Besitzer von Digitalkameras können ihre Fotos zu Hause selbst ausdrucken. Doch der Trend geht zum Belichtenlassen. Das ist billiger. Bleibt nur die Frage: Wo und wie?

Der Ausflug war schön, jetzt will die Freundin aber endlich mal die Fotos sehen. Mit einer Digitalkamera kein Problem. Da wird schnell ein Foto ausgedruckt. Aber 20 oder 30? Das wird teuer mit dem eigenen Drucker. Auch sind die Ausdrucke nicht so lichtbeständig wie Abzüge aus dem Labor.

Doch die Datei, aus der später das Bild werden soll, kann auch von einem Labor auf Papier gebannt werden. Wie beim normalen Film werden per Fotochemie Abzüge erstellt. Ausgangsmaterial ist die Datei statt eines Negativs. Die Datei kann auf verschiedenen Wegen ins Labor gelangen: über eine CD-Rom, eine Orderstation, die die Speicherkarte der Digitalkamera im Laden ausliest, oder über das Internet.

Wir wollten es genauer wissen und haben unsere Tester in Berlin für eine kleine Recherche losgeschickt. Jeweils sechs Hochglanzfotos sollten im Format 10 x 15 Zentimeter abgezogen werden. Fündig wurden wir in Drogeriemärkten, bei Elektronik- und Fotoketten, Fotoeinzelhändlern und Kaufhäusern sowie bei fünf Online-Anbietern. Pro Kategorie haben wir jeweils drei Händler aufgesucht, auch die Onlinedienste wurden jeweils dreimal in Anspruch genommen. Das Ergebnis: Die Wege zum Papierbild sind so vielfältig und verschlungen wie in einem Labyrinth. Drogeriemärkte sind am billigsten, bieten aber keine Fachberatung. Online-Bilderdienste sind eher teuer und für Leute geeignet, die sich gut mit dem Internet auskennen. Die Bildqualität ist bei allen Anbietern sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von hervorragend bis gerade noch akzeptabel.

Allgemein gilt: Der Abzug eines digitalen Bildes ist zwar oft teurer als bei einem klassischen Film, aber immer noch billiger als selbst gedruckt.

Der Weg ist das Ziel

Wer eine Digitalkamera be­­sitzt, aber die Bilder nicht selbst ausdrucken möchte, hat viele Möglichkeiten, Papierbilder in die Hand zu bekommen.

  • Brenner: Praktisch ist eine selbst „gebrannte“ CD-Rom, die der Kunde im Geschäft abgibt. Sie wird von dort einfach wie ein Negativfilm ins Labor eingeschickt. Später holt der Kunde die Bilder ab. Wer will, kann seine Fotos auch noch vorher am Rechner bearbeiten.
  • Orderstation: Wer keinen Brenner besitzt, kann die Speicherkarte der Digitalkamera zum Händler bringen und dort an einer Orderstation auslesen und in Auftrag geben. Auch CD-Roms und Zip-Disketten werden an einigen Stationen akzeptiert. Nicht immer können alle Dateiformate verarbeitet werden. Die gängigsten sind JPEG (Dateiendung .jpg) und Tiff (Dateiendung .tif).

Orderstationen fanden unsere Tester bei Elektronik- und Fotoketten sowie bei Fotoeinzelhändlern. Auch im Kaufhaus wurde eine Orderstation gesichtet, nur nicht in den Berliner Drogeriemärkten.

Hat er eine Orderstation gefunden, muss der Anwender ihren Funktionsumfang erkunden: Bei den einfachsten kann die Speicherkarte nur ausgelesen und auf eine so genannte Image-CD gebrannt werden. Sie enthält die Bilddaten, aus denen das Labor dann die Abzüge entwickelt. Bildbearbeitung erlauben diese einfa­chen Stationen aber nicht. Bei anderen Terminals finden sich Bearbeitungsprogramme, mehr oder weniger umfangreiche. Sie können zum Beispiel Farbe und Kontrast verändern, Bildausschnitte festlegen und bieten eine automatische Qualitätsverbesserung. Letzteres sollte nicht gewählt werden, wenn die Fotos schon am Computer zu Hause bearbeitet wurden. Dann wird nämlich auch jede Bearbeitung „verbessert“. Das kann schlimme Folgen haben.

