Eine rotierende Magnetscheibe aus der Computertechnik macht einen digitalen Satellitenreceiver zum fast perfekten Videorekorder. Jetzt startet das Fernsehprogramm, wann Sie wollen.

So könnte der ideale Videorekorder aussehen. Einfach die gewünschte Sendung in der elektronischen Programmzeitschrift auf dem Bildschirm anklicken und schon nimmt er auf. Während im Hintergrund die Aufnahme läuft, kann die Wiedergabe jederzeit gestartet werden. So lassen sich die Tagesthemen, das Fußballspiel am Samstag oder der Krimi einfach zeitversetzt eine Viertelstunde später verfolgen und nicht erst, wenn die Aufnahme abgeschlossen ist. Von Szene zu Szene gibt es kein umständliches Vor- und Zurückspulen, eine gesuchte Programmstelle steht fast auf Knopfdruck zur Verfügung. Last, not least: Die Aufnahme ist in Bild- und Tonqualität keinen Deut schlechter als das Original.

Mit moderner Digitaltechnik geht das heute schon. Na ja, fast. Die Micronik TV-Box 1310S ist auf dem Weg dorthin. Sie ist ein digitaler Satellitenempfänger. Hinter der unscheinbaren Fassade steckt, und das ist neu, außerdem ein digitaler Videorekorder. Er zeichnet Fernsehsignale nicht auf ein Magnetband, sondern auf eine rotierende Magnetscheibe, eine Computerfestplatte auf. Die Sendung wird direkt und ohne Qualitätsverlust als digitaler Datenstrom gespeichert. Umspulzeiten entfallen. Auf jeden Bereich der Festplatte kann ohne Zeitverzug zugegriffen werden. So klappt auch das Kunststück, dass ein Programm gleichzeitig aufgezeichnet und abgespielt werden kann. Die Kapazität der eingebauten Festplatte (10 Gigabyte) reicht für etwa 5,5 bis 6,5 Stunden Video oder rund 90 Stunden Musik. Die größte derzeit lieferbare Festplatte mit 80 Gigabyte Kapaziät kann bis zu 50 Stunden Video speichern. Die Rekorderfunktionen beschränken sich auf das Notwendigste: Aufnahme, Wiedergabe, Start, Stopp und ein recht zittriges Standbild. Der schnelle Vor- und Rücklauf funktioniert nur über die Spielzeitangabe auf dem Bildschirm. Spätere Softwareversionen sollen eine Tonkontrolle und auch einen schnellen Bildsuchlauf ermöglichen.

Beim Sehtest gab es erwartungsgemäß keine Unterschiede zwischen Empfangs- und Aufnahmequalität. Im Vergleich mit anderen Digitalreceivern aus unserem letzten Test im September (test 9/2000) ist das Bild etwas flauer und an den Kanten unruhiger. Der gute Digitalton klingt im Vergleich etwas höhenarm. Was die Tonqualität beim Testgerät deutlich beeinträchtigte, war ein nerviges, mechanisches Sirren, das erst verstummte, wenn der Satreceiver ausgeschaltet wurde. Bei gleichzeitiger Aufnahme und Wiedergabe machen sich leise im Hintergrund auch die typischen schabenden Festplattengeräusche bemerkbar.

Auf Programmwechsel und Menüwahl reagiert die Micronik TV-Box erfreulich flott. Allerdings ist die umfangreiche Menüstruktur von der Grundeinstellung für den Satempfang über die Sender- und Timerprogrammierung bis zur Steuerung des Rekorders noch verbesserungsbedürftig. Timeraufzeichnungen sind nur zeitgesteuert und funktionieren nicht per VPS oder ShowView.

Die logische Abfolge in der Bedienung hakelt noch. Die Darstellung des Videotextdecoders und der bei ARD, ZDF oder den privaten TV-Programmen mitgesendeten elektronischen Programmzeitungen (EPG) ist grafisch wenig ansprechend gelöst. Die Fernbedienung in Faustkeilform hat zu viele Doppelfunktionen auf grau in grau nur wenig strukturierten Tasten.

Herausragend ist in der Summe der digitale Aufnahmeteil. Er ersetzt aber nicht den Videorekorder, sondern dient nur als temporärer Zwischenspeicher zum zeitversetzten Fernsehen. Sonst ist auch die größte Festplatte schnell voll.

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