Entscheidende Minuten

Onlinebroker haften nach einem im März dieses Jahres veröffentlichten Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth für Kursverluste, wenn Aufträge zum Ankauf von Aktien verspätet ausgeführt werden (Az: 14 O 9971/98).

In dem entschiedenen Fall hatte der Kläger morgens um 8.18 Uhr per Einwahl in das Computersystem der Bank den Auftrag zum Kauf von 500 Aktien gegeben. Für seine Order hatte er um 8.19 Uhr eine Bestätigung erhalten. Als der Börsenhandel um 8.30 Uhr begann, betrug der erste Tageskurs der gewünschten Aktie 244 Mark. Wenige Minuten später wurden die Aktien zum Kurs von 234 und 239 Mark gehandelt, bis um 8.47 Uhr kletterte der Kurs auf 268 Mark. Erst jetzt, zu diesem höheren Kurs, wurde der Auftrag des Klägers ausgeführt. Ein Softwarefehler hatte die rechtzeitige Übermittlung der Kauforder an den Börsenplatz und damit den Kauf zum Handelsbeginn zum günstigeren Kurs verhindert. Das Landgericht sprach dem Kläger die Differenz zum ausgewiesenen ersten Tageskurs als Schadenersatz zu ­ immerhin rund 12.000 Mark.

Der Broker, die Consors Discount-Broker AG, so die Nürnberger Richter, habe den Computerfehler als Ursache der verspäteten Abwicklung zu vertreten. Das Gericht verwies dabei auf die Aussagen des Discountbrokers in seinen Werbebroschüren, die eine Weiterleitung der Aufträge innerhalb von Sekunden durch ein "spezielles Routing-System" zusicherten. Diese Zusicherung, so die Richter, sei Vertragsgrundlage.

Auf eine Geschäftsbedingung hingegen, die Consors die Möglichkeit gegeben hätte, sich bei der Ausführung eine halbe Stunde Zeit zu lassen, konnte sich der Broker nicht berufen. Diese Bestimmung, so das Landgericht, sei nicht Bestandteil des Vertrags geworden und schließe zudem eine Haftung der Bank für Verschulden nicht aus.

Dieser Artikel ist hilfreich. 522 Nutzer finden das hilfreich.