Bis zum Jahresende können Arbeitnehmer mit der Firma noch Direktversicherungen vereinbaren, die ihre Steuerlast im Alter begrenzen. Ab Januar ändern sich die Regeln.

Viele Firmen bieten ihren Mitarbeitern eine Direktversicherung an. Der Chef schließt für sie eine Lebensversicherung mit mindestens zwölf Jahren Laufzeit ab und zieht die Beiträge vom Gehalt ab. Für den investierten Lohn führt er pauschal 20 Prozent Steuern ab. Frühestens mit 60 Jahren bekommen die Mitarbeiter steuerfrei eine größere Summe oder eine Rente, von der sie nur wenig versteuern müssen.

Die Steuervorteile und Bedingungen für Direktversicherungen ändern sich nun. Wer dieses Jahr noch eine Direktversicherung von der Firma erhalten kann, sollte sich deshalb überlegen, ob er das Angebot annimmt oder lieber bis nächstes Jahr wartet.

Ab 2005 fördert der Staat Direktversicherungen von der Firma genauso wie Einzahlungen in Pensionskassen und Pensionsfonds. Dann zahlen Arbeitnehmer für den Lohn, den sie für den Vertrag abzweigen, überhaupt keine Steuern mehr. Im Gegenzug müssen sie die Kapitalsumme oder die Rente, die sie im Alter aus dem Vertrag erhalten, beim Finanzamt voll abrechnen.

Ob die alten oder die neuen Regeln besser sind, hängt davon ab, ob ein Arbeitnehmer lieber jetzt oder im Alter seine Steuerlast begrenzen will.

Steuerlast im Alter

Für Arbeitnehmer, die ihre Steuerlast im Alter begrenzen wollen, sind die alten Steuervorteile für Direktversicherungen besser als die neuen. Das zeigt das Beispiel eines 40-Jährigen, den wir Günter Paul nennen.

Erhält Paul aus einer Direktversicherung nach den alten Regeln später eine Rente, muss er davon nur einen Bruchteil beim Finanzamt abrechnen. Von Renten, die mit 65 Jahren beginnen, sind nur 18 Prozent steuerpflichtig (siehe Kapitallebensversicherung, > Tabelle „Hoher Freibetrag für Privat- und Betriebsrenten“).

Lässt der 40-Jährige sich das Kapital im Alter auf einen Schlag auszahlen, muss er gar keine Steuern dafür zahlen.

Günstig für Jüngere

Die Steuervorteile, die Direktversicherungen bisher im Alter bieten, sind vor allem für jüngere Arbeitnehmer günstig. Denn sie werden einmal viel von ihrer gesetzlichen Rente beim Finanzamt abrechnen müssen. Je jünger sie heute sind, desto mehr ist davon steuerpflichtig. Dann ist es gut, wenn im Alter wenigstens von ihren anderen Einkünften viel steuerfrei ist.

Darauf muss auch Günter Paul achten, der heute 40 Jahre alt ist. Von seiner gesetzlichen Rente sind 89 Prozent steuerpflichtig, wenn sie mit 65 Jahren beginnt. Bekommt er 12 000 Euro Rente, muss er davon 10 680 Euro beim Finanzamt abrechnen.

Nehmen wir an, dass der 40-Jährige sich noch dieses Jahr für eine Direktversicherung entscheidet und daraus mit 65 Jahren jedes Jahr 5 280 Euro Rente bekommt. Dann sind davon nur rund 950 Euro (18 Prozent) steuerpflichtig.

So viel muss Günter Paul von beiden Renten zusammen im Alter versteuern:

Gesetzliche Rente: 10 680 Euro
+ Betriebliche Rente: 950 Euro
– Werbungskostenpauschale: 102 Euro
Renteneinkünfte: 11 528 Euro
– Versicherungsbeiträge: 1 500 Euro
– Sonderausgabenpauschale: -36 Euro
Zu versteuerndes Einkommen: 9 992 Euro

Für das zu versteuernde Einkommen von 9 992 Euro zahlt Paul mit 65 Jahren 397 Euro Steuern im Jahr, wenn der neue Steuertarif für das Jahr 2005 dann noch gilt. Wäre die Rente aus der ­Direktversicherung voll steuerpflichtig,  – wie bei Verträgen ab 2005 – würde das Finanzamt schon im ersten Jahr 977 ­Euro mehr kassieren.

