Vorn digitales Bild: Es ist deutlich detailreicher als das analoge Bild dahinter. Hinten analog: Hier erscheinen Farben krisselig und Konturen unscharf.

Große Fernseher brauchen digitale Signale. Nur so zeigen sie gute Bilder. Digitale Signale gibt es über Kabel, Satellit, Internet und Antenne. Was ist besser? Der Test.

Maskenhafte Gesichter, verrauschte Bilder, unscharfe Ränder. Das sehen stolze Käufer eines großen Flach­bild­fernsehers, wenn sie ihr Gerät zuhause an die analoge Kabeldose anschließen. Auf dem neuen Groß­bild­schirm fällt jeder Bild­fehler ins Auge. Der Test bestätigt: Bei analogen Kabel­signalen zeigen selbst die besten Fernseher oft nur ausreichende Bilder. Mit digitalen Signalen sehen Fernseh­bilder deutlich besser aus. Folge: Für gute Bilder müssen Zuschauer ihrem Fernseher digitale Signale spendieren.

Bis zu 4,99 Euro monatlich extra

Jeder dritte Haushalt empfängt analoges Kabel­fernsehen. Viele davon gezwungenermaßen, denn ihr Miet­vertrag bindet sie indirekt an den lokalen Kabelanbieter. Möchten sie auf digitalen Empfang umsteigen, müssen sie oft mehr zahlen: jeden Monat von 2,90 Euro bei Kabel Deutsch­land bis 4,99 Euro bei telecolumbus.

Zusätzlich schalten Kabel Deutsch­land, Unitymedia und teil­weise telecolumbus ihre neuen Digital­kunden für Schnup­perpakete frei. Sie enthalten Sender wie gute Laune TV und Sat.1 Comedy und sind einige Monate kostenlos. Anschließend kosten die Pakete aber 7 bis 13 Euro im Monat.

Tipp: Wer keine Zusatz­programme will, sollte sie gleich nach Vertrags­schluss kündigen. Sonst läuft das Abo bis zu zwei Jahre.

Kabel­zuschauer verlieren Anony­mität

Achtung: Mit der Umstellung auf digitalen Empfang geben Kabel­zuschauer ihre Anony­mität auf. Denn den Digital­vertrag schließen sie direkt mit dem Kabelanbieter ab, nicht mit dem Vermieter. An die so gewonnenen Adressen können Netz­betreiber personalisierte Werbung schi­cken, etwa für Video on demand oder Telefonflatrates.

Anbieter verschlüsseln Privatsender

Kartenzauber bei Kabelanbietern: Für jedes Gerät brauchen Kunden eine andere Entschlüssel­ungs­karte. Das erschwert sogar den Umzug.

Auf ein weiteres Problem stieß Bernd Oppermann aus Braun­schweig: „Ich habe mir einen DVB-C-fähigen Fernseher gekauft, damit ich keine weitere Settop-Box und Fernbedienung benötige. Leider erfuhr ich erst hinterher, dass der einge­baute Receiver nicht von Kabel Deutsch­land zertifiziert ist und ich ihn nicht nutzen kann".

Kabel Deutsch­land, telecolumbus und Unitymedia verschlüsseln die digitalen Privatsender. Unver­schlüsselt zeigen sie nur Öffent­lich-Recht­liche. Für RTL, Sat.1 & Co. braucht Herr Oppermann eine Entschlüssel­ungs­karte (Smartcard). Die steckt meist in einem für den jeweiligen Kabel­betreiber geeigneten Empfänger. Neuere Empfänger senden die Signale über die digitale HDMI-Schnitt­stelle zum Fernseher.

Tipp: Analoge Kabel­anschlüsse beinhalten auch digitale Signale. Ein Sendersuch­lauf findet es heraus. Damit können Zuschauer stets öffent­lich-recht­liche Programme in guter Qualität sehen, sofern ihr Fernseher einen DVB-C-Empfänger besitzt.

CI Plus kann Mitschnitte verhindern

Einzige Alternative zur Settop-Box: Wenn Herr Opper­manns Fernseher CI Plus unterstützt, kann er bei Kabel Deutsch­land ein CI-Plus-Modul kaufen. Das Steck­modul kommt in den CI-Plus-Schacht an der Rück­seite des Fernsehers. Es kostet 89 Euro inklusive Versand­kosten. Vorteil: Diese Lösung spart Platz und Strom. Nachteile: Fernseher mit einem solchen Schacht gibt es erst seit 2009. Mit dem CI -Plus-Modul können Aufnahmen verhindert werden. Das freut die Sender, weil so ihre Filme sicher vor Kopien sind. Video­sammler sehen in die Röhre.

Schwaben schauen unver­schlüsselt

Entweder: Kunden von Kabel Deutsch­land, telecolumbus nutzen Fernseher, Empfänger und zwei Fernbedienungen (links). Oder: CI-Plus-Modul im Fernseher (rechts).

Entweder: Kunden von Kabel Deutsch­land, telecolumbus nutzen Fernseher, Empfänger und zwei Fernbedienungen (links). Oder: CI-Plus-Modul im Fernseher (rechts).

Das noch recht neue CI-Plus-Modul passt auch in den CI-Schacht. Der gehört schon seit dem Jahr 2002 zur Stan­dard­ausstattung großer Flach­bild­fernseher. Er ist also weiter verbreitet als CI Plus. Dennoch: Diese Lösung ist heikel. Denn Sender und Netz­betreiber können den Empfang über die CI-Schnitt­stelle sperren. Möglicher­weise bleibt dann beim nächsten Kino­hit eines Privatsenders der Bild­schirm schwarz.

