Digi­taler Nach­lass: Facebook und der Tod

Facebook, Google und der Tod Special

Facebook-Nutzer können selbst bestimmen, wie das soziale Netz­werk mit dem eigenen Konto im Todes­fall umgehen soll. Nehmen sie keine Einstel­lungen vor, so fällt mit ihrem Tod der Account auto­matisch in die Hände der Erben. Das hat der Bundes­gericht­hof entschieden.

Erben bekommen Zugriff auf Facebook Account

Wenn ein Mensch stirbt, kann es rund um soziale Netze schwierig werden. Wie schwierig, zeigt ein Fall aus Berlin: Hier verunglückte eine Jugend­liche in dem U-Bahnhof Schönlein­straße tödlich, sie wurde von einem einfahrenden Zug über­rollt. Die Umstände des Todes sind bis heute ungeklärt. Die Frage nach einem Selbst­mord steht im Raum ebenso wie die Frage, ob das Mädchen zuvor gemobbt worden ist. In der Hoff­nung, tiefere Einblicke in das Seelenleben ihrer Tochter zu bekommen, wollte die Mutter das Facebook-Konto des Mädchens einsehen. Sie hoffte auch, dass ihr die Nach­richten helfen würden, Schaden­ersatz­ansprüche des U-Bahn-Fahrers abzu­wehren. Doch obwohl sie die Zugangs­daten hatte, konnte sie sich nicht einloggen: Das soziale Netz­werk hatte das Nutzer­konto in einen sogenannten Gedenk­zustand versetzt und den Zugriff verweigert. Jetzt hat der Bundes­gerichts­hof in letzter Instanz entschieden, dass den Eltern als Erben das Recht zusteht, das Facebook-Konto einzusehen (BGH III ZR 183/17).

Urteil des Kammer­gerichts aufgehoben

Das Land­gericht Berlin hatte in erster Instanz zugunsten der Eltern entschieden. Damit war Facebook nicht einverstanden, berief sich auf das Fernmelde­geheimnis der Tochter und deren Kommunikations­partner und legte Berufung ein. Das Berliner Kammerge­richt wies darauf­hin die Wünsche der Eltern ab. Das Fernmelde­geheimnis, das die Kommunikations­partner schützen soll, stehe dem Wunsch der Eltern entgegen – auch wenn es verständlich sei, die Gründe für den tragischen Tod ihres Kindes näher erforschen zu wollen (Kammerge­richt Berlin, Az. 21 U 9/16).

Auch Facebook-Konto geht auf Erben über

Der Bundes­gerichts­hof in Karls­ruhe hat jetzt entschieden, dass die Eltern des verstorbenen Mädchens einen Anspruch auf Zugang zu dem Account haben. Auch Briefe und Tagebücher gingen an die Erben über – es bestehe kein Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln. Die Eltern treten somit als Erben in den Nutzungs­vertrag ein, den die Tochter mit Facebook geschlossen hat. Das Fernmelde­geheimnis stehe dem nicht entgegen. Schon zu Lebzeiten müsste bei sozialen Netz­werken mit Miss­brauch gerechnet werden. Auch müssten Chat­partner damit rechnen, dass ein Nutzer die Chat­verläufe Dritten zeige. Facebook-Nutzer könnten also grund­sätzlich nicht darauf vertrauen, dass bei dem sozialen Netz­werk niemand mitlese. Der Anspruch der Erben kollidiere auch nicht mit dem Daten­schutz­recht, namentlich der neuen Daten­schutz­grund­ver­ordnung. Durch diese würden nur lebende Personen geschützt.

Was Sie als Facebook-Nutzer tun können

Wenn Sie nicht wollen, dass Ihre Erben Zugriff auf Ihren Account erhalten, können Sie als Facebook-Nutzer für den Fall Ihres eigenen Todes vorsorgen und Ihren Angehörigen Ärger und die Klärung der Frage ersparen, was mit Ihrem Konto geschehen soll. Einen Über­blick über Ihre Möglich­keiten finden Sie bei Facebook, wenn Sie im Menü oben auf das Fragezeichen-Symbol klicken und dann den Hilfe­bereich aufrufen. Dort findet sich unter dem Reiter „Verwaltung deines Kontos“ der Button „Dein Profil und Einstel­lungen“. „Einen Nach­lass­kontakt auswählen“. Sie haben die Möglich­keit, Ihr Nutzer­konto später löschen oder es in einen Gedenk­zustand versetzen zu lassen.

