Direktversicherung Meldung

In der Klempnerei von Lothar Meichelbeck (vorn) werden die Direktversicherungen weiterhin pauschal versteuert.

Nur wenige Arbeitnehmer können ihre vor dem Jahr 2005 ­abgeschlossene Direktversicherung auf die neuen Steuerregeln ­umstellen. Wir sagen, wer sich jetzt entscheiden muss.

Stichtag 30. Juni 2005. Nicht nur im Berliner Sanitärbetrieb Meichelbeck hat der Termin aus dem Alterseinkünftegesetzt für Verwirrung gesorgt. Denn bis zu diesem Datum sollen Arbeitnehmer, die mit einer vor 2005 abgeschlossenen ­Direktversicherung fürs Alter vorsorgen, zwischen den alten und den neuen seit Januar 2005 geltenden Steuerregeln wählen.

- Entweder entscheiden sie, dass ihre Beiträge wie bisher weiterhin mit 20 Prozent pauschal versteuert werden. Dann ist die Rente später zum größten Teil steuerfrei.

- Oder sie wählen die neuen Steuerregeln. Dann können sie derzeit bis zu 2 496 Euro steuerfrei in ihre Direktversicherung investieren. Im Gegenzug müssen sie ihre Rente später voll beim Finanzamt abrechnen ­(siehe Direktversicherung: Letzte Chance).

Meichelbecks Mitarbeiter wurden vom Versicherer aufgefordert, bis zum 30. Juni eine Erklärung abzugeben, wenn die alten Regeln weiterhin für ihren Vertrag gelten sollen. Andernfalls würden die Verträge nach den neuen Steuerregeln behandelt. So steht es im Gesetz.

Doch das ist Theorie. Die Mitarbeiter der Klempnerei hätten sich die Erklärung sparen können. Denn sie haben wie die meisten Arbeitnehmer gar keine Wahlmöglichkeit. Die vor 2005 abgeschlossenen Verträge sind nämlich fast alle so ­gestaltet, dass sie die Voraussetzungen für die neuen Steuerregeln gar nicht erfüllen. In den alten Verträgen kann der versicherte Arbeitnehmer in der Regel frei bestimmen, dass im Fall seines Todes beispielsweise seine Schwester oder sein Patenkind die Hinterbliebenenleistung bekommt. Allein diese Möglichkeit führt dazu, dass die neuen Steuerregeln nicht gelten. Es bleibt bei der Pauschalversteuerung.

Wenn die neuen Regeln greifen sollen, dürfen nur die Witwe oder der Witwer, die Kinder bis zum 27. Lebensjahr, der frühere Ehepartner oder die Lebensgefährtin oder der Lebensgefährte eine Hinterbliebenenrente bekommen. Alle anderen Möglichkeiten müssen von vornherein ausgeschlossen sein.

Auch wenn der Vertrag eine reine Kapitalauszahlung und keine Rente vorsieht, sind die neuen Steuerregeln nicht möglich.

Nur ein einziger Vertrag umgestellt

Im Bestand der Nürnberger Versicherungsgruppe zum Beispiel sind es gerade mal 147 von insgesamt weit mehr als 100 000 Verträgen, die die tariflichen Voraussetzungen für eine Umstellung von den alten auf die neuen Steuerregeln erfüllen. Die betroffenen Kunden haben einen Vertrag ganz ohne Todesfallleistung abgeschlossen.

Beim Anbieter Deutscher Herold gibt es 27 dieser so genannten Single-Verträge.

Die Versicherungsgesellschaften haben jeden betroffenen Kunden von sich aus angeschrieben und ihn auf die Wahlmöglichkeit zwischen alten und neuen Steuerregeln aufmerksam gemacht. Beim Deutschen Herold hat sich nur ein einziger Versicherter für die neuen Steuerregeln entschieden. Bei der Nürnberger gar keiner.

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