Direktversicherungen Test

Katharina Frenz, 26, arbeitet für die Stahlrohrfirma System 180 in Berlin. Das Angebot ihres Arbeitgebers für ­eine Direktversicherung hat sie gern angenommen, zumal sich ihr Betrieb an den Beiträgen beteiligt.

Direktversicherungen sind die einfache Variante für Betriebsrenten und für jeden zu haben, wenn es noch nichts anderes gibt. Wir zeigen die ­besten Einzel- und Gruppenverträge.

Steuern und Sozialabgaben sparen, Gruppenrabatte nutzen und vielleicht noch etwas Geld vom Arbeitgeber dazubekommen – mit betrieblicher Altersversorgung für die Rente zu sparen, lohnt sich fast immer. Das gilt auch weiterhin, obwohl seit 2004 auf die spätere Auszahlung volle gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig werden.

Eine betriebliche Zusatzversorgung ist auch ein Anreiz, einem Unternehmen treu zu bleiben. Für Matthias Broda war dies sogar der Hauptgrund, warum er sich um eine Betriebsrente für seine Mitarbeiter kümmerte.

Broda ist geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens „System 180“ in Berlin. Mit einer betrieblichen Altersversorgung will der 43-Jährige seinen 16 festen Angestellten ein bisschen mehr bieten als nur ein angenehmes Arbeitsklima und gute Aufstiegschancen.

„Hohe Gehälter können wir bisher nicht zahlen, aber im Alter sollen meine Leute das nicht ausbaden müssen“, sagt der Chef der jungen Firma, die ihr Stahlrohrsystem für Möbel- und Ausstellungsbau in ganz Europa vertreibt und viele Läden mit ­modernem Design ausstattet. Der Betrieb bildet zurzeit 14 Lehrlinge in sieben verschiedenen Berufen aus.

Broda hörte sich um, verglich Angebote. Schließlich entschied er sich Ende 2004 für eine Direktversicherung bei der Debeka. Für jeden Mitarbeiter und auch für Broda selbst zahlt die Firma einen ordentlichen Anteil der Beiträge, vorausgesetzt, er gibt selbst etwas dazu. „Ich habe gleich zugegriffen“, sagt Bürokauffrau Katharina Frenz, die mit 26 Jahren die Verwaltung bei System 180 managt. Auch Architekt Andreas Stadler, 32, rechte Hand von Broda, ist froh über seine Zusatzvorsorge, die bisher das Einzige ist, was er an zusätzlicher Altersvorsorge macht.

Einer von fünfen, aber ein starker

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Der angestellte Architekt Andreas Stadler, 32, hat für seine Direktversicherung bei der Debeka reine Rentenleistungen vereinbart. Stadler: „Mir geht es ja um Altersvorsorge. ­Extras würden die Rente schmälern.“

Direktversicherungen sind einer von fünf zulässigen Wegen in der betrieblichen ­Altersversorgung (siehe „Fünf Wege zur Betriebsrente). Für Arbeitgeber sind Direktversicherungen unkompliziert. Sie überweisen die Beiträge. Die Verwaltung der Verträge übernimmt weitgehend der Versicherer.

Arbeitnehmer können den Abschluss ­einer Direktversicherung von ihrem Chef verlangen, wenn er ihnen noch keine Betriebsrente anbietet. Einen Anspruch auf Zuzahlung haben sie aber nicht. Gibt der Chef nichts dazu, müssen die Arbeit­nehmer die Beiträge vollständig selbst per ­Gehaltsumwandlung aufbringen.

Wie in der betrieblichen Altersversorgung generell so entscheidet auch bei einer Direktversicherung der Arbeitgeber, nicht der Arbeitnehmer über den Anbieter. Das ist auch der Fall, wenn der Mitarbeiter seine Beiträge ausschließlich selbst einzahlt. Häufig können Arbeitnehmer aber zum Beispiel über den Betriebsrat Einfluss auf die Auswahl nehmen oder selbst Vorschläge machen. Und in kleinen Unternehmen bezieht der Chef seine Angestellten oft ­direkt in solche Entscheidungen ein.

Außerdem können Arbeitnehmer den Vertrag durch Abwahl oder Hinzunahme von Zusatzleistungen oft optimieren.

Tarife von 60 Anbietern im Test

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Stahlrohre für Regale, Schranksysteme oder Messeaufbauten: Auf 16 feste Mitarbeiter und derzeit 14 Auszubildende ist die Berliner System 180 angewachsen. Später bekommen die Beschäftigten eine Betriebsrente.

