Dioxin in Eiern und Geflügel Meldung

Wochen­lang haben Geflügelhöfe Dioxin-verseuchtes Futtermittel verfüttert. Der Skandal kam ans Tages­licht, als Lebens­mittel­prüfer Dioxin in Eiern fanden. Allein in Nieder­sachsen schlossen die Aufsichts­behörden darauf­hin rund 1 000 Betriebe. test.de klärt auf.

Abfall im Tierfutter

Der Futtermittel­hersteller Harles & Jentzsch hat im Tierfutter tech­nische Fett­säure verarbeitet, ein Abfall­produkt der Biodiesel­herstellung. Damit hätte er Schmier­mittel herstellen dürfen, nicht aber Tier­nahrung. Insgesamt lieferte Harles & Jentzsch 2 700 Tonnen Dioxin-verseuchten Futtermittels an andere Futtermittel­hersteller. Diese verkauften es weiter. Unter anderem an Höfe in Nieder­sachsen, Nord­rhein-West­falen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Neben Hühnern fraßen auch Puten und Schweine das vergiftete Futter.

Nicht verkehrs­fähig

Die Tests laufen noch. Bislang fanden die Lebens­mittel­prüfer in 18 Eiern Dioxin. Bei mehreren Proben über­schritt der Dioxin­gehalt den in der Europäischen Union fest­gelegten Höchst­gehalt. Diese Eier hätten nicht in den Handel gelangen dürfen. Die von den geschlossenen Höfen ausgelieferten Eier werden jetzt aus dem Verkehr gezogen. Die Namen der betroffenen Höfe sowie die Zahl der verkauften Eier behalten viele Aufsichts­behörden jedoch für sich. Der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundes­verband, Gerd Billen, fordert deshalb mehr Trans­parenz: "Die Behörden müssen die Öffent­lich­keit aktiv informieren, welche Hersteller, Händler und Chargen­nummern betroffen sind."

Zwei Stempel­nummern

Bisher hat nur das nord­rhein-west­fälische Umwelt­ministerium die Stempel­nummern möglicher­weise belasteter Eier veröffent­licht. Die Eier wurden bis zum 23. Dezember verkauft. Es handelt sich um XL-Eier mit der Stempel­nummer 2-DE-0513912 und um bräunliche Eier mit der Nummer 3-DE-0514411. Das Ministerium betonte, die betroffenen Land­wirte hätten unwissentlich das verunreinigte Futter verwendet und trügen nun die Konsequenzen für das Fehl­verhalten Dritter.

[Update: 5. Januar 2011]

Inzwischen hat auch Nieder­sachsen eine Stempel­nummer möglicher dioxin-belasteter Eier veröffent­licht. Eier mit dem Erzeugercode 2-DE-0355461 über­schritten in einer amtlichen Proben­unter­suchung die Höchst­grenze. Das Ministerium für Ernährung, Land­wirt­schaft, Verbraucher­schutz und Landes­entwick­lung rät vom Verzehr dieser Eier ab. Sobald weitere Ergeb­nisse vorliegen, sollen auch diese Kenn-Nummern folgen.
Tipp: test.de sagt, ob Sie Eier oder Geflügel­fleisch reklamieren können.

Eigene Recherche

Wer trotzdem die Herkunft seiner Eier ermitteln möchte, muss selbst nach­forschen. Über den aufgedruckten Erzeugercode lassen sich Betrieb und Stall­nummer ermitteln. Zusätzlich zeigt das Bundes­amt für Verbraucher­schutz und Lebens­mittel­sicherheit eine Liste aller zugelassenen Betriebe. Die Zulassungs­nummer steht auf der Eier­verpackung. Auf diesem Weg lässt sich der Hersteller bestimmen. Ein Anruf bringt Klarheit, ob der Betrieb geschlossen wurde oder nicht.

Verzehr vermeiden

Wer über einen kurzen Zeitraum dioxinhaltige Eier verzehrt hat, muss keine unmittel­bare gesundheitliche Beein­trächtigung befürchten. So sieht es das Bundesinstitut für Risikobewertung. Trotzdem sollte jeder möglichst wenig Dioxin zu sich nehmen. Denn der Körper baut Dioxin nur sehr lang­sam ab. Lang­fristig kann Dioxin Krebs erregen, das Immun­system stören sowie Atemwege, Schild­drüse und Verdauungs­trakt schädigen. Besonders vorsichtig sollten Kinder sein: Wegen ihres geringeren Körpergewichts erreichen sie die kritische Aufnahme­menge von Dioxin schneller als Erwachsene. Sie sollten nicht mehr als ein bis zwei Eier pro Woche essen.

Ohne Haut und Fett

Weniger wahr­scheinlich ist Dioxin in Hähn­chen­brust­filet. Grund: Das Gift lagert sich vor allem im Fett­gewebe und in der Haut ab. Davon haben Hähnchenbrustfilets naturgemäß wenig.

Weitere Informationen: Gift im Frühstücksei Teil 2

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