Test­programm Kameras 2019

Kameras bewertet die Stiftung Warentest in vier bis fünf Disziplinen: Bild mit auto­matischen Einstel­lungen, Bild mit manuellen Einstel­lungen (nur bei hoch­wertigen Kameras), Video, Sucher und Monitor sowie Hand­habung. Bei wasser­dichten Kameras kommt ein Härtetest dazu. Die Noten in den Disziplinen heißen Gruppen­urteile. Aus den fünf Gruppen­urteilen ergibt sich das test-Qualitäts­urteil. Lesen Sie hier, wie die Stiftung Warentest testet und bewertet.

Einfache und hoch­wertige Kameras

Wir unterscheiden beim Test zwischen einfachen Kompakt­kameras und hoch­wertigen Kameras. Einfache Modelle sind vor allem für auto­matische Fotos gemacht, dazu gehören kleine Kompakt­kameras und größe Bridge­kameras. Hoch­wertige Kameras bieten mehr Gestaltungs­möglich­keiten, dazu gehören Systemkameras mit Wechsel­objektiven und hoch­wertige Kompakt­kameras. Diese Kameras haben einen größeren Bild­sensor (Format 1-Zoll oder größer), bieten manuelle Funk­tionen und können Rohdaten speichern. Um der Klasse der hoch­wertigen Kameras gerecht zu werden, bewerten wir ihr Bild nicht nur im Auto­matikmodus sondern auch mit manuellen Einstel­lungen.

Im Bild direkt vergleich­bar

Für den schnellen Vergleich von einfachen und hoch­wertigen Kameras gibt es seit 2016 ein gemein­sames Gruppen­urteil für das Bild. Es gilt gleichermaßen für alle Kameras, egal ob einfach Kompakt­kamera oder hoch­wertiges Modell. Wir bewerten die Bild­qualität mit auto­matischen Einstel­lungen. Das Gruppen­urteil „Bild mit auto­matischen Einstel­lungen“ ist direkt vergleich­bar. Und der Vergleich zeigt, die hoch­wertigen Kameras liegen fast immer vorn.

Gewichtung

Die Stiftung Warentest berechnet das test-Qualitäts­urteil aus den fünf Gruppen­urteilen, bei einfachen Kompakt­kameras aus den vier Gruppen­urteilen. Jedes Gruppen­urteil geht mit einem festen Anteil ins Qualitäts­urteil ein. Die Gruppen­urteile selbst entstehen aus einer Vielzahl von Einzel­wertungen, auch Einzel­urteile genannt.

Die Gruppen­urteile für Systemkameras und hoch­wertige Kompakt­kameras sind aktuell wie folgt gewichtet:

  • Bild 40%
  • Bild mit manuellen Einstel­lungen 10%
  • Video 10%
  • Sucher und Monitor 10%
  • Hand­habung 30%
  • Härtetest 0% (nur bei wasser­dichten hoch­wertigen Kameras)

Die Gruppen­urteile für einfache Kompakt­kameras sind aktuell wie folgt gewichtet:

  • Bild 50%
  • Bild mit manuellen Einstel­lungen entfällt (Details dazu unten)
  • Video 10%
  • Sucher und Monitor 10%
  • Hand­habung 30%
  • Härtetest 0% (nur bei wasser­dichten Outdoor-Kameras)

Bild

Herz­stück des Tests sind ausführ­liche Sehtests unter stan­dardisierten Bedingungen. Zwei Foto­amateure und drei erfahrene Prüf­ingenieure be­urteilen die Aufnahmen der Kameras auf profilierten, hoch­wertigen Computermonitoren. Profiliert heißt: speziell einge­messen und farb­treu, damit die Anzeige bei jedem Test­lauf identisch ist.

Sehtest. Wir fertigen Aufnahmen mit Auto­matik als JPEG-Datei. Die Test­experten beur­teilen stets dieselben Motive: Porträt ohne Blitz (Hauttöne) und verschiedene farbige Gegen­stände. Aufnahmen bei Raumbe­leuchtung (D65, 140 Lux) und im hellen Licht (8 000 Lux).

Verwack­lungs­schutz. Test auf Rüttel­mess­stand mit ein- und ausgeschalteter Bild­stabilisierung. Jeweils fünf Fotos bei wenig Licht (11 Lux, ohne Blitz), so dicht wie möglich an der Normal­brenn­weite, und bei gutem Licht (1000 Lux) mit maximaler Brenn­weite sowie bei vierfacher Normal­brenn­weite (wenn möglich). Wir bewerten Bild­schärfe, Detailtreue und Bild­rauschen.

Auflösung. Prüfung der Auflösung mit einer Test­tafel (TE42v2) in der Bild­mitte und in den Bild­ecken bei Offenblende und wenn einstell­bar bei Blendenzahl 5,6. Prüfung auf Farb­fehler. Wir bewerten Aufnahmen mit Weitwinkel und Tele bei guten Licht­bedingungen (900 Lux) im auto­matischen Modus. Außerdem prüfen wir die Auflösung bei kürzester Brenn­weite auch bei reduzierten Licht­bedingungen (110 Lux).

Farb­wieder­gabe. Messung des Weiß­abgleichs und der Farb­wieder­gabe.

Bei wenig Licht. Sehtest mit Aufnahmen ohne Blitzlicht: Porträt und verschiedene farbige Gegen­stände bei geringer Beleuchtung (30 Lux), Gesichter im Gegen­licht, Porträt und verschiedene Gegen­stände bei sehr geringer Beleuchtung (11 Lux). Die Tester bewerten die Bild­helligkeit sowie die Auflösung und Schärfe von Aufnahmen mit bewegtem Motiv (eine rotierende farbige Test­tafel). Mit Hilfe von Test­tafeln und Messungen bewerten wir auch das sicht­bare Bild­rauschen.

Dyna­mischer Umfang. Messung des dyna­mischen Umfangs der Helligkeits­werte mit einer Test­tafel.

Helligkeits­verteilung. Wie stark nimmt die Helligkeit zum Bild­rand ab? Messung bei Weitwinkel- und Tele­aufnahmen als JPEG bei Blende 5,6 und bei offener Blende.

Verzeichnung. Erscheinen Motive am Bild­rand gekrümmt? Messung der Geradlinig­keit bei Weitwinkel- und Tele­aufnahmen als JPEG. Korrektur­funk­tion dabei in Werks­einstellung.

Gegen­licht­reflexe ermitteln wir mithilfe einer außer­halb des Bild­felds platzierten schwenk­baren Punkt­licht­quelle. Messung mit maximal und minimal einstell­barer Blendenzahl bei minimaler Brenn­weite. Subjektive Bewertung.

Blitzlicht. Sehtest mit einem Blitzlicht-Porträt. Ein Fachmann beur­teilt darüber hinaus Reich­weite, Helligkeits­verteilung und Anpassung der Blitz­stärke bei verschiedenen Entfernungen (ein, drei und fünf Meter Motiv­entfernung).

Bild mit manuellen Einstel­lungen

Diese Tests führen wir nur bei hoch­wertigen Kameras durch, die sich manuell einstellen lassen und Rohdaten speichern können (Rohdaten sind Voraus­setzung für die folgenden Tests). Zu den manuellen Einstel­lungen gehören Schärfe, Belichtungs­zeit, Blendenzahl, Weiß­abgleich und die Licht­empfindlich­keit des Bild­sensors (Iso-Zahl).

Sehtest. Aufnahmen ohne Blitzlicht: kontrast­reiche Fotos bei wenig Licht (11 Lux). Schärfe, Weiß­abgleich und Belichtung werden manuell einge­stellt.

Messungen. Wir stellen die Licht­empfindlich­keit des Bild­sensors auf Iso 3200 und auf Iso 12 800 ein und führen folgende Messungen durch: Bild­rauschen (sicht­bares Bild­rauschen in Test­tafel­messungen), Weiß­abgleich und Farb­wieder­gabe sowie dyna­mischer Umfang der Helligkeits­werte. Aufnahme und Messung jeweils mit einer Test­tafel.

Auflösung. Aufnahmen mit Weitwinkel und Tele bei Offenblende und wenn einstell­bar bei Blendenzahl 5,6. Prüfung der Auflösung bei JPEG- und Rohdaten-Bildern in der Bild­mitte und in den Bild­ecken.

Verzeichnung. Messung der Geradlinig­keit bei Weitwinkel- und Tele­aufnahmen in den Rohdaten. Zusätzliche Messung über das gesamte Bild­feld (lens geometric distortion) nach dem Verfahren der CPIQ (Cell Phone Image Quality Group). Der Test erfasst typische Bild­fehler von Objektiven.

Helligkeits­verteilung. Wie stark nimmt die Helligkeit zum Bild­rand ab? Messung bei Weitwinkel- und Tele­aufnahmen in den Rohdaten bei Blende 5,6 und bei offener Blende.

Falsch­licht. Gibt es Reflexionen in der Kamera oder im Objektiv, die das Bild künst­lich aufhellen? Wie stark sind sie? Messung in Weitwinkel­stellung bei offener Blende. Test in Anlehnung an die Norm ISO 9358:1994 (DIN 58186, 1982-10).

Video

Drei Experten beur­teilen die Videos auf einem hoch­wertigen Monitor. Aufnahmen in Full-HD-Auflösung und in Ultra-HD-Auflösung (falls möglich). Jeweils im best­möglichen Modus bei normaler Beleuchtung (3500 Lux) und bei schlechten Licht­bedingungen (11 Lux). Auch Videos mit Schwenk und Helligkeits­wechseln. Bewertung von Schärfe, Farb­wieder­gabe, Kontrast­verlauf und Auflösung. Ton: Aufnahme von klassischer Musik, Stör­geräusche durch Zoom, Auto­fokus und Wind.

Sucher und Monitor

Sucher. Fünf Tester beur­teilen Helligkeit, Kontrast, Farb­wieder­gabe und Erkenn­barkeit des Suchers bei hellem und dunklem Umge­bungs­licht. Bewertung von Auflösung und Wieder­holrate bei Schwenks. Wir bewerten die Qualität und Größe des Sucher­bildes sowie die Ausschnitts­genauigkeit.

Monitor. Unsere Tester beur­teilen die Qualität des Monitors bei Aufnahme und Wieder­gabe. Sie bewerten Helligkeit, Kontrast und Farb­wieder­gabe. Wir berück­sichtigen die Erkenn­barkeit des Bild­schirms bei der Bild­wieder­gabe und bei Aufnahmen in heller und dunkler Umge­bung. Der Einfluss des Betrachtungs­winkels geht ebenfalls in die Bewertung ein. Die Auflösung und die Bild­wieder­holrate bei Schwenks (im Aufnahme­modus) runden das Urteil für den Monitor ab.

Hand­habung

Zwei Foto­amateure und drei erfahrene Prüf­ingenieure begut­achten die Gebrauchs­anleitung und die Gebrauchs­hinweise, die der Anbieter online zur Verfügung stellt.

Geschwindig­keit. Wir messen die Auto­fokus-Geschwindig­keit und die Auslösever­zögerung bei gutem Licht. Entfernung zum Motiv: 1 Meter und 8,5 Meter. Zusätzliche Tests bei wenig Licht und bei Spie­gelre­flexkameras im Live-View-Modus (Kontrast­messung). Wir bewerten die Start­zeit der Kamera für Fotos und Videos, die Bild­frequenz bei Einzel­bild­serien und bei Serien­bildern sowie die Geschwindig­keit für fünf Aufnahme­zyklen (Aufnahme, Wieder­gabe, Vergrößerung, Löschen).

Täglicher Gebrauch. Wir prüfen und bewerten die Griffig­keit der Kamera und grund­legende Hand­griffe wie Speichermedium wechseln, Batterien einlegen und Lade­kontrolle. Außerdem bewerten wir wichtige Kamera­funk­tionen wie Brenn­weite einstellen, auslösen, Video aufnehmen und wiedergeben. Wir prüfen das Verhalten und die Empfindlich­keit des Auto­fokus. Auch die Bedienung über den berührungs­empfindlichen Bild­schirm geht in unser Urteil für den täglichen Gebrauch mit ein.
Bei hoch­wertigen Kameras bewerten wir zusätzlich fort­geschrittene Funk­tionen wie Blenden­steuerung und Zeit­vorwahl über Monitor und Sucher, manuelle Einstel­lungen wie Scharf­stellen und Weiß­abgleich sowie den Objektiv­wechsel (bei Systemkameras).

Härtetest

Zusatz­test für wasser­dichte Kameras. Wir bewerten den Härtetest mit bestanden (kein dauer­hafter Defekt) oder nicht bestanden (Kamera nach Härtetest nicht mehr voll funk­tions­fähig). Ein bestandener Härtetest geht nicht ins test-Qualitäts­urteil ein.

Tauch­prüfung. Wir unter­suchen, ob die Kamera die vom Anbieter genannte maximale Tauchtiefe über­steht. Test in einer Druck­kammer über 15 Minuten. Wir simulieren die vom Anbieter genannte Wasser­tiefe soweit möglich. Der maximale Druck in der Druck­kammer beträgt 3,5 bar. Das entspricht einer Wasser­tiefe von 35 Meter.

Fall­test. Sturz ins Wasser aus einem Meter Fall­höhe (falls vom Anbieter nicht ausdrück­lich ausgeschlossen). Stoß­feste Kameras müssen außerdem den Sturz auf Beton über­stehen. Drei Fall­versuche aus einem Meter Fall­höhe. Abwurf in unterschiedlicher Ausrichtung: Monitor nach unten, Objektiv nach vorne und Kameraseite nach vorne. Alle Fall­versuche mit einge­schalteter Kamera. Sie simulieren einen zufäl­ligen Sturz aus der Hand.

Abwertungen

Abwertungen sorgen dafür, dass sich Produktmängel deutlich auf das test-Qualitäts­urteil auswirken. Wichtig sind Abwertungen immer dann, wenn die rein rechnerische Bewertung den Mangel nicht deutlich macht. Wir ziehen dann Punkte ab. Je schlechter das auslösende Urteil, desto mehr Punkte verliert die Kamera. Die Stiftung Warentest wendet bei Kameras folgende Abwertungen an:

Bild. Ist die Bild­qualität befriedigend (2,6 oder schlechter), büßt die Kamera Punkte im Qualitäts­urteil ein.

Sehtest. Ist das Ergebnis im Sehtest ausreichend oder schlechter, ziehen wir Punkte für die Bild­qualität ab (Gruppen­urteil Bild).

Bei wenig Licht. Arbeitet die Kamera bei wenig Licht ausreichend oder schlechter, ziehen wir Punkte für die Bild­qualität ab (Gruppen­urteil Bild).

Auflösung. Ist die Auflösung nur ausreichend (3,6) oder schlechter, ziehen wir Punkte für die Bild­qualität ab (Gruppen­urteil Bild).

Verzeichnung. Ist die Verzeichnung ausreichend oder schlechter, ziehen wir Punkte für die Bild­qualität ab (Gruppen­urteil Bild).

Helligkeits­verteilung. Ist die Helligkeits­verteilung befriedigend (2,6) oder schlechter, ziehen wir Punkte für die Bild­qualität ab (Gruppen­urteil Bild).

Bild mit manuellen Einstel­lungen. Ab ausreichend (3,6) im Urteil Bild mit manuellen Einstel­lungen wird das test-Qualitäts­urteil abge­wertet.“

Sucher und Monitor. Ist das Gruppen­urteil „Sucher und Monitor“ ausreichend (3,6) oder schlechter, büßt die Kamera Punkte im Qualitäts­urteil ein.

Hand­habung. Ist die Hand­habung ausreichend (3,6) oder schlechter, büßt die Kamera Punkte im Qualitäts­urteil ein.

Gebrauchs­anleitung. Fehlt die Gebrauchs­anleitung oder ist sie mangelhaft, verliert die Kamera Punkte in der Hand­habung (Gruppen­urteil Hand­habung).

Geschwindig­keit. Ist die Geschwindig­keit ausreichend oder schlechter, ziehen wir Punkte für die Hand­habung ab (Gruppen­urteil Hand­habung).

Täglicher Gebrauch. Ist der tägliche Gebrauch ausreichend oder schlechter, ziehen wir Punkte für die Hand­habung ab (Gruppen­urteil Hand­habung).

Härtetest. Fällt eine robuste Kamera im Härtetest durch (nicht bestanden), werten wir das test-Qualitäts­urteil ab.

Die Abwertungen wirken gleitend: Über­schreitet das auslösende Urteil die Abwertungs­schwelle nur gering­fügig, wirkt die Abwertung kaum. Über­schreitet sie die Schwelle deutlich, wirkt die Abwertung umso stärker. Es gilt: Je schlechter das auslösende Urteil, desto stärker die Abwertung.

Abwertungen sind in den Tabellen mit einem Stern­chen (*) gekenn­zeichnet.

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