Direktversicherungen gibt es bei Lebensversicherern, die sonst vor allem mit ­Privatleuten Altersvorsorgeverträge schließen. Was eine Direktversicherung einem Arbeitnehmer an Zusatzversorgung im ­Alter bringt, hängt sehr vom Anbieter ab. Es lohnt sich also, zu vergleichen. Wir haben die Tarife von 60 Versicherern geprüft.

Bei der Auswahl eines kostengünstigen und renditestarken Angebots helfen die Tabellen „Renditestarke Tarife für Betriebe ab 10 Arbeitnehmer“ und „Die besten Angebote für Einzelverträge“. Dort geben wir an, welche Rente und ­Rendite herauskommt, wenn der Kunde 25 Jahre lang jährlich 1 020 Euro einzahlt. ­Todesfallleistungen für Hinterbliebene und Zusatzversicherungen sind ausgeschlossen. Sie schmälern die Altersrente.

Außerdem unterliegt die Hinterbliebenenabsicherung bei ab diesem Jahr geschlossenen Verträgen engen vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzen. Erben können seither nur noch der Ehepartner des Versicherten oder Partner in eheähnlicher Lebensgemeinschaft sowie Kinder, die bei seinem Tod unter 27 Jahre alt sind. Früher konnten auch andere Personen als Bezugsberechtigte einbezogen werden.

Die garantierte Rendite auf die Beiträge liegt bei allen Angeboten bei mindestens 2 Prozent. Die unverbindliche Beitragsrendite nach aktuellen Überschüssen, die der Versicherer erwirtschaftet, erreicht in allen Fällen mindestens 4 Prozent. Schlechtere Tarife und Angebote, bei der Todesfallleistungen nicht abwählbar sind, haben wir nicht aufgeführt.

Welches Angebot das beste ist, wird auch durch die Zahl der Mitarbeiter und durch die Höhe der Beitragssumme eines Unternehmens bestimmt. Die Tabelle „ Die besten Angebote für Einzelverträge“ zeigt die besten Angebote für ­einen Einzeltarif. Hier gibt es keinen Rabatt. Diese Tabelle ist wichtig, wenn nur für einen oder vielleicht zwei Arbeitnehmer ein Vertrag abgeschlossen werden soll.

Je mehr Mitarbeiter ein Unternehmen versichern will, desto mehr Rabatte werden üblicherweise gewährt. Das wirkt sich unmittelbar auf die Höhe der Rente aus.

So kann ein 40-jähriger Mann, der 25 Jahre lang jährlich 1 020 Euro bei der ­Debeka einzahlt, mit 151 Euro garantierter Rente rechnen, wenn er der Einzige in seiner Firma ist, für den dieser Vertrag abgeschlossen wird. Als garantierte Kapitalabfindung bekäme er 35 126 Euro für seine 25 500 Euro Einzahlung. Entscheiden sich neun weitere Kollegen für diese Versorgung, sind ihm 153 Euro Rente sicher.

Für gleichaltrige Frauen sind die Unterschiede ähnlich groß. Sie bekommen allerdings überall rund 9 Prozent weniger Rente als Männer, weil sie statistisch betrachtet länger leben.

Angebotsspektrum im Markt

Wegen unserer Vorgaben tauchen viele ­Anbieter in den Auswahltabellen „Renditestarke Tarife für Betriebe ab 10 Arbeitnehmer“ und „Die besten Angebote für Einzelverträge“ nicht auf. In der großen Tabelle „Direktversicherungen“ dagegen sind alle Versicherer aufgeführt, die sich an unserer Untersuchung beteiligt haben. Der größte Teil des Marktes ist hier abgebildet.

Diese Übersichtstabelle zeigt das Leistungsspektrum der einzelnen Versicherungsunternehmen. Wichtig ist vor allem der Todesfallschutz und die Möglichkeit, auf ihn zu verzichten. Das erlauben die meisten Gesellschaften.

Streicht der Arbeitnehmer diesen Schutz nicht, erhält er weniger Altersrente. Dafür bekämen seine nahen Angehörigen im Fall seines Todes vor Rentenbeginn die eingezahlten Beiträge oder das angesparte Kapital als Rente ausgezahlt.

