Digital­radios im Test

Digital­radios im Test: Drei klingen gut

11.07.2018
Digital­radios im Test - Drei klingen gut
© Stiftung Warentest / Ralph Kaiser, iStock (M)

Die meisten taugen als Küchen­radio passabel, doch nur drei klingen gut. Fast alle schwächeln beim UKW-Empfang.

Digital­radios im Test Testergebnisse für 18 Digital­radios 7/2018

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Inhalt

Am 18. August 1931 wurde Radio­geschichte geschrieben. Erst­mals konnten Freunde der Bayreuther Fest­spiele das Musikdrama „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner live im Radio verfolgen – nicht nur in Deutsch­land, sondern auf der ganzen Welt. Möglich machte das damals der Bayerische Rund­funk. Mit vier Mikrofonen, einer riesigen Verstärker­anlage, zwei Kilo­meter neuverlegtem Kabel und einer Sendekette über München, Plauen, Leipzig und Berlin strahlte der Sender das Wagner-Stück via Kurz­welle an mehr als 200 Radio­stationen in Europa, Nord­amerika und Nord­afrika aus. Stolze 24 Millionen Radios waren in der Lage, das Programm zu empfangen.

Die historische Über­tragung gilt als erste welt­weite Live­sendung im Radio. 87 Jahre später führt die Kurz­welle nur noch ein Nischendasein. Radio­sender aus der ganzen Welt zu hören, ist dagegen fast alltäglich geworden, dank Internet­radio. Ganz gleich ob der norwegische Weihnachts­sender „Jule­kanalen“, die beliebte US-amerikanische Radio­sendung „This American Life“ oder Reggae-Sound vom „Carri­bean Vibes Radio“ – mit internet­fähigen Digital­radios lassen sich nicht nur heimische Sender empfangen, sondern Radio­stationen aus den hintersten Ecken des Globus. Die Musik wird rausch­frei geliefert, dazu gibt es Zusatz­infos wie Titel und Interpret, Moderator oder den Namen der Sendung.

Unser Rat

Von den Digital­radios mit Internet­anschluss landet das Roberts Stream 218 (229 Euro) dank gutem Ton ganz vorn. Wie die meisten im Test schwächelt es aber beim UKW-Empfang. Bei den reinen DAB+- und UKW-Radios ohne Internet­zugang liegt das Sony XDR-S61D für 94 Euro vorn. Es über­zeugt mit guten Empfang und sehr nied­rigem Strom­verbrauch, klingt aber nur befriedigend.

Keine Klangwunder

Wir haben 18 Digital­radios geprüft. Alle empfangen per Antenne sowohl klassische UKW-Sender (Ultra­kurz­welle) als auch moderne Digitalsender, die ihre Programme über den Stan­dard DAB+ (Digital Audio Broad­casting) ausstrahlen. Zehn Geräte beherr­schen über­dies Internet­radio, das per WLan in die heimische Küche kommt (siehe „Aus Neuss oder New York“).

So schön die Sender­vielfalt auch ist, vom Klang dürfen Radio­freunde nicht allzu viel erwarten. Obwohl viele Geräte zwischen 100 und 200 Euro kosten, klingen sie weniger brillant und voll­wertig als ähnlich teure WLan- oder Bluetooth-Boxen. Zum Nebenbei-Hören in der Küche reicht das, um eine Party im Wohn­zimmer zu beschallen, nicht. Gut klingen allein die drei Internet­radios von Roberts, Sonoro und Teufel – mit mehr als 200 Euro die teuersten im Test. Zudem schwächeln viele Radios ausgerechnet beim klassischen UKW-Empfang und liefern nur wenige Sender störungs­frei ins Haus. Den Testsieg fährt das Roberts Stream 218 ein. Fast genauso gut und nur halb so teuer ist das Medion P85135. Bestes Digital­radio ohne Internet­zugang ist das Sony XDR-S61D (Testergebnisse: Digitalradios).