Lässt der 40-Jährige sich statt der Rente später das Kapital auf einen Schlag auszahlen, kann er bei einer guten Gesellschaft 90 000 Euro bekommen. Schließt er den Vertrag bis Ende Dezember ab, ist die Summe steuerfrei.

Vereinbart Paul die Direktversicherung nächstes Jahr, sind die 90 000 Euro im Alter voll steuerpflichtig. Dann verlangt das Finanzamt im Jahr der Auszahlung dafür 33 460 Euro Steuern.

Steuerersparnis für die Beiträge

Bekommen Arbeitnehmer für ihre Direktversicherung noch die alten Steuervorteile, können sie auch für den investierten Lohn Steuern sparen. Der Chef kann bis zu 1 752 Euro im Jahr mit 20 Prozent pauschal versteuern. Das ist meist weniger als der tatsächliche Steuersatz des Versicherten.

Muss Günter Paul ohne die Police jährlich 50 000 Euro versteuern, spart er rund 361 Euro Steuern, wenn er nächstes Jahr 1 752 Euro in die Altersvorsorge investiert (siehe Tabelle „Alte Steuervorteile“). Nehmen Arbeitnehmer dafür Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld, fallen dafür bis 2008 gegebenenfalls auch die Sozialabgaben weg.

Wollen Arbeitnehmer bis zur Rente aber möglichst viel Steuern und Sozialabgaben sparen, vereinbaren sie die Direktversicherung besser erst nächstes Jahr. Denn nach neuem Recht spart Günter Paul 712 Euro Steuern, wenn er 50  000 Euro Einkommen im Jahr versteuert und 1 752 Euro in den Vertrag einzahlt. Das sind 351 Euro mehr als zurzeit (siehe Tabelle „Neue Steuervorteile“).

Künftig ist mehr Lohn steuerfrei

In neue Verträge kann der 40-Jährige außerdem rund 2 470 Euro im Jahr steuerfrei investieren. Mit einem alten Vertrag enden die Steuervorteile dagegen bei 1 752 Euro im Jahr.

Für die neue Grenze von 2 470 Euro entfallen bis zum Jahr 2008 auch die ­Sozialabgaben.  Ob Arbeitnehmer den Versicherungsbeitrag vom Gehalt oder von Sonderauszahlungen wie dem Weihnachtsgeld bestreiten, ist egal.

Für viele ist die steuerfreie Grenze künftig sogar noch höher als 2 470 Euro im Jahr, wenn sie die Direktversicherung ab Januar 2005 bekommen. Haben sie keine Altersversorgung von der Firma, in die sie pauschal versteuerten Lohn einzahlen, erhöht sich der Betrag um 1 800 Euro. Dann sind Lohneinzahlungen bis zu rund 4 270 Euro im Jahr steuerfrei. Nur die Sozialabgaben fallen für die 1 800 Euro nicht weg.

Die Rechnung für die neuen Vorteile kommt im Alter, wenn Arbeitnehmer das Kapital oder die Rente beim Finanzamt abrechnen müssen.

Neue Bedingungen

Ab 2005 müssen steuerbegünstigte Direktversicherungen außerdem neue Bedingungen erfüllen. Als Leistung im Alter, bei Invalidität oder im Fall des Todes muss der Vertrag eine Rente oder einen Auszahlungsplan vorsehen. Kapitalauszahlungen sind nur als Option möglich. Sie können nicht mehr als einzige Leistung vereinbart werden.

Im Fall des Todes dürfen nur Ehepartner begünstigt sein oder Kinder, für die noch Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge besteht. Sonst sind die Steuervorteile weg.

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