Robo Advisor. Keine Maschine in Berater­gestalt, sondern ein Computer­programm, das Anlegergeld verwaltet.

Die Geld­anlage per Mausklick und Smartphone ist im Kommen. Die junge Branche ist in Bewegung. test.de dokumentiert regel­mäßig die neuen Entwick­lungen auf dem Fintech-Markt. Im Früh­jahr 2019 sind gleich drei neue Robo-Advisors auf den Markt gekommen: Oskar, Smavesto und VTB Invest. Die Finanz­experten der Stiftung Warentest erklären, was sie bieten, wie viel sie kosten und worauf Anleger achten müssen.

Robo-Markt in Bewegung

Noch vor wenigen Jahren kannte sie keiner, inzwischen gibt es fast täglich neue Nach­richten über die digitalen Vermögens­verwalter, besser bekannt als Robo-Advisors. Seit unserem großen Robo-Test aus dem August 2018 hat sich einiges getan. Zwei Robos haben sich zurück­gezogen, einige sind neu dazugekommen. Wir haben sie uns angeschaut, aber nicht so detailliert geprüft wie die aus dem Test. Anleger, die sich für einen der neuen digitalen Anla­gehelfer interes­sieren, sollten darauf achten, ob das vorgeschlagene Portfolio zu ihren Risiko­vorstel­lungen passt – und unbe­dingt die Kosten im Blick behalten. Nach wie vor gilt: Robos sind nichts für Einsteiger. Nur wer Ahnung von Fonds hat und die Anlage­vorschläge des Robos einordnen kann, sollte sein Vermögen computer­gestützt verwalten lassen.

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Oskar: Der kinder­freundliche Robo

Der Robo-Advisor Oskar bietet Sparpläne ab 25 Euro monatlich und Einmal­anlagen ab 1 000 Euro an. Oskar arbeitet mit Scalable zusammen, einem Robo-Advisor aus München, der seit Januar 2016 am Markt ist (Test Robo Advisors: Was die automatisierte Vermögensverwaltung taugt). Zur Wahl stehen fünf Depots mit Aktienquoten von 50, 60, 70, 80 und 90 Prozent. Die Aktienquoten sind recht hoch, passen aber zur Zielgruppe: Oskar spricht mit seinem Angebot zum Beispiel Eltern oder Groß­eltern an, die für ihre Kinder und Enkel­kinder Sparpläne einrichten wollen. Wer viele Jahre Zeit hat zu sparen, kann Kurs­dellen am Aktienmarkt aussitzen. Das Geld der Anleger fließt in ETF, börsen­gehandelte Fonds, und in Gold-ETC. ETC steht für exchange traded commodities – im Grunde sind es Zertifikate. Wer weniger als 10 000 Euro anlegt, zahlt für die Vermögens­verwaltung 1,0 Prozent der Anlagesumme pro Jahr, darüber sind es 0,8 Prozent. Das ist vergleichs­weise viel. Hinzu kommen die Kosten für die ETF.

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Smavesto: Nach­haltiges ETF-Portfolio möglich

Hinter Smavesto steht die Sparkasse Bremen. Sparpläne gibt es ab 50 Euro, Einmal­anlagen ab 1 000 Euro. Das Geld der Anleger fließt in ETF (börsen­gehandelte Fonds) und ETC (börsen­gehandelte Rohstoffe). Spekulation auf Lebens­mittel­preise sei jedoch ausgeschlossen, heißt es. Die Zusammen­stellung der Portfolios richtet sich danach, welche zwischen­zeitlichen Verluste die Anleger höchs­tens tragen können oder wollen. Smavesto unterteilt seine Kunden dazu in vier verschiedene Risiko­gruppen. Als spekulativ orientiert gilt, wer Einbrüche von 35 bis 40 Prozent aushalten kann. Konservativ sind Anleger dann, wenn sie weniger als 15 Prozent Verlust tolerieren. Die Aktienquote passt sich je nach Markt­lage der Verlust­vorgabe an. Smavesto kostet vergleichs­weise teure 1 Prozent pro Jahr zuzüglich ETF-Kosten. Interes­sant ist die Möglich­keit, sein Geld nach nach­haltigen Kriterien anzu­legen.

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Robo VTB Invest: Ergän­zung zu Tages- und Fest­geld

Der Robo VTB Invest der Bank VTB direkt bietet Sparpläne ab 50 Euro und Einmal­anlagen ab 500 Euro. Das Geld der Anleger fließt in Aktien-, Anleihen- und Geldmarkt-ETF. VTB Invest preist auf seiner Internetseite zehn Portfolios für zehn Risi­kostufen an. Tatsäch­lich angeboten werden derzeit jedoch nur neun verschiedene Depots mit Aktienquoten zwischen 20 und 100 Prozent. Das erste, sicherste Portfolio mit 100 Prozent Anleihen gibt es aktuell nicht – einfach, weil es sich in Zeiten nied­riger Zinsen nicht lohnt. Wer keinerlei Risiko eingehen will, legt sein Geld lieber auf Tages­geld- oder Fest­geld­konten an. Für die Dienst­leistung des Robo zahlen Anleger 1 Prozent pro Jahr (für Summen unter 10 000 Euro) beziehungs­weise 0,8 Prozent pro Jahr (für Summen ab 10 000 Euro). Das ist vergleichs­weise viel. Hinzu kommen die Kosten der ETF.