Das umfangreichste Angebot zur Bildbearbeitung fanden wir übrigens in einem Kopierladen. Neben der Bildbearbeitung bot er auch noch spezielle Effekte wie Spie­geln, Drehen und Rotieren an. Außerdem konnten wir hier auch Grußkarten und Kalender entwerfen.

Die Stationen sind meistens recht flexibel und erlauben auch unterschied­liche Größen und Varianten von Bild zu Bild. So kann der Kunde bei einem Auftrag beispielsweise 10 x 15 seidenmatt mit 9 x 13 Hochglanz kombinieren. Das geht bei Fotoabzügen vom Film nicht so einfach. Die Bilder konnten wir in unserer Recherche nach zwei bis sieben Tagen beim Händler abholen.

Der schnelle Weg

Auch wer seine Bilder sofort in der Hand haben will, kann in ein Geschäft gehen. Einige Händler haben an ihre Orderstation ein kleines Minilabor angeschlossen, an dem die Daten sofort bearbeitet werden und der Abzug nach spätestens einer Stunde abgeholt werden kann.

In Berlin fanden wir solche Minilabs bei Fotoeinzelhändlern, aber auch bei Elektronikketten. Doch die Schnelligkeit hat ihren Preis. Die Bilder kosteten zwischen 0,35 und 0,46 Euro. Dazu kommen noch hohe Bearbeitungskosten von bis zu 3 Euro. Dafür waren die Fotos aus dem Minilabor aber von erfreulich guter Qualität. Was wir von den Fotos, die wir mit einem Drucker im Laden sofort ausdrucken ließen, nicht behaupten können. Der ladeneigene Drucker ist neben dem Minilabor die zweite Möglichkeit, sofort an seine Bilder zu kommen. Hier wird das Foto wie zu Hause einfach ausgedruckt. Nur standen bei unserer Recherche schlechte Drucker im Laden. Denn was Karstadt und Photo Dose da an 9 x 13-Ausdrucken lieferten, war nicht nur teuer (0,61 und 0,50 Euro pro Bild), sondern auch noch von schwacher Qualität.

Der bequeme Weg

Wer keine Zeit oder Lust hat, seine Wohnung zu verlassen, kann die Fotos auch über das Internet entwickeln lassen. Neben den reinen Onlinediensten bieten fast alle regulären Geschäfte ihren Service auch im Internet an. Der Vorteil: Man ist unabhängig von Ladenöffnungszeiten und die Fotos werden auf Wunsch per Post direkt nach Hause geliefert.

Wir haben fünf Onlinedienste in Anspruch genommen, darunter auch die der drei Filmhersteller Agfa, Kodak und Fuji. Um es gleich vorwegzunehmen: Wer sich für die Onlinevariante entscheidet, muss oft viel zahlen. Am teuersten war es bei Kodak: Sechs Bilder kosteten hier 5,54 Euro. Die Einzelbildpreise im Internet schwan­kten bei unserer Recherche zwischen 0,29 (Fuji) und 0,59 Euro (Kodak). Hinzu kommen noch Porto und Bearbeitungskosten. Nur der Ausdruck zu Hause ist teurer.

Immerhin lassen sich die Bilder bei manchen Anbietern in einem kostenlosen passwortgeschützten Online-Album ablegen. Wer will, kann es Freunden zugänglich machen, die dann auf eigene Kosten aus dem Album Abzüge bestellen. Wer diese Variante wählt, sollte allerdings einen schnellen Internetzugang haben, denn die Onlinekosten für das Übermitteln von Bilddaten können beachtlich sein. Für unsere sechs Testbilder (5 Megabyte) brauchten wir mit einem ISDN-Anschluss 7 bis 20 Minuten.