Unsichere UKW-Zukunft

Deutsche Radio­hörer leben in unsicheren Zeiten. Sie wissen nicht genau, wie lange ihr Lieblings­radio­sender noch klassisch über UKW empfang­bar ist. Erst jüngst sorgte ein Streit zwischen Sendernetz­betreiber und Antennen­besitzern für Verunsicherung. Der Dienst­leister Media Broad­cast hat mehrere Hundert Antennen des UKW-Netzes verkauft. Die neuen Eigentümer verlangen nun höhere Mieten und drohen mit der Abschaltung von UKW-Frequenzen, wenn sich die Sender nicht auf neue Verträge einlassen. Das trifft besonders die privaten Sender, die selten eigene Sendernetze betreiben, sondern sich in bestehende Netze einmieten. Der Streit ist noch nicht beendet. Auch darüber hinaus geistert das Thema „UKW-Abschaltung“ immer wieder durch die Medien. Nicht zuletzt, weil die Regierungs­parteien CDU, CSU und SPD im Koalitions­vertrag vereinbart haben, das Digital­radio als „nied­rigschwel­liges Medium“ stärken zu wollen.

Die Digital­technik hat Vorteile. Sie ist energieeffizienter und es können viel mehr Sender ausgestrahlt werden, noch dazu störungs­frei. Das eröffnet Radio­stationen neue Möglich­keiten, etwa eigene Kanäle zu bestimmten Themen oder Musik­genres auszustrahlen. So wie es der norwegische Sender „P7 Klem“ mit dem am Jahres­ende aktiven „Jule­kanalen“ ausschließ­lich für Weihnachts­lieder vormacht. Mehr als zwei Millionen Hörer schalteten ihn 2015 ein. In Norwegen gibt es seit 2017 kein UKW-Radio mehr. Bei Hörern in Deutsch­land ist UKW hingegen nach wie vor der beliebteste Weg für den Radio­konsum.

Digital­radios im Test Testergebnisse für 18 Digital­radios 7/2018

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Schwächen beim UKW-Empfang

Viele Anbieter von Digital­radios scheinen die UKW-Technik nicht mehr im Fokus zu haben. Von den internet­fähigen Radios bietet kein einziges einen guten Empfang über Ultra­kurz­welle. Die gute Nach­richt: DAB+ verursachte im Test kaum Probleme, Internet­radio gar keine. Steht die WLan-Verbindung, lassen sich die Sender einwand­frei empfangen. Bei den Digital­radios ohne Internet­zugang sieht es kaum besser aus. Als einziges Gerät bietet Grundig Music 7000 DAB+ einen guten UKW-Empfang. Stolze 35 Sender spielte es im Test störungs­frei ab.

Mehr als nur Radio­hören

Trotz neuer Technik und moderner Funk­tionen wie Internet­radio: Die Bedienung ist nach wie vor kein Hexen­werk. UKW-Sender finden die Radios ganz klassisch per auto­matischem oder manuellem Sendersuch­lauf. DAB+-Sender suchen sie sich meist selbst beim ersten Einschalten – bei Roberts, Sonoro, Soundmaster und den zwei Technisats ohne Internet sind die bundes­weit empfang­baren Sender sogar vorprogrammiert. Die Internet­radios bieten Verzeich­nisse, aus denen sich die Sender einfach anwählen lassen (siehe oben).

Einige Radios bieten über­sicht­liche Farb­displays, die das Navigieren zu Zusatz­funk­tionen wie etwa Bluetooth erleichtern. Panasonic, Pure, Roberts, Sonoro, Soundmaster und Teufel eignen sich dank des Kurz­stre­cken­funks als Abspiel­station für Musik vom Handy. Dafür koppeln Nutzer es einfach per Bluetooth mit dem Radio. Für Nutzer des Streaming­dienstes Spotify interes­sant sind die Internet­radios von Grundig, Medion, Roberts, Sonoro und Teufel. Sie können über „Spotify Connect“ aus ihrer App das Radio zur Wieder­gabe anwählen – und beispiels­weise „Tristan und Isolde“ hören, wann immer sie wollen. Wenn auch nicht live aus Bayreuth.

Tipp: Weiterhören. Sie lauschen lieber über WLan- oder Bluetoothboxen? Tests dazu finden Sie auf unserer Themenseite Aktuelles aus Musik + Audio + Hifi.

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