Digi­taler Nach­lass Meldung

Facebook-Nutzer können selbst bestimmen, wie das soziale Netz­werk mit dem eigenen Konto im Todes­fall umgehen soll. Solche Bestimmungen können wichtig sein, wie ein Fall zeigt, der vom Kammerge­richt Berlin entschieden wurde. Das Gericht hatte entschieden, dass Facebook keine Daten an die Eltern eines verstorbenen Kindes heraus­geben muss.

Facebook – kein Anmelden trotz Zugangs­daten

Wenn ein Mensch stirbt, kann es rund um soziale Netze schwierig werden. Wie schwierig, zeigt ein Fall aus Berlin: Hier verunglückte eine Jugend­liche in einem U-Bahnhof, sie wurde von einem einfahrenden Zug über­rollt. Die Umstände des Todes sind bis heute ungeklärt. Die Frage nach einem Selbst­mord steht im Raum ebenso wie die Frage, ob das Mädchen zuvor gemobbt worden sei. In der Hoff­nung, tiefere Einblicke in das Seelenleben ihrer Tochter zu bekommen, wollen die Eltern das Facebook-Konto des Mädchens einsehen. Doch obwohl sie die Zugangs­daten haben, können sie sich nicht einloggen: Das soziale Netz­werk hat das Nutzer­konto in einen sogenannten Gedenk­zustand versetzt und verweigert den Zugriff.

Die Eltern müssen draußen bleiben

Der Streit zwischen den Eltern und Facebook ging vor Gericht – und das Land­gericht Berlin entschied zunächst zugunsten der Eltern. Damit war Facebook nicht einverstanden und hatte Berufung eingelegt. Jetzt hat das Berliner Kammerge­richt entschieden und die Wünsche der Eltern abge­wiesen. So könne aus dem sogenannten Totenfür­sorgerecht der Eltern kein Anspruch auf Zugang zu dem Social-Media-Account des verstorbenen Kindes hergeleitet werden. Und auch das Persönlich­keits­recht der Mutter könne keinen Anspruch auf diesen Zugang begründen. Zwar ist anerkannt, dass zum Persönlich­keits­recht auch das Recht gehört, seine eigene Abstammung zu kennen. Doch ein Recht auf Zugang zum Account lasse sich daraus nicht ableiten – auch wenn der Wunsch der Eltern verständlich sei, die Gründe für den tragischen Tod ihres Kindes näher zu erforschen (Kammerge­richt Berlin, Az. 21 U 9/16; nicht rechts­kräftig).

Tipp: Hinweise zum Umgang mit digitalen Konten im Todes­fall auch zu anderen Netz­werken finden sie im Special „Digitaler Nachlass“ auf test.de.

Was Sie als Facebook-Nutzer tun können

Als Facebook-Nutzer können Sie für den Fall Ihres eigenen Todes vorsorgen und Ihren Angehörigen Ärger und die Klärung der Frage ersparen, was mit Ihrem Konto geschehen soll. Einen Über­blick über Ihre Möglich­keiten finden Sie bei Facebook, wenn Sie im Menü oben auf das Fragezeichen-Symbol klicken und dann den Hilfe­bereich aufrufen. Dort findet sich unter dem Reiter „Verwaltung deines Kontos“ der Button „Dein Profil und Einstel­lungen“. „Einen Nach­lass­kontakt auswählen“. Sie haben die Möglich­keit, Ihr Nutzer­konto später löschen oder es in einen Gedenk­zustand versetzen zu lassen.

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Unabhängig von Facebook bleiben

