Mehr Sender, besserer Klang und Zusatzinfos im Display: Digitalradio ist die Zukunft. test sagt, welche Übertragungswege und Techniken Sie heute schon nutzen können.

UKW-Richtantenne, Antennenrotor und Fernsteuerung: Wer als ernsthafter Musikfreund einst mehr als nur den Haussender empfangen wollte, musste mit schwerem Gerät auf Wellenjagd gehen – heute Nostalgie. Mittlerweile ist UKW überall zu hören, per Autoradio, Radiowecker oder HiFi-Receiver. Jetzt soll die digitale statt analoger Übertragung verbesserten Ton, mehr Sender und Zusatzinfos fürs Display bieten und tut es oft auch. Nur: Viele wissen nichts davon.

Schuld daran ist auch die Vielfalt der Übertragungswege, deren Kurzbezeichnungen für Laien verwirrend gleich klingen: zum Beispiel DRM, DAB, DVB-T-Radio. Falls die Kürzel überhaupt durch die Medien geistern, dann begleitet von komplexen techni­schen und politischen Hintergrundinfos. Von Lizenzrückgaben und schlechten Rahmenbedingungen, aber auch neuen Marktchancen ist die Rede, der Blick in die Zukunft dabei stets Antwort auf alle Fragen.

Billig und bunt: Sat- und Webradio

Dabei gibt es auch heute schon zwei Empfehlungen für alle, die Digitalradio nutzen wollen: Internetradio und Radio per Satellit. Wer eine Sat-Schüssel besitzt, weiß, dass ein digitaler Empfänger Hunderte von TV-Programmen aus dem Weltall holt. Weniger bekannt aber ist, dass auf demselben Weg auch mehrere Hundert Radioprogramme aus ganz Europa ins Wohnzimmer kommen. Noch mehr Auswahl bietet Radio übers Internet: Via PC lassen sich Tausende von Sendern weltweit, vom Wiener Stadtradio über Tango-Spezialkanäle aus Argentinien bis zu teils werbefreien reinen Netzradios hören.

Der Vorteil: Es sind keine Neuanschaffungen erforderlich. Jeder Digitalreceiver für Sat-TV empfängt auch Radio. Fürs Internetradio nutzt der Musikfreund seinen PC. Abspielprogramme gibts gratis, sodass er sich nur um einen schnellen Internetzugang bemühen muss. Der Nachteil: Es gibt keine tragbaren Empfänger.

Teuer und ungewiss: DAB und Co.

Radiohören auf der Badewiese dagegen machen zwei andere digitale Verfahren namens DAB (terrestrisch über Antenne) und DRM (via Kurzwelle) möglich. Aber: Ob stationär oder mobil – für beide wird ein spezieller Empfänger benötigt. Die Auswahl an solchen Geräten aber ist derzeit vor allem für DRM noch beschränkt, die Kosten sind hoch. Außerdem bieten DAB und DRM im Vergleich zum Sat- und Internetradio wenig Programmauswahl.

Spannend: Hörfunk und seine Zukunft

Das Erstaunliche: DAB existiert seit mehr als zehn Jahren – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Axel Rudolph, Geschäftsführer des Förderverbands IMDR (Initiative Marketing Digital Radio): „Bei der Einführung von DAB in Deutschland wurden die Weichen leider nicht so gestellt, dass sich die Kräfte des Marktes auch frei entfalten konnten.“

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg bricht derzeit schon zu neuen Ufern auf. Ihr Medienrat schlug vor, den „bisherigen DAB-Ansatz aufzugeben“ und setzt auf Alternativen, etwa DVB-H für TV- und Radioempfang per Handy. In Berlin soll es ab September Radio auch über terrestrisches Digital-TV (DVB-T) geben. Selbst das digitale Kabel, bisher im Vergleich kaum verbreitet, bietet mittlerweile Audiokanäle.

Fazit:

Digitalradio lebt. Wie es weitergeht, bestimmen nicht nur Politik, Sender und Hersteller, sondern auch die Hörer. Die spannendsten und günstigsten Angebote gibts derzeit via Satellit und Internet. Nur Wellen reiten muss man selbst.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1788 Nutzer finden das hilfreich.