verpflichtet, die für eine ordnungsgemäße Durchführung ihrer Wertpapierdienstleistungen notwendigen technischen und personellen Kapazitäten vorzuhalten und wirksam einzusetzen. Wir haben die Unternehmen nicht nur schriftlich auf diese Verpflichtung hingewiesen, sondern Ende März 2000 zu diesem Themenbereich auch ein Gespräch im Bundesaufsichtsamt geführt. Bei diesem Gespräch haben die Unternehmen versichert, ihre Personalausstattung ­ etwa im Bereich der Call-Center ­ und ihre technischen Möglichkeiten auf der Hard- und Softwareseite aufzustocken. Wir gehen davon aus, dass diese Zusicherungen auch eingehalten werden. Wenn es in Zukunft wieder zu Nachfragespitzen kommen sollte, können die Direktbanken und Discountbroker nicht mehr argumentieren, sie seien von dem enormen Kundeninteresse überrascht worden.

Welche Möglichkeiten wird das Bundesaufsichtsamt in den kommenden Monaten nutzen, um die eingeleiteten Maßnahmen der Direktbanken und Discountbroker zu überprüfen?

Wittich:

Wir beobachten die Entwicklung derzeit sehr genau. Zudem verfügen wir mit den bei uns eingehenden Beschwerden nach Zahl und Inhalt über ein recht verlässliches Messinstrument für die aktuelle Situation bei der Erreichbarkeit der Direktbanken und Discountbroker. Sollte sich die Lage nicht verbessern, so kann das BAWe von seinen aufsichtsrechtlichen Möglichkeiten Gebrauch machen. Hierzu zählt beispielsweise die Anberaumung von Sonderprüfungen bei den betroffenen Unternehmen. In diesem Zusammenhang kann das BAWe Auskünfte verlangen und sich Unterlagen vorlegen lassen, nach denen es den Grad der Einhaltung der Organisationspflichten beurteilt.

Welche Ratschläge können Sie zum jetzigen Zeitpunkt den Kunden von Direktbanken und Discountbrokern geben, die weiterhin Schwierigkeiten haben, ihre Bank zu erreichen oder Antworten auf Anfragen und Beschwerden zu erhalten?

Wittich:

Private Anleger, die Kunde bei einem solchen Unternehmen sind und auch weiterhin Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme haben, sollten diese Zustände möglichst detailliert aufzeichnen. Das heißt, sie sollten Faxprotokolle sammeln und Abbruch- oder Fehlermeldungen bei Kontakten über das Internet ausdrucken. Soweit Probleme bei der telefonischen Erreichbarkeit auftreten, sollte man Datum und Uhrzeit festhalten sowie möglicherweise Zeugen hinzuziehen. Wenn es auf die Beschwerden von Anlegern bei den Unternehmen nicht zur Abhilfe kommt, können sich die Betroffenen auch nach wie vor an das BAWe wenden.

Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel

Lurgiallee 12

60439 Frankfurt / Main

Fax: 069/95952123

mail@bawe.de

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