Digitalkamera von Aldi Schnelltest

Eine Digitalkamera für 149 Euro bietet Aldi-Süd in dieser Woche an. Das Gehäuse ist klein, die Leistung groß. So versprichts die Werbung. Sieben Megapixel Auflösung sollen für Detailreichtum und Schärfe sorgen, und 512 Megabyte Speicherkarte genügend Raum für bleibende Erinnerungen bieten. Im Schnelltest muss die Traveler Super Slim XS 70 zeigen, was sie wirklich kann.

Alles inklusive

Mit einem schicken Metallgehäuse und allem wichtigen Zubehör kommt die Kamera daher. Außer der Speicherkarte stecken im Karton zwei Lithium-Ionen-Akkus, eine ausführliche und gut lesbare Bedienungsanleitung, Netzteil und die erforderlichen Kabel. Kleines Manko: Für alle Anschlüsse gibts nur eine Kombibuchse, und die Akkus lassen sich nur in der Kamera aufladen. Mit anderen Worten: Das Überspielen von Fotos auf Fernseher, Drucker oder Computer geht nur mit geladenem Akku. Bei Netzteil-Anschluss ist keine weitere Verbindung zur Kamera mehr möglich. Noch ein Tipp, der nicht im Handbuch zu finden ist: Löschen funktioniert aus der Thumbnail-Ansicht heraus schneller als aus der Einzelbildansicht.

Fotografieren ohne Verzögerungstaktik

Die Tasten sind klein. Entsprechend fummelig gerät die Bedienung. An Bedienkonzept und Menüstruktur gibts allerdings nichts auszusetzen. Selbst Digitalkamera-Neulinge werden sich mit etwas Hilfe vom Handbuch schnell eingewöhnen. Die Wartezeiten bleiben erfreulich kurz. Die Auslöseverzögerung liegt unter einer halben Sekunde. Bei nicht allzu schnell bewegten Szenen gelingt damit auch mancher Schnappschuss. Sehr angenehm: Misslungene Bilder lassen sich mit der Mülleimer-Taste gleich nach der Aufnahme löschen, ohne in den Wiedergabemodus zu wechseln. In der Anleitung ist das allerdings nicht erkennbar. Dort ist - offenbar irrtümlich - nur vom Schnell-Löschen im Wiedergabemodus die Rede.

Trick für mehr Tempo

Einen guten Teil des Tempos erzielt die Kamera allerdings mit einem technisch unseriösen Trick: Der Autofokus arbeitet nur, wenn der Fotograf ihm Zeit gibt und den Auslöser zunächst nur halb drückt. Bei sofortiger Auslösung stellt die Kamera die Schärfe stets ohne weitere Prüfung auf unendlich und löst aus. Bei den meisten Motiven macht das nichts. Der Bildsensor ist nur etwas mehr als ein Zentimeter groß, so dass Gegenstände in einem sehr großen Entfernungsbereich scharf erscheinen. Bei Nah-Schnappschüssen liegt die Traveler-Kamera allerdings regelmäßig daneben und nimmt grob unscharfe Bilder auf, wenn der Fotograf ihr nicht genug Zeit zum Scharfstellen gibt.

Bilder mit nur kleinen Fehlern

Bei der Bildqualität schlägt sich die Traveler-Kamera aus dem Aldi-Angebot ansonsten erstaunlich gut. Klar: Markenkameras mit teurer Hightech-Ausstattung liefern sichtbar mehr Auflösung, Kontrast und Farbtreue. Doch auch die Kamera aus dem Aldi-Sonderangebot macht ansehnliche Bilder mit anständiger Schärfe. Allerdings: Volle 7 Megapixel schafft sie nicht. Das Objektiv schafft höchstens 5 Megapixel. Völlig ausreichend ist daher, 2 560 x 1 920 Pixel Auflösung einzustellen. Größere Bilder brauchen nur mehr Speicherplatz und machen daher keinen Sinn. Ansonsten stört nur ein leichter Farbstich etwas, und zu den Bildecken hin bekommen kontrastreiche Kanten unschöne Farbsäume.

Fehlfunktion bei erhöhter Empfindlichkeit

Zusätzliche Einschränkung: Bei manueller Einstellung der Lichtempfindlichkeit auf ISO 400 stört deutliches Farbrauschen den guten Eindruck. An sich einfarbige Flächen erscheinen bei näherem Hinsehen als Sammlung bunter Punkte. Außerdem zieht der Blitz nicht mit. Er liefert - zumindest bei den getesteten Kameras mit Firmware-Version 1.00SG - genau so viel Leistung wie bei niedriger Empfindlichkeit und führt zu überbelichteten Bildern. Abhilfe wird wahrscheinlich ein Firmware-Update schaffen. Aktualisierte Informationen und Software zur Kamera liefert der Hersteller unter www.traveler-service.de.

test-Kommentar: Reichlich Verzögerung
Technische Daten & Ausstattung: Im Überblick

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