Um eine Situation zu vermeiden, wie sie die Eltern der minderjäh­rigen Facebook-Nutzerin zur Zeit erleben, ist es am besten, von Facebook unabhängig zu bleiben. Damit ist gemeint, dass Ihre Angehörigen oder Freunde nicht darauf angewiesen sein sollten, mit Facebook nach Ihrem Tod in Kontakt zu treten, um auf Ihr Konto zugreifen oder es löschen lassen zu können. Um das zu erreichen, sollten Sie Ihre Zugangs­daten einem Menschen hinterlassen, der Zugriff haben soll. Allerdings: Auch die Eltern des verunglückten Mädchens hatten das Pass­wort. Sie konnten sich aber nicht einloggen, weil Facebook das Konto bereits in den Gedenk­zustand versetzt hatte. Wichtig ist es deshalb also, dass Sie bei den zur Verfügung stehenden Möglich­keiten „Konto löschen“ auswählen. Das geschieht nach Ihrem Tod ja nicht auto­matisch, sondern erst, wenn Facebook von Ihrem Tod erfährt. Solange kann derjenige, der Ihre Zugangs­daten hat, auf Ihr Konto zugreifen. Anders sieht es aus, wenn Sie sich für den Gedenk­zustand entscheiden: Sobald eine andere Person gegen­über Facebook ihren Tod anzeigt – und das geht beim Gedenk­zustand einfach und ohne Nach­weis, dass Sie tatsäch­lich gestorben sind – kann niemand mehr auf Ihr Konto zugreifen.

Konto im Todes­fall dauer­haft löschen

Wenn Sie Ihren Account für den Fall Ihres Todes löschen lassen wollen, müssen Sie auf Ihrer eigenen Facebook-Seite oben rechts im Drop-Down-Menü auf das nach unten zeigende Pfeilchen klicken und „Einstel­lungen“ wählen. Klicken Sie dann im Menü links oben auf „Sicherheit“, dann auf „Nach­lass­kontakt“ und dann auf „Konto­löschung anfordern“. Es erscheint ein Fenster mit der Frage „Dein Konto in der Zukunft löschen?“ Klicken Sie dann auf „Nach dem Tod löschen“. Facebook löscht das Konto nach eigenen Angaben, sobald es von Ihrem Tod erfährt. Den Todes­fall müssen unmittel­bare Familien­angehörige oder Ihr Nach­lass­verwalter allerdings nach­weisen, zum Beispiel mit der Ster­beurkunde. Einfacher ist es, einer Vertrauens­person die eigenen Zugangs­daten zu hinterlassen. Diese Person kann dann im Todes­fall das Konto ganz einfach löschen.

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Nutzer­konto im Gedenk­zustand

Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Konto gelöscht wird oder ein anderer Zugriff darauf hat, können Sie es in den Gedenk­zustand versetzen lassen. Facebook schreibt dazu: „Nutzer­konten im Gedenk­zustand stellen für Freunde und Familien­angehörige eine Möglich­keit dar, zusammen­zukommen und Erinnerungen zu teilen, wenn eine Person verstorben ist“. Abhängig von den Privatsphäre-Einstel­lungen können Freunde dann in der Chronik der verstorbenen Person Erinnerungen teilen. Wenn es keinen sogenannten Nach­lass­kontakt gibt, können Nutzer­konten im Gedenk­zustand nicht geändert werden.

Einen Nach­lass­kontakt bestimmen

Damit jemand Ihr Facebook-Konto im Gedenk­zustand verwalten kann, können Sie einen Nach­lass­kontakt bestimmen. Dieser muss ein Facebook-Freund sein. Der Nach­lass­kontakt kann zum Beispiel einen fixierten Beitrag hinzufügen, auf neue Freund­schafts­anfragen antworten und das Profilbild und Titel­bild ändern.

Konto in Gedenk­zustand versetzen

Die Hürden, ein Nutzer­konto in den Gedenk­zustand zu versetzen, sind nicht hoch. Facebook schreibt dazu: „Wenn Facebook darauf aufmerk­sam gemacht wird, dass diese Person verstorben ist, wird das Konto gemäß unserer Richt­linien in den Gedenk­zustand versetzt.“ Auf der Webseite, auf der Nutzer den Gedenk­zustand beantragen können, muss die verstorbene Person benannt und das Sterbedatum einge­geben werden. Wer das genaue Datum nicht weiß, darf das Sterbedatum sogar schätzen. Darüber­hinaus­gehende Informationen zum Tod der Person wie etwa der Link zu einer Todes­anzeige oder das Bild einer Ster­beurkunde sind optional. Es kann also auch passieren, dass ein Nutzer­konto in den Gedenk­zustand versetzt wird, obwohl der Nutzer gar nicht gestorben ist.

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* Diese Meldung haben wir am 27. April 2017 veröffent­licht und zuletzt am 31. Mai 2017 aktualisiert.

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