Altersvorsorge ließ sich bisher mit einer pauschal versteuerten Direktversicherung gut machen. Steuervorteile und gesparte Sozialabgaben machten sie attraktiver als eine private Lebensversicherung. Das ist nun anders.

„Wenn ich das gewusst hätte!“ Claus S. ist empört. Der frisch gebackene Rentner aus Westfalen ist Opfer eines neuen Gesetzes. Auf die Auszahlung von Direktversicherungen werden seit dem 1. Januar 2004 generell Krankenkassenbeiträge fällig. Es gilt der volle Satz wie jetzt auf alle Betriebsrenten und Einmalzahlungen aus betrieblicher Altersvorsorge. Sogar Verträge, die nur anfänglich über den Betrieb liefen und später privat fortgesetzt wurden, sind davon betroffen. Nur privat Krankenversicherte müssen nichts zahlen.

Die Direktversicherung von Claus S. ist im April fällig. Dann wird er eine große Summe auf einen Schlag bekommen. Die Kasse rechnet sie fiktiv auf 120 Monate um. Sie tut so, als bekäme der Rentner zehn Jahre lang über seine Altersbezüge hinaus einen Monatsbetrag aus seiner Direktversicherung.

Für diese und alle anderen Alters­einkünfte, egal ob gesetzliche oder Betriebsrente, zahlt der Rentner Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Nur was über die Beitragsbemessungsgrenze von zurzeit 3 487,50 ­Euro hinausgeht, bleibt beitragsfrei.

Wer 90 000 Euro aus einer Direktversicherung erhält und zusätzlich über normale Einkünfte aus gesetzlicher und betrieblicher Rente verfügt, überweist zehn Jahre lang rund 120 Euro mehr monatlich an seine Kasse.

Die Beitragslast ist für Rentner auch deshalb so hoch, weil sich bei ihnen kein Arbeitgeber mehr mit der Hälfte an den Kassenbeiträgen beteiligt.

Verschweigen kann ein Rentner seinen Geldregen nicht. Die Zahlstellen für Versorgungsbezüge – auch Direktversicherungen gelten als solche – sind verpflichtet, die Kasse des Empfängers über jede Auszahlung zu informieren.

Vorteil verpufft?

Der Steuervorteil veranlasste Claus S. vor 14 Jahren, sich als Zusatzvorsorge statt für eine private für eine Kapitallebensversicherung über den Betrieb in Form einer Direktversicherung aus Gehaltsumwandlung zu entscheiden. Der Rentner: „Eine private Versicherung wäre jetzt beitragsfrei. Dass der Steuervorteil das rausreißt, bezweifle ich.“

So wie der 65-jährige S. ärgern sich viele. „Der Gesetzgeber hat in ein Wespennest gestochen“, meint Hans Hungenberg vom AOK-Bundesverband. Hungenberg glaubt aber, dass sich der Aufruhr bald wieder legen wird: „Bis 1982 waren Betriebsrenten komplett beitragsfrei, ab dann war der halbe Beitrag fällig, jetzt der volle. Damals haben es die Betriebsrentner geschluckt, jetzt werden sie es auch tun, auch die neuen Beiträge auf Direktversicherungen.“

Hatte der Arbeitnehmer eine Rentenversicherung als Direktversicherung abgeschlossen, hielt die Krankenkasse schon bisher die Hand auf, sobald die erste Rente floss. Entschied der Rentner schon vor Rentenbeginn per Kapitalwahlrecht, sich das Geld lieber als Einmalsumme statt als Rente auszahlen zu lassen, wollte die Krankenkasse von diesem Geld bisher aber nichts haben.

Änderung denkbar

Im Jahr 2002 waren rund 4,6 Millionen der Direktversicherungen in Deutschland Kapitallebens- und knapp 1 Million Rentenversicherungen. „Kassenbeiträge fielen selten an“, sagt Stefan Sieben vom Verband der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) in Siegburg.

Sieben kann sich vorstellen, dass der Gesetzgeber die Regel wegen der Empörung wieder ändert. „Wenn die Besteuerung der Alterseinkünfte zu 2005 neu geregelt wird, ließe sich das gut unterschieben.“

Lohnt sich eine Direktversicherung zurzeit noch? Nur beim guten Angebot mit Gruppenrabatt und hohem individuellen Steuervorteil ist die Antwort ja. Wer einen Vertrag hat, sollte dabei bleiben. Beitragsfreistellung ist ein Minusgeschäft. Ums Sparen fürs Alter kommt außerdem keiner herum.

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