Üblich ist, dass eine Rentengarantiezeit vereinbart werden kann. Dann würde die Rente auf jeden Fall für eine vereinbarte Zeit von 5, 10 oder 15 Jahren gezahlt, auch wenn der Versicherte kurz nach Renten­beginn stirbt. Auch hier können nur nahe Angehörige profitieren. Außerdem würde dieses geringe „Restgeld“ in eine lebenslange Rente für diese umgemünzt werden.

Singles und Kinderlose können bis auf ein Sterbegeld von 8 000 Euro keine Versicherungsleistungen vererben. Sie sollten daher auf eine Todesfallleistung verzichten, denn sie zehrt an der Rendite.

Auch ein zusätzlich vereinbarter Inva­liditätsschutz senkt die Altersrente. Viele Versicherer bieten die Möglichkeit an, im Rahmen einer Direktversicherung Zusatzleistungen für den Fall von Berufs- und ­Erwerbsunfähigkeit abzudecken. Eine Invalidenrente aus dieser Quelle wäre voll steuerpflichtig. Besser ist es, für den Inva­liditätsfall separat und privat vorzusorgen.

Die Förderung

In den Tabellen zeigen wir, wie hoch die Renditen auf die Einzahlung sind. Doch selbst wenn der Arbeitgeber nichts zuschießt, muss der Kunde nicht alles allein zahlen. Das liegt daran, dass der Staat per Förderung einiges dazugibt. Die indivi­duelle Rendite kann so für den einzelnen Sparer noch deutlich höher ausfallen, als die Tabellenwerte ausweisen (siehe auch Artikel Staatliche geförderte Altersvorsorge). In diesem Jahr kann jeder Arbeitnehmer bis zu 2 496 Euro steuer- und sozialabgabenfrei für die Betriebsrente sparen.

1 800 Euro, allerdings nur steuer-, nicht sozialabgabenfreier Beitrag sind zusätzlich drin, wenn der Arbeitnehmer noch keine „alte“ Direktversicherung bespart. Mit „alt“ ist ein vor 2005 geschlossener Vertrag gemeint, bei dem bis 1 752 Euro jährlich aus nur mit 20 Prozent versteuertem Einkommen in den Vertrag fließen durften.

Bei vor 2005 geschlossenen Verträgen bleibt die steuerliche Behandlung aber auch in Zukunft gleich. Hier darf die Auszahlung außerdem nicht nur als Rente, sondern kann auch als Einmalzahlung ­erfolgen. Einmalzahlungen sind steuerfrei, bei Renten gilt im Alter nur die geringe ­Ertragsanteilbesteuerung. „Dass das bei neuen Mitarbeitern anders laufen würde, haben wir eingeplant“, sagt System-180-Chef Matthias Broda.

Veränderung seit 2005

Schlechter ist es für „Neue“ nicht geworden, nur anders. Steuerlich betrachtet ist die neue Förderung ab 2005 für viele oft sogar attraktiver, denn für Berufstätige ist der Steuersatz oft deutlich höher als im ­Ruhestand. Die Rente oder Kapitalauszahlung ist allerdings später voll steuerpflichtig. Und es gelten jetzt noch mehr Regeln für die Verträge.

So soll eine ab 2005 neu abgeschlossene Direktversicherung „vorrangig“ eine Rentenversicherung sein. Der versicherte ­Arbeitnehmer kann zwar bei Rentenbeginn bis zu 100 Prozent des angesparten Geldes entnehmen. Auf die hohe Einmalzahlung wäre aber ein viel höherer Steuer­satz fällig als auf eine jahrelange Aus­zahlung in Form einer Rente. Der Sparer würde ein schlechtes Geschäft machen.

Viele Versicherer haben noch keine neuen Regelungen in ihre Unterlagen hinein- geschrieben. Sie gelten aber trotzdem.

Zu wenig Information

Ausgewertet haben wir auch, wie die Versicherer Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Verträge informieren. Zumindest bei der Antragstellung gibt es bei fast allen viel Nachholbedarf, was die Aufklärung ihrer Kunden angeht. Rühmliche Ausnahmen sind in diesem Punkt die Gesellschaften Gothaer, Hannoversche Leben, Huk-­Coburg, VHV und Volksfürsorge.

Auch die Debeka informiert hier standardmäßig unzureichend. Unternehmer Broda war trotzdem zufrieden: „Sie haben jemanden hergeschickt. Da konnten alle Mitarbeiter ihre Fragen loswerden.“

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