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Konto im Todes­fall dauer­haft löschen

Wenn Sie Ihren Account für den Fall Ihres Todes löschen lassen wollen, müssen Sie auf Ihrer eigenen Facebook-Seite oben rechts im Drop-Down-Menü auf das nach unten zeigende Pfeilchen klicken und „Einstel­lungen“ wählen. Klicken Sie dann im Menü links oben auf „Allgemein“, dann auf „Konto verwalten“ und dann auf „Konto­löschung anfordern“. Es erscheint ein Fenster mit der Frage „Dein Konto in der Zukunft löschen?“ Klicken Sie dann auf „Nach dem Tod löschen“. Facebook löscht das Konto nach eigenen Angaben, sobald es von Ihrem Tod erfährt. Den Todes­fall müssen unmittel­bare Familien­angehörige oder Ihr Nach­lass­verwalter allerdings nach­weisen, zum Beispiel mit der Ster­beurkunde. Einfacher ist es, einer Vertrauens­person die eigenen Zugangs­daten zu hinterlassen. Diese Person kann dann im Todes­fall das Konto ganz einfach löschen.

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Nutzer­konto im Gedenk­zustand

Wenn Sie fest­gelegt haben, dass Ihr Konto in den Gedenk­zustand versetzt werden soll, geschieht das, sobald Facebook von Ihrem Tod erfährt. Facebook schreibt dazu: „Konten im Gedenk­zustand stellen für Freunde und Familien­angehörige eine Möglich­keit dar, zusammen­zukommen und Erinnerungen zu teilen, wenn eine Person verstorben ist“. Abhängig von den Privatsphäre-Einstel­lungen können Freunde dann in der Chronik der verstorbenen Person Erinnerungen teilen. Wenn es keinen sogenannten Nach­lass­kontakt gibt, können Nutzer­konten im Gedenk­zustand nicht geändert werden.

Einen Nach­lass­kontakt bestimmen

Damit jemand Ihr Facebook-Konto im Gedenk­zustand verwalten kann, können Sie einen Nach­lass­kontakt bestimmen. Dieser muss ein Facebook-Freund sein. Der Nach­lass­kontakt kann zum Beispiel einen fixierten Beitrag hinzufügen, auf neue Freund­schafts­anfragen antworten und das Profilbild ändern. In Ihrem Namen posten oder Ihre Nach­richten einsehen kann der Nach­lass­kontakt bislang nicht. Sie können Ihrem Nach­lass­kontakt auch erlauben, nach Ihrem Tod eine Kopie Ihrer auf Facebook geteilten Inhalte herunter­zuladen. Dazu gehören Beiträge, Fotos und Videos Ihres Profils.

Konto in Gedenk­zustand versetzen

Die Hürden, ein Nutzer­konto in den Gedenk­zustand zu versetzen, sind bislang nicht hoch. Facebook schreibt dazu: „Wenn Facebook darauf aufmerk­sam gemacht wird, dass diese Person verstorben ist, wird das Konto gemäß unserer Richt­linien in den Gedenk­zustand versetzt.“ Auf der Webseite, auf der Nutzer den Gedenk­zustand beantragen können, muss die verstorbene Person benannt und das Sterbedatum einge­geben werden. Wer das genaue Datum nicht weiß, darf das Sterbedatum sogar schätzen. Darüber­hinaus­gehende Informationen zum Tod der Person wie etwa der Link zu einer Todes­anzeige oder das Bild einer Ster­beurkunde sind optional. Es kann also auch passieren, dass ein Nutzer­konto in den Gedenk­zustand versetzt wird, obwohl der Nutzer gar nicht gestorben ist. Wie Facebook diese Nach­lass­bestimmungen nach dem Urteil des Bundes­gerichts­hof ändern wird, ist noch ungewiss.

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