Dass es auch ohne Grund­verschlüsselung geht, beweist Kabel BW: Der auf Baden-Württem­berg beschränkte Anbieter über­trägt Privatsender unver­schlüsselt. Schwaben können daher jeden beliebigen digitalen Kabel­empfänger verwenden. Sie brauchen nur für Pay-TV eine Smartcard.

Satelliten bieten größte Auswahl

Wer nicht mehr über Kabel fernsehen will, kann versuchen zu wechseln. Digitale Signale gibt es auch über Satellit, Internet und Antenne. Die größte Auswahl bieten Satelliten. Über 250 digitale Programme liefern sie unver­schlüsselt, flächen­deckend und in guter Bild­qualität. Hinzu kommen 23 Programme in HD (High Definition, hohe Auflösung). Voraus­setzung sind eine Satelliten­anlage sowie ein HD-fähiger Empfänger (siehe Test: Sat- und Kabelempfänger aus test 09/2010). Sie zeigen ARD, ZDF, Arte, Anixe und Servus TV in HD. Hoch­aufgelöste Privatsender gibt es ebenfalls über Satellit, allerdings verschlüsselt in HD Plus. Damit können die Sender Mitschnitte und das Über­springen von Werbung beim zeit­versetzten Fernsehen verhindern.

Wer die Privaten entschlüsseln möchte, braucht einen HD-Plus-fähigen Empfänger und eine HD-Plus-Karte. Sie kostet 50 Euro im Jahr. Das erste Jahr ist gratis. Größte Bremse des Satelliten-TVs: Nicht jeder Vermieter und nicht jede Gemeinde erlauben Satellitenschüsseln auf oder am Haus.

HD ab 60 Euro bei der Telekom

HDMI-Kabel: Es über­trägt digitale Signale in bester Qualität vom Empfänger zum HDMI-Anschluss des Fernsehers (High Definition Multimedia Inter­face). Mit Scart kommen Signale nur analog an.

Kaum sicht­bar sind dagegen Fernseh­anschlüsse übers Internet (IPTV). Die Signale gelangen aus der Telefondose über einen Empfänger an die HDMI-Schnitt­stelle des Fernsehers. Alice und die Telekom bieten diesen Service in Ballungs­zentren im Paket mit dem Telefon­anschluss. HD-Programme empfangen Tele­komkunden ab 59,90 Euro, wenn sie einen HD-Media-Receiver mieten und einen VDSL-Anschluss mit 25 Megabit pro Sekunde buchen.

Aufpassen müssen Video­freunde: Auf dem Rekorder gespeicherte Filme lassen sich nur zuhause bei aktiver DSL-Leitung abspielen. Wer den Vertrag kündigt, kann seine digitale Video­thek höchs­tens vorher analog auf einem separaten Rekorder retten. Mit deutlich schlechterer Bild­qualität.

Alice enttäuscht HD-Fans

Alice bietet auch IP-Fernseh­signale. Der Preis steigt inner­halb eines Jahres von 22,80 auf 37,70 Euro. Darin enthalten ist ein Internet­anschluss, der meist Daten­raten zwischen 6 und 16 Megabit pro Sekunde liefert. Genaue Geschwindig­keiten verspricht Alice nicht. Wer moderne Leitungen hat, sieht HD-Fernsehen. Im Test klappte es allerdings nicht. Bei unserem Tester blieb das Bild schwarz. Erst nach Kauf und Installation des HD Media Rekorders erfuhr er, dass seine Leitung für HDTV zu lang­sam ist. Auf Nach­frage, warum diese Information nicht bei der Bestellung gegeben wurde, antwortete der Hotline-Mitarbeiter lapidar: „Sie können die Option ja wieder zurück­geben“.

Geringe Daten­rate mit DVB-T

Lang­sam beim Zappen: Digital­fernsehen schaltet beim Zappen deutlich lang­samer um als Analog­fernsehen. Bei verschlüsselten Programmen bleibt das Bild bis zu 5 Sekunden schwarz.

Auch DVB-T-Antennen empfangen digitale Signale. Allerdings sehen die Bilder deutlich schlechter aus als vom Kabel oder Satelliten. Besonders auf großen Fernsehern ist Antennen­fernsehen oft kein Vergnügen. Grund ist die geringe Daten­rate. DVB-T über­trägt durch­schnitt­lich nur halb so viele Informationen. Im Test lieferte DVB-T rund 3,8 Megabit pro Sekunde. Satelliten und Kabel über­trugen ARD und ZDF dagegen mit rund 8,5 Megabit pro Sekunde, HD-Sendungen sogar mit 13,5.

Die Probleme liegen bei DVB-T in der Struktur: Bis zu vier Programme drängeln sich auf einem Kanal. Wenn Sport­sendungen mit vielen Bewegungen über­tragen werden, wird es eng. Auf dem Bild­schirm bilden sich dann häufig Klötz­chen und das Bild verpixelt. Wegen der nied­rigen Daten­rate gibt es weder HD-Programme noch Surround­klang bei Privatsendern.

Die Zuschauer halten sich zurück

Die Zeit des einfachen analogen Fernsehens geht zu Ende. Komplizierte Verträge und monatliche Entgelte für die Nutzung digi­taler Signale schre­cken derzeit Kunden ab. Hinzu kommt: Sender und Signalanbieter erschweren liebgewonnene Funk­tionen wie zeit­versetztes Fernsehen und Aufnahmen. Kein Wunder, dass bisher so wenige Zuschauer digitale Signale nutzen.

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