Interview: Zuschauer wird gegängelt

Digitales Fernsehen Test

Für digitale Signale müssen Zuschauer auf gewohnte Sender und Komfort verzichten. Michael Bobrowski, TV-Experte beim Verbraucherzentrale Bundes­verband, zeigt Wege des Protests.

Was stört Sie am Digital­fernsehen?

Wir lehnen die kostenträchtige Verschlüsselung frei empfang­barer digi­taler Voll­programme ab. Die Anbieter nutzen den tech­nischen Fort­schritt, um zusätzliche Einnahmen durch­zusetzen. Kritisch sehen wir auch den restriktiven Kopier­schutz. Manche Sendungen lassen sich im HD-Format über­haupt nicht aufzeichnen, bei anderen lässt sich Werbung nicht über­springen. Diese Einschränkungen gängeln den Zuschauer erheblich.

Warum kosten Privatsender extra?

Private Rund­funkanbieter suchen nach neuen Einnahme­quellen – nicht zuletzt wegen der wachsenden Konkurrenz von Youtube und Co. So versuchen sie mit der kostenrelevanten Verschlüsselung ihrer Programme zusätzliche Einnahmen zu generieren. Mithilfe adressier­barer Endgeräte beispiels­weise zum Empfang von IPTV könnte darüber hinaus personalisierte Werbung platziert werden. Kabelnetz­betreiber wiederum fordern sogenannte „Einspei­seentgelte“ von den Sendern. Entweder die Sender zahlen, oder die Kabel­betreiber speisen die Programme nicht in ihr Netz ein. Kabel­kunden wurden so vor der Fußball-WM quasi zu Geiseln, um die Forderungen der Kabel­betreiber durch­zusetzen.

Sollen alle Sender kostenlos sein?

Nein. Pay-TV bleibt kosten­pflichtig. Doch die werbe­finanzierten Programme von RTL & Co. müssen auch digital ohne Extra­kosten empfang­bar bleiben.

Was können unzufriedene Kunden gegen Kabelanbieter unternehmen?

Kabel­kunden können sich mit ihrer Kritik an den Anbieter oder die Verbraucherzentrale wenden. Oder sie fordern den Abge­ordneten ihres Wahl­kreises auf, Druck auf die für Rund­funk­politik verantwort­lichen Länder­regierungen auszuüben. Gleiches gilt für Satelliten­kunden. Bei tech­nischen Funk­tions­problemen ist der jeweilige Störungs­dienst der richtige Ansprech­partner.

Und wie sieht es mit dem Protest durch Anbieter­wechsel aus?

Mieter, die ihren Kabel­anschluss über die Neben­kosten bezahlen, kommen meist nicht vom Kabel weg. Sie haben nur eine Chance, wenn die Vertrags­bindungs­zeit aus dem sogenannten „Gestattungs­vertrag“, den der Haus­besitzer mit dem Kabelnetz­betreiber geschlossen hat, abge­laufen ist und nicht erneuert wird. Der Mieter kann dann einen eigenen Kabel­vertrag abschließen. Oder sich individuell mit DVB-T, IPTV oder Satelliten­empfang versorgen – sofern mietrecht­lich möglich.

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