Wer die Portokosten vermeiden will, hat auch noch die Möglichkeit, die Bilder bei ausgewählten Händlern abzuholen. Wir probierten diesen Service bei Kodak.de aus. Abholen wollten wir die Fotos bei Saturn. Die Preise waren identisch mit denen im Geschäft. Trotz der Zusage von Saturn, eine E-Mail zu schicken, sobald die Fotos da seien, warteten wir zwölf Tage vergeblich. Bei Nachfragen stellte sich heraus, dass die Bilder schon gut fünf Tage bei Saturn lagen. Auf die E-Mail warten wir übrigens noch immer.

Tipp: Unter www.billige-fotos.de finden Sie Tipps zur digitalen Fotografie und eine Suchmaske für billige Bildservices, unter www.image-scene.de/fotodienste eine alphabetisch sortierte Liste digitaler Bilderdienste.

Welcher Weg ist der beste?

Welcher Weg der beste ist, hängt ganz von der eigenen Geldbörse, der technischen Ausrüstung und der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Drogeriemärkte sind eher günstig, zum Beispiel die Kette KD. Der Preis für sechs Bilder im 10 x 15-Format betrug hier inklusive Bearbeitungskosten 1,83 Euro. Und wer glaubt, billig gleich schlecht, täuscht sich. Die Abzüge von KD waren qualitativ vergleichbar mit denen von teureren Händlern. Zur Grundausstattung zu Hau­se sollte aber ein CD-Brenner gehören. Denn im Allgemeinen muss der Kunde in Drogeriemärkten eine selbst gebrannte CD-Rom mit den gewünschten Bildern darauf abgeben. Orderstationen haben wir in Drogerien jedenfalls nicht gefunden. Außerdem muss der Kunde auf Fach­beratung verzichten.

Auch in Kaufhäusern wie zum Beispiel Kaufhof waren die Informationen eher dürftig. Bei den Preisen liegen sie mit 0,25 bis 0,35 Euro pro Bild noch im Mittelfeld, bei der Bildqualität auch.

Bei Elektronikketten wie beispielsweise Wegert hatten unsere Tester zumindest in einer Filiale den Eindruck, dass sich das Personal intensiv mit dem Thema digitale Prints auseinandergesetzt hat. Mit 0,25 Euro pro Bild und Bearbeitungskosten von einem Euro sind die Anbieter Saturn und Media Markt in Berlin günstig. Bei Media Markt waren die Bilder nach zwei Tagen da, bei Saturn mussten wir eine ganze Woche warten.

Fotoketten und Fotoeinzelhändler beraten ihre Kunden noch am besten. Doch immer wieder fanden wir auch hier Wissenslücken, wenn die Fragen zu sehr ins Detail gingen (zum Beispiel: Welche Dateiformate sind möglich?). Was die Preise betrifft, lagen die Fotoketten und Fotoeinzelhändler in unserer Recherche auf einem ähnlichen Niveau wie die Kaufhäuser. Mit einer durchschnittlichen Lieferzeit von nur drei Tagen waren die Fotoeinzelhändler jedoch relativ schnell.

Onlinehändler sind eher teurer. Auffallend bei den Bildern waren teils übertrieben kräftige Farbtöne. Bei der Lieferzeit war nur Fotoservice.de mit ein bis zwei Tagen schnell.

Tipp: Lassen Sie sich bei den Kosten nicht von niedrigen Einzelbildpreisen blenden. Denn es kommen immer noch Bearbeitungskosten dazu, bei den Onlinediensten auch Porto. Sie schlagen besonders dann auf den Endpreis durch, wenn nur wenige Abzüge bestellt werden. So reichte die Spanne der Bearbeitungskosten in unserer Recherche von 0,75 Euro beim Drogeriemarkt KD bis zu rund 3 Euro bei Kaufhof.

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