Digitale Preis­anzeigen Meldung

Künftig werden Supermärkte ihre Preise zunehmend digital anzeigen. 500 Rewe-Märkte haben sich bereits von Papieretiketten verabschiedet. Was steht hinter der neuen Technik? Könnten die Preise wie an Tank­stellen schwanken, wie einige Verbraucher befürchten? test.de klärt auf.

Rewe stellt seit 2013 schritt­weise um

So mancher Kunde von Rewe-Märkten steht zurzeit erstaunt vor den Regalen. Die Preise werden ihm jetzt auf kleinen Bild­schirmen ange­zeigt, Papierschilder sind passé. Bereits seit November 2013 führt die Handels­kette schritt­weise in neuen und reno­vierten Filialen digitale Preisschilder ein, derzeit sind etwa 500 Rewe-Märkte damit ausgestattet. Auch andere Händler sind dabei, das so genannte „Electronic Shelf Label“ zu erproben. Kauf­land testet die Technik momentan in einzelnen Filialen in Baden-Württem­berg, auch der Discounter Netto Marken-Discount hat Tests laufen. Bei Edeka werden die digitalen Schild­chen individuell von einigen wenigen Händ­lern einge­setzt. Als erster Händler hatte Metro Cash & Carry bereits in den 1990er Jahren elektronische Preis­anzeigen einge­führt. Beim Nach­bar Frank­reich sind sie heute in so gut wie allen großen Supermärkten zu finden.

Fix auf Preis­änderungen reagieren

Was ist von der neuen Technik zu halten? Was bringt sie den Supermarkt­ketten? „Digitale Preisschilder ermöglichen Preisflexibilität – so können Händler schnell auf Mitbewerber­preise reagieren. Auch kleine Preiskorrekturen um Cent­beträge sind möglich, früher wäre das zu aufwendig gewesen. Und sie ermöglichen Preissicherheit: Regal und Kasse sollen den gleichen Preis anzeigen“, erklärt Hilmar Kraft, Spezialist für elektronische Preisschilder bei Wincor Nixdorf. Die IT-Firma installiert die Schilder vor Ort, bindet unter anderem die Kassen an die Software an und schult das Personal.

Früher per Hand, heute per Funk

In einem Rewe-Markt müssen im Durch­schnitt rund 15 000 elektronische Etiketten installiert werden. Für Rewe steht eigenen Angaben zufolge nicht die Preisflexibilität im Vordergrund. Laut Rewe-Unter­nehmens­sprecher Raimund Esser soll die neue Technik vor allem Mitarbeiter entlasten. Früher mussten diese jede Woche über einhundert Preis­etiketten von Hand austauschen. Das sei zeit­aufwendig und fehler­anfäl­lig gewesen. Die Preise in Supermarkt­filialen werden über die Zentralen der Unternehmen gesteuert – das galt früher und ist auch noch heute so. Neue Preise wurden meist über Nacht an die Kassen der Supermärkte gespielt; mit der neuen Technik sind heute auch tags­über Preiskorrekturen denk­bar. Früher mussten die Mitarbeiter viele kleine Preisschilder per Hand verteilen. Heute wird der Preis über Funk an die Regaletiketten über­tragen.

Angst vor tank­stellen­ähnlichen Zuständen

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Wie werden sich digitale Preisschilder auf die Preise auswirken?

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Einige Verbraucher befürchten, dass sich die Preise im Supermarkt nun deutlich schneller ändern werden als früher. Ob es so weit kommt, wird die Zukunft zeigen. Rewe betont, dass es keinesfalls um „tank­stellen­ähnliche Preis­änderungen“ oder „tages­zeit­abhängige Rabatt­aktionen“ gehen solle. Tech­nisch möglich ist das allerdings schon. So könnten zu Tages­zeiten, wo wenige Kunden im Geschäft sind, Preise gesenkt werden – und umge­kehrt angezogen werden, wenn der Konkurrent um die Ecke ebenfalls die Preise hoch­schraubt. Darüber hinaus könnten die kleinen Bild­schirme zusätzliche Informationen über das Lebens­mittel weitergeben oder diese mittels QR-Code auf das Smartphone des Kunden über­tragen. Hilmar Kraft von Wincor Nixdorf geht davon aus, dass digitale Preisschilder künftig breiter Anwendung finden. Bisher haben die Anschaffungs­kosten die Handels­ketten vom Umstieg abge­halten. Durch ein güns­tigeres Preis­niveau hat sich das inzwischen geändert.

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