Discountbroker Test

Wer wissen will, wie teuer seine Wertpapiergeschäfte sind, muss eine Fülle von Einzelkosten zusammenrechnen.

Privatanleger kaufen in schlechten Börsenzeiten ­weniger Wertpapiere. Dies spüren auch die Discountbroker. Viele reagieren mit Preiserhöhungen. ­Finanztest nennt die ­günstigsten Anbieter.

„Pro Order 10 Euro mehr?“ Viele Kunden von maxblue, dem Discountbroker der Deutschen Bank, sind sauer. Denn seit dem 1. Januar 2003 kostet jede Telefonorder von Aktien oder Anleihen mindestens 29,98 Euro. Wer online kauft, muss mindestens 19,99 Euro und damit 5 Euro mehr zahlen als im vergangenen Jahr.

Diese Preiserhöhung ist kein Einzelfall. Comdirect und Consors drehten im September und Oktober 2002 an der Preisschraube. Sie langten nicht so drastisch zu wie maxblue. Aber die Order kostet seitdem bei comdirect je nach Ordergröße zwischen 90 Cent und 5,90 Euro mehr als zuvor.

Nicht nur das Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren ist teurer geworden, sondern oft auch das Depot. Anleger, die viel ordern, werden begünstigt: So bieten Deutsche Bank maxblue und Consors ein kostenloses Depot nur noch Anlegern, die beispielsweise mindestens eine Order pro Quartal oder mehr als 2 500 Euro auf dem Wertpapierabrechnungskonto liegen haben.

Doch nicht nur Preiserhöhungen mussten die Anleger verdauen. Viele waren gezwungen, sich einen neuen Broker zu suchen, weil ihrer Pleite ging, verkauft wurde oder sich vom Markt zurückzog. Dieses Los traf beispielsweise Kunden von systracom, pulsiv.com und eQ Online. Fusionspläne gibt es bei Entrium, Diba und der Advance Bank.

Andere Direktbanken sind zwar noch am Markt, haben aber ihr Brokerage­geschäft aufgegeben wie beispielsweise die Santander Direkt Bank. Für die Kunden war das lästig. Finanzielle Nachteile hatten sie aber normalerweise nicht.

Egal ob Wertpapierprofi oder Neueinsteiger, wer einen Discountbroker sucht, muss Preise und Leistungen vergleichen. Damit jeder den günstigsten Broker für seine Ordergewohnheiten findet, hat Finanztest 19 Direkt- und Discountbroker untersucht.

Verschiedene Testsieger

Den Testsieger gibt es nicht. Je nachdem, wie intensiv Anleger die Leistungen eines Brokers nutzen wollen, eignen sich unterschiedliche Anbieter.

Zunächst muss der Anleger daher klären, in welche Art von Wertpapieren er investieren will, wie hoch seine Anlagebeträge normalerweise sind und wie viele Transaktionen er in einem Jahr ungefähr machen möchte. Wichtig ist auch, ob er regelmäßig spart oder eher größere Summen auf einmal anlegt.

Mit diesen Eckdaten kann er sein Nutzerprofil festlegen. Wir stellen die besten Angebote für vier unterschiedliche Nut­zertypen vor (siehe „Richtig sparen“).

Die Produktpalette

Bevor ein Anleger jetzt ins Detail geht und sich mit den Preisen der Broker befasst, sollte er den Kreis der Anbieter eingrenzen. Nicht alle Broker bieten sämtliche Leistungen an, die ein Anleger in Anspruch nehmen möchte. Die Tabelle rechts zeigt das Angebot der untersuchten Broker.

Aktien- und Anleihenhandel bieten sie alle. Doch wer auch an ausländischen Börsen handeln will, für den reduziert sich die Zahl der Anbieter.

Was die Fonds betrifft, ist das Bild ebenfalls uneinheitlich. Zwar bieten alle untersuchten Broker für eine Einmalanlage Fonds mit Rabatt auf den Ausgabeaufschlag an, doch Fondssparpläne mit Rabatt bieten nur zehn Broker.

Was die Order kostet

Was die Order kostet, hängt zunächst davon ab, ob ein Anleger seine Geschäfte lieber per Telefon oder online abwickelt. Mit Ausnahme der Augsburger Aktienbank sind Telefonaufträge bei allen Brokern teurer als Onlinekäufe. Bei der Netbank, wallstreet-online und SEBdirect kann man nur online ordern.

Steht der Orderweg fest, richten sich die Kosten für Wertpapierkäufe bei fast allen Anbietern nach der Anlagesumme. Einen Festpreis – im Börsendeutsch Flatfee genannt – verlangt lediglich wallstreet-online.

Wer selten handelt, muss sich weniger um die Orderkosten kümmern, dafür umso gründlicher um alle Kosten rund um das Depot. Sie fallen nicht nur für die Lagerung der Wertpapiere an, sondern auch die Steuerbescheinigung oder das Führen des Wertpapierabrechnungskontos kostet häufig extra. Über das Abrechnungskonto werden alle Wertpapiertransaktionen abgewickelt.

Für die verärgerten Kunden von Deutsche Bank maxblue hat Finanztest eine gute Nachricht: Der Depotübertrag und die Schließung ihres Kontos sind dort kostenlos. Dem Wechsel zu einem günstigeren Anbieter steht also nichts im Weg.

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