Discountbroker: Günstig ordern

Discountbroker Test

Anleger, die einen teuren Discount- oder Direktbroker wählen, schmälern unnötig die Rendite ihrer Geldanlage.

EinKostenvergleich beim Wertpapierhandel lohnt sich. Denn hohe Kaufkosten können aus einer guten Geldanlage eine schlechte machen.

„Viele Anleger geben sich große Mühe, einen besonders guten Fonds oder eine lukrative Anleihe zu finden, akzeptieren dann aber Kaufkosten in jeglicher Höhe als naturgegeben“, beobachtet Hartmut Strube, Finanzexperte der ­Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen.

Dabei muss ein Wertpapier zunächst die Kauf- und Depotkosten verdienen, ehe es etwas abwirft. Anleger soll­ten die Preise deshalb genau vergleichen.

Finanztest hat für verschiedene Anlagebeträge ausgerechnet, was die Order kostet – angefangen bei 500 Euro bis hin zu Aufträgen von 10 000 und 25 000 Euro.

Ein Blick in die Tabelle „Kosten für den Wertpapierkauf“ zeigt: Wertpapierkäufe von 500 Euro als Einmalanlage lohnen sich selten. Die Preise für Onlineaufträge in dieser Größe liegen bei günstigen Anbietern zwischen 9,71 Euro und 10 Euro. Bezogen auf eine Ordergröße von 500 Euro zahlt der Kunde für den Kauf eines Wertpapiers um die 2 Prozent vom Kurswert. Beim teuersten Anbieter, der Advance Bank, kostet die gleiche Order sogar 22 Euro, also 4,4 Prozent vom Anlagebetrag. Beim Verkauf fallen dieselben Kosten noch mal an. Um sämtliche Transaktionsspesen wieder reinzuholen, müsste der Kurs des Wertpapiers um 4 Prozent bei den günstigen Brokern und um fast 9 Prozent bei der Advance Bank steigen. Sonst zahlt der Anleger drauf.

Zur Orientierung können Anleger einen Blick in die Tabelle „Renditekiller“ werfen. Hier steht für drei Ordergrößen, wie die Wertsteigerung eines Wertpapiers mindestens aussehen muss, damit der Anleger die Kauf- und Verkaufsspesen verdient.

Damit sich eine Aktienanlage rechnen kann, sollten die Transaktionskosten nicht mehr als ein halbes Prozent vom Anlagebetrag ausmachen, für Anleihen nur ein viertel Prozent.

Doch bei kleinen Ordergrößen sind alle Anbieter teurer. Erst bei Anlagebeträgen ab 2 500 Euro schaffen einige Anbieter die Finanztest-Hürde (siehe Tabelle „Kosten für den Wertpapierkauf“).

Unterschiedliche Preissysteme

Ein Kostenvergleich zwischen den einzelnen Discount- und Direktbrokern ist schwer. Dies liegt an den unterschiedlichen Preissystemen. Fünf Varianten sind derzeit am Markt zu finden (siehe „Preismodelle“).

Am häufigsten ist die Festpreisstaffel (Flatfee-Staffel). Neun Anbieter berechnen so ihre Preise. Hierzu gehört auch Postbank Easytrade: Für Aktien- und Anleihenhandel über das Internet bis 2 600 Euro zahlt dort jeder Anleger 9,95 Euro. Bei Beträgen über 2 600 Euro werden 12,95 Euro fällig. Wertpapierkäufe ab 5 200 Euro kosten 18,95 Euro.

Während Easytrade mit drei Festpreisen arbeitet, hat S-broker fünf Staffelschritte. Eine Order ist bei der Festpreisstaffel immer dann besonders günstig, wenn man knapp unter der jeweiligen Staffelobergrenze bleibt.

Vier Discountbroker rechnen den Preis für eine Wertpapierorder mit einer Provisionsstaffel aus. Die Augsburger Aktienbank bespielsweise arbeitet mit einer Staffel von acht Provisionsschritten. Sie beginnt bei 0,5 Prozent für eine Aktienorder bis zu 14  999,99 Euro. Der nächste Staffelschritt geht von 15 000 Euro bis unter 20 000 Euro. Hier werden 0,46 Prozent des Anlagebetrags fällig. Da aber eine Mindestprovision von 15 Euro anfällt, sollte der Anleger schon 3 000 Euro investieren. Wer weniger anlegt, zahlt durch die Mindestgebühr deutlich mehr als 0,5 Prozent der Anlagesumme: Bei einer Ordergröße von 500 Euro betragen die Kauf- und Verkaufskosten jeweils 3 Prozent der Anlagesumme (siehe Tabelle „Kosten für den Wertpapierkauf“). 

Eher selten sind mittlerweile Anbie­ter mit einer fixen prozentualen Provi­sion. E-Trade, Fimatex und Entrium haben zwar einen einheitlichen Prozentsatz, den sie für alle Wertpapierkäufe und -verkäufe verlangen, nehmen aber auch eine Mindestgebühr. Entrium will mindestens 9,90 Euro sehen, E-Trade 12,50 Euro und Fimatex 12,70 Euro.

Noch mehr Kosten

Jeder Anleger braucht zur Verwahrung und Verwaltung seiner Wertpapiere ein Depot und ein Wertpapierabrechnungskonto. Kostenlos sind sie nur bei Entrium sowie bei E-Trade, wenn der Anleger das Konto online führt, und bei der Citibank, wenn der Depotwert über 2 500 Euro liegt. Bei der DAB bank fallen lediglich die Portokosten für Konto- und Depotauszüge an (siehe Tabelle „Preise für Depot“).

Wie hoch die Lagerkosten ausfallen, hängt entweder von der Depotgröße ab oder der Broker verlangt einen Festpreis. Finanztest hat für zwei Depotgrößen, für 10 000 Euro und 50 000 Euro, die Kosten berechnet.

Besonders ärgerlich ist es für Anleihenbesitzer, wenn sie bei Fälligkeit der Anleihe für die Gutschrift ihres Geldes auf dem Wertpapierabrechnungskonto Geld zahlen müssen.

Dies passiert Kunden der BHW Bank, der Diba und der Volkswagen Bank direct.

Wer hauptsächlich in Anleihen investiert, sollte diese Anbieter meiden.

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