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Pixit: Der Targo­bank-Robo

Die Targo­bank ist mit dem neuen Robo-Advisor Pixit am Start. Es gibt fünf verschiedene Portfolios, ihre Gewichtung wird regel­mäßig angepasst. Sie sind bestückt mit ETF, börsen­gehandelten Fonds. Die Vermögens­verwaltung kostet ja nach Anla­gebetrag zwischen 0,8 und 0,99 Prozent pro Jahr plus Fonds­kosten. Sparpläne sind ab monatlich 100 Euro möglich, Einmal­anlagen ab 5 000 Euro.

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Pax-Investify: Jetzt komplett auf ethische Geld­anlage ausgerichtet

Der Robo-Advisor Investify bietet mit der kirchlichen Pax-Bank nach­haltige Anlagen an: pax-investify.com. Bisher gab es bei Investify schon einen ethischen Anla­gebau­stein, der als Beimischung gewählt werden konnte. Die Koope­ration erlaubt nun ein komplettes, ethisch ausgerichtetes Portfolio mit ETF und aktiv gemanagten Fonds. Der Robo kostet 1 Prozent pro Jahr, ab 100 000 Euro 0,8 Prozent, hinzu kommen die Fonds­kosten. Das ist vergleichs­weise viel.

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Quirion: Fond­sport­folio für Savedo-Sparer

Der Robo-Advisor Quirion arbeitet jetzt mit dem Zinsportal Savedo zusammen. Sparer können ihre Zins­anlage um ein Fond­sport­folio bei Quirion erweitern. Quirion bekam im Test Robo-Advisors die Note Gut.
Ein Nach­trag zum Test: Wir hatten moniert, dass Anleger sich bei Kündigung nur das Geld auszahlen, aber nicht die Fonds über­tragen lassen konnten. Das ist jetzt möglich.

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Fidelity Wealth Expert: Mit aktiven Fonds

Beim Fidelity Wealth Expert sind Anleger ab 10 000 Euro dabei. Insgesamt kostet der Robo zwischen 1,13 und 1,23 Prozent pro Jahr – das ist relativ teuer im Vergleich (siehe Test Robo-Advisors). 0,55 Prozent kostet die Vermögens­verwaltung pro Jahr, was für kleine bis mitt­lere Anla­gebeträge günstig ist. Hinzu kommen jähr­lich 0,58 bis 0,68 Prozent an Gebühren für die Fonds. Für aktiv gemanagte Fonds ist das wenig, verglichen mit ETF jedoch viel. Fidelity nutzt für die Vermögens­verwaltung Expertise externer Manager.

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Zeedin: Vermögens­verwaltung von Hauck & Aufhäuser

Hinter dem Robo-Advisor Zeedin steckt die Privatbank Hauck & Aufhäuser. Die Mindest­anlagesumme beträgt 50 000 Euro. Anleger können sich für eine fonds­gebundene Vermögens­verwaltung entscheiden, für höhere Beträge gibt es auch klassische und ethische Vermögens­verwaltung – jeweils mit Einzel­titeln. Die fonds­gebundene Variante kostet für Beträge unter 150 000 Euro 1,01 Prozent pro Jahr – das liegt im Mittel­feld. 0,75 Prozent davon beträgt die Pauschale für den Robo, rund 0,26 Prozent kosten die Anlagen – darunter meist ETF, aber auch Zertifikate und Gold ETC. Für höhere Beträge ist die Pauschale nied­riger.

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Diese Robos machen nicht weiter

Prospery: Der Robo-Advisor Prospery stellt sein Geschäft in Deutsch­land in Kürze ein. Die Kunden bekommen ihr Geld zurück. Die Fonds lassen sich nicht auf eine andere Bank über­tragen, weil sie speziell für den Einsatz bei Prospery konzipiert wurden.

Werth­stein: Der Robo-Advisor Werth­stein, erst Anfang 2018 gestartet, zog sich zum Jahres­ende 2018 vom Markt zurück. Die Portfolios der Kunden wurden wahl­weise aufgelöst, auf eine andere Bank oder den Robo-Advisor Solidvest über­tragen. Solidvest bietet Vermögens­verwaltung mit Einzel­titeln an und war daher nicht im Test dabei.

Dieses Special wurde erst­mals am 7. November 2018 auf test.de veröffent­licht und seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 15. Mai 2019.

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