Kamera: Pixel nicht alles

Wie viel Pixel braucht der Mensch? 3, 6 oder gar 10 Millionen? Zum Vergleich: Ein herkömmlicher 100 ISO-Diafilm schafft rund 30 Millionen Pixel, sprich 30 Megapixel. Doch vor allem Filmführung und Objektiv mindern die Auflösung. Bei Spiegelreflexkameras bleiben so bis zu 10 Megapixel übrig, Sucherkameras bannen nicht mehr als drei Megapixel auf den Film. Für digitale Kameras ist letzteres keine Hürde mehr. Aber: Die Pixelprotzerei der Anbieter verschleiert, dass die Bildqualität ebenso stark von Objektiv und kamerainterner Betriebssoftware abhängt.

Nur Befriedigend mit 10 Megapixel

Der beste Beweis: Die Casio Exilim EX-Z5 zum Beispiel schafft trotz ihrer zehn Megapixel im Schnelltests der Stiftung Warentest immer wieder: Die „Pixelwunder“ von Aldi, Lidl, Plus und Co bieten oft nur bescheidene Bildqualität. Letzte Klarheit über die Qualität einer Kamera gibt also nur der ausführliche Test.

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Einