Digitalkameras CSR Test

Viele asiatische Global Player geben ungern Zutritt in ihre Produktion. Gerade Canon und Sony enttäuschen. Die drei Ausnahmen: Nikon, Casio, Samsung.

Allein in Deutschland werden jedes Jahr neun Millionen Digitalkameras verkauft. Trotz Wirtschaftskrise läuft das Geschäft um die flotten Knipser gut. Umso erstaunlicher, dass über die Branche selbst kaum etwas bekannt ist. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir zehn Digitalkamerahersteller aus dem Warentest auf ihr Engagement für Soziales und Umwelt (Corporate Social Responsibility, CSR) überprüft. Für 20 von 31 Digitalkameras recherchierten wir die Produktionsbe­dingungen. Die übrigen 11 Kameras des Warentests kamen für den aufwendigen CSR-Test zu kurzfristig auf den Markt.

Geballte japanische Macht

Wenn es um Fototechnik geht, führen die Wege automatisch ins ferne Asien. Wir hatten es mit japanischen Herstellern von Weltformat zu tun: Canon, Casio, Fujifilm, Nikon, Olympus, Panasonic, Pentax und Sony, dazu Samsung aus Südkorea und Kodak aus den USA. Schnell war klar, weshalb man so wenig über die Branche weiß: Sie hält sich gut bedeckt. So brauchte es große Überzeugungsarbeit, um überhaupt einen Fuß in ihre Hightechfabriken setzen zu dürfen. Erst der Besuch der Geschäftszentralen in Tokio öffnete etliche Türen: zu sechs Fertigungsstätten in China, Indonesien, Japan und Korea, wo die Kameras zusammengebaut werden, sowie zu vier Werken in China, Japan und Malaysia, wo die Einzelbauteile wie Linse oder LCD-Monitor hergestellt werden (siehe Grafik).

Nikon mit höchstem Engagement

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Zusammengebaut werden Kameras meist von Frauen. Sie tragen Schutzanzüge und haben einen eigenen kleinen Arbeitsbereich. Man nennt das Nestfertigung.

Eine überzeugende CSR-Politik können wir am Ende nur Nikon bescheinigen. Die traditionsreiche japanische Firma handelt als einzige „stark engagiert“. Sie gewährte den Prüfern Zugang zu ihren Werken in Indonesien und China. Zudem setzt Nikon eine sehr detaillierte Umweltpolitik um, die auch an Lieferanten hohe Ansprüche stellt.

Zweitbeste Unternehmen im CSR-Test sind Casio und Samsung, sie handeln „engagiert“. Ebenso Panasonic – aber nur bei der Lumix DMC-FS62, die in China gefertigt wurde. Deutlich weniger Infos gab Panasonic zur DMC-ZX1 und zeigte hier nur „Ansätze“. Bei Marktführer Canon und bei Sony reicht es nur für „bescheidene Ansätze“.

Diese vier verweigern die Auskunft

Fujifilm, Kodak, Olympus und Pentax gaben keine Auskunft zu ihrer CSR-Politik. Die günstigsten Kameras des Warentests für 60 bis 90 Euro kommen von ihnen: Fujifilm FinePix J27, Olympus FE-26 und Pentax Optio E80. Die Arbeitssituation vor Ort können wir so nicht beurteilen, auch nicht, inwiefern der Preisdruck in der Branche Spuren hinterlässt. Eine Tendenz ist aber aus allen anderen Vor-Ort-Besuchen sichtbar: Die Zahl der Arbeiter sinkt, viele bekommen nur befristete Verträge. So lässt sich sparen.

Schlechte Kontrolle der Lieferkette

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Einzelne Komponenten werden in anderen Fabriken und oft von Männerhand gefertigt. Verbreitet ist die Oberflächenmontage, mit der elektrische Miniaturteile auf eine Leiterplatte gelötet werden. Alle Fabriken haben staubarme Räume, wo Arbeiter mit Robotern Komponenten bauen und Ganzkörperanzüge tragen.

Markenhersteller produzieren relativ viele Komponenten der Kamera selbst, wenn auch nicht alle. Keiner legt gern offen, wer die übrige Arbeit macht. Umso erstaunlicher, dass sie ihre Zulieferer kaum darauf kontrollieren, wie sie mit den Mitarbeitern umgehen. Interne und externe Kontrollen von Fabriken sind eine Seltenheit.

Ein schwaches Bild gaben hier die Werke ab, in denen Komponenten hergestellt werden. Zwar gibt es einen Verhaltenskodex vom Branchenverband EICC (Electronics Industry Citizenship Coalition), den auch Samsung und Sony unterschrieben haben, doch die Realität sieht anders aus. Obwohl der Kodex die Kontrolle von Lieferanten einschließt, fanden wir hohes soziales Engagement lediglich bei Nikon, und das in beiden Fertigungsstätten.

Recherche drastisch eingeschränkt

Kein Wunder, dass bei so wenig eigener Kontrolle auch für uns einige Fabriken von Komponentenlieferanten tabu waren. Zugang bekamen wir meist nur zu Fabriken der Hersteller selbst – und dass nur, weil wir eine detaillierte Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben. Bis auf Casio verlangte das jeder Hersteller. Fakten wie Lage der Fabrik, Zahl der Mitarbeiter und Löhne können wir darum nicht benennen. Teils gingen Forderungen zu weit, etwa bei Canon. Wir akzeptierten sie nicht und bekamen als Konsequenz einige Werke nicht zu Gesicht. Doch selbst nach getroffener Vereinbarung erlebten wir weitere Einschränkungen: Bei Canon durften wir in ein Werk, aber die Arbeitsplätze nicht sehen. Bei Sony war nur eine Telefonkonferenz mit dem Management der Ferti­gungsstätte möglich. Panasonic erlaubte keinen Zutritt zu Kantinen und Schlafsälen.

Ein Chinese kommt auf 5 Euro am Tag

Auch Interviews mit Arbeitern wurden oft abgelehnt oder eingegrenzt, nur bei Nikon, Casio und Samsung nicht. Während die Arbeiter in Japan und Korea zögerlich antworteten, waren sie in China schüchtern und misstrauisch. Wohl auch, weil viele nur befristete Verträge haben. Viele Chinesen sagten, sie machen gern Überstunden, um mehr Geld zu verdienen. Pro Tag kommt ein Chinese auf rund 5 Euro, ein Japaner dagegen fast auf das Zwanzigfache. Anders als erwartet, waren die japanischen Werke in puncto CSR aber nicht besser aufgestellt.

Umwelt in den Fokus gerückt

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Die Branche setzt verstärkt auf Umweltpo­litik. Das geht auch aus den Nachhaltigkeitsreports und den Internetseiten der Hersteller hervor. Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz werden groß geschrieben. So sollen kritische Schwermetalle, Lösemittel und Flammschutzmittel nicht mehr zum Einsatz kommen. Aber auch hier hapert es bei der Kontrolle von Lieferanten.

Nachhaltig ist eine Digitalkamera keineswegs: Neue Modelle lassen die Vorgänger sehr schnell altern. Und geht eine Kamera nach der Garantiezeit kaputt, wird sie in der Regel einfach ersetzt. Die Reparaturkosten sind einfach zu hoch.

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