Digi­taler Nach­lass Special

Nicht änder­bar. Ohne Pass­wort können Erben die Party-Einladung bei Facebook nicht löschen.

Wenn ein Mensch stirbt – was wird dann aus seinen Spuren im Internet? Bekommen die Erben Zugriff auf Facebook, Ebay, Twitter und Yahoo? Wie funk­tioniert das mit dem digitalen Erbe, welche Dokumente sind nötig, und wie lässt sich der Nach­lass schon zu Lebzeiten vorbereiten? Eine Spuren­suche mit unerwarteten Hinder­nissen.

Zu diesem Thema bietet test.de ein aktuelles Special Digitaler Nachlass.

Alles ist für immer

Paul ist tot. Herz­infarkt, ganz plötzlich. Er hinterlässt eine Frau – nennen wir sie Paula, zwei Kinder und sieben laufende Ebay-Auktionen. Paul twittert nicht mehr, aber seine Follower zwitschern: „@Paul: Was ist los mit Dir?“. Er lacht noch von seiner Facebookseite, während die Nach­richt von seinem Tod die Runde macht. Freunde posten „Wir vermissen Dich“. Darunter lädt der lachende Paul noch zu seiner Geburts­tags­party. Das Internet friert den Moment ein: Alles ist für immer. Wir sind es nicht.

Wenn der Mobil­funkanbieter auch nach dem Tod noch abbucht

Pauls Beispiel zeigt, was digi­taler Nach­lass bedeutet. Bei Facebook und Twitter gehen laufend Nach­richten ein, Ebay-Käufer warten auf Antwort, Paypal bucht Zahlungen für Waren, die verschickt werden müssen. Ein Dutzend Onlineaccounts schlummern – von den Erben noch unbe­merkt – vor sich hin. Eben bucht der Mobil­funk­betreiber wieder 25 Euro von Pauls Konto ab. Das geschieht auto­matisch, Monat für Monat, auch über den Tod hinaus.

Protokoll eines Todes­falls

Wir haben einen Todes­fall begleitet, bei Webanbietern recherchiert und protokolliert, was für die Erben zu tun ist. Die Arbeit der Erben beginnt mit der Spuren­suche: Welche Online­konten hat der Verstorbene hinterlassen? Wie lauten seine Pass­wörter? Wo entstehen Kosten? Welche Spuren im Internet sind für die Hinterbliebenen schmerzhaft?

Facebook bleibt hart

Paula möchte Pauls Party­einladung bei Facebook löschen. Der naheliegende Wunsch stößt auf unüber­wind­liche Hürden. Paul hat sein Pass­wort mit in den Tod genommen. Seine Frau ist auf die Hilfe von Facebook angewiesen. Das Netz­werk fordert eine Ster­beurkunde oder den Link zu einer digitalen Todes­anzeige. Auch als Paula die Urkunde beibringt, darf sie die Facebook-Seite ihres Mannes nicht bearbeiten. „Löschen“ oder „in Gedenken erhalten“ sind die Optionen. Zum Löschen wäre noch ein Nach­weis als Erbe erforderlich.

Nur die Erinnerungs­funk­ton wird abge­schaltet

Paul hat die Seite über Jahre aufgebaut, es ist sein Onlineleben, das möchte Paula nicht einfach ausradieren. Sie wählt den Gedenk­status. Pauls Seite bleibt erhalten. Einzelne Inhalte wie die Party­einladung kann Paula nicht löschen. Facebook schaltet aber die Erinnerungs­funk­tion ab. So erhalten Pauls Freunde nicht laufend Geburts­tags­erinnerungen.

Vorsorgen ist besser

Alles wäre einfacher, wenn Paul vorgesorgt hätte. Mit seinen Zugangs­daten ließe sich die Facebook-Seite editieren. Doch ohne Pass­wort und Nutzer­namen bleibt das soziale Netz­werk hart, die Erben bekommen keinen Zugriff auf das Profil des Verstorbenen. Facebook ist kein Einzel­fall.

Ohne Ster­beurkunde geht nichts

Auch bei Twitter bleiben Erben außen vor. Selbst das Löschen des verwaisten Accounts gerät hier zum „Staats­akt“: Twitter fordert neben der Ster­beurkunde eine Ausweis- oder Führer­scheinkopie des Erben sowie eine notarielle Beglaubigung, aus der die Kontakt­daten des Erben und seine Beziehung zum Verstorbenen hervorgehen. Paula soll die Kopien nach San Francisco senden, zum Firmensitz von Twitter. In einem möglichen Rechts­streit gilt kalifor­nisches Recht. Wer die Hinder­nisse beim Löschen umgehen will, braucht auch bei Twitter Nutzer­namen und Pass­wort des Verstorbenen.

Bestätigungs­mail an die Adresse des Toten

Bei Ebay kommen die Erben ohne Zugangs­daten ebenfalls nur stolpernd voran. Es gibt keine Vorkehrungen zur Verwaltung eines Kontos im Todes­fall. Paula nutzt das Kontaktformular von Ebay und gibt ihre eigene E-Mail-Adresse für Rück­meldungen ein. Ebay antwortet zwar schnell, schickt die Bestätigung über die einge­leitete Konto­schließung dann aber nicht an Paula – sondern an die im Account hinterlegte E-Mail-Adresse von Paul.

Im Post­fach des Verstorbenen laufen die Fäden zusammen

Der Zugriff auf die Mails ist für die Erben besonders wichtig. Auf dem E-Mail-Konto des Verstorbenen laufen die Fäden zusammen: Bestätigungs­schreiben für Online­geschäfte, Rechnungen und Erinnerungen an wichtige Termine. Bei GMX und Web.de können die Erben den Zugriff auf das E-Mail-Konto des Verstorbenen beantragen. Voraus­setzung sind ein Erbschein und eine Unter­schrift des Erben.

Kein Zugang zu E-Mails bei Yahoo

Paula hat Pech. Ihr Mann war bei Yahoo. Yahoo gewährt keinen Zugriff auf das Mail­konto des Verstorbenen. Mehr als es löschen zu lassen, ist auch nach Vorlage amtlicher Dokumente nicht drin. Alle E-Mails und Benach­richtigungen verschwinden ungelesen. Darunter die wichtige Nach­richt von Ebay über die einge­leitete Konto­schließung. Auch Amazon mailt an Pauls E-Mail-Adresse, nachdem Paula als Erbin die Löschung seines Amazon-Kontos mit ihrer eigenen Mail-Adresse beauftragt hat.

Paypal hat ein Einsehen

Sechs Wochen nach seinem Tod ist Pauls digi­taler Nach­lass immer noch nicht abschließend geordnet. Paula braucht starke Nerven. Immerhin mailt Paypal nun an ihre E-Mail-Adresse und stellt die Auszahlung von Pauls verbliebenem Guthaben in Aussicht. Paula hat dafür Ster­beurkunde, Ausweiskopie und einen amtlichen Erbschein einge­reicht.

Google+ mit Inaktivitäts­manager

Die Beispiele zeigen, wie wichtig Vorsorge für den digitalen Nach­lass ist. Das soziale Netz­werk Google+ bietet seinen Nutzern sogar eine tech­nische Lösung: den Konto­inaktivitäts­manager. Zu Lebzeiten können Anwender fest­legen, wer nach ihrem Tod Zugriff auf das Profil haben soll. Google+ speichert bis zu zehn Personen, die es bei Inaktivität des Kontos auto­matisch benach­richtigt. Nach welcher Zeit das geschieht, bestimmt der Eigentümer des Profils. Wer möchte, kann die Software auch so einstellen, dass sie das eigene Webprofil nach einer vorgegebenen Zeit ohne Aktivität auto­matisch löscht.

Facebook-Nutzer können Vertrauens­person bestimmen

Facebook führt in den USA im Februar eine ähnliche Technik ein: Anwender können eine Vertrauens­person bestimmen, die im Fall ihres Todes beschränkten Zugriff auf ihr Profil bekommt. Wann die Technik nach Deutsch­land kommt, steht noch nicht fest.

Im Zweifel helfen hand­schriftliche Notizen

Paula managt jetzt selbst: Sie hat ihre eigenen Online­profile zusammen­gestellt und die Pass­wörter in einem Programm zur Pass­wort­sicherung gespeichert. Sie hinterlässt hand­schriftliche Notizen und legt fest, auf welche Daten ihre Erben zugreifen dürfen. Ihre Kinder sollen es leichter haben mit dem Leben nach dem Tod.

Tipp: Immer mehr Menschen möchten für den Fall vorsorgen, dass sie krank­heits­bedingt nicht mehr selbst für sich bestimmen können. Aber wie macht man das? Unser Vorsorge-Set: Patientenverfügung, Testament, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht beant­wortet diese Fragen einfach und praxis­nah und führt Schritt für Schritt durch die entsprechenden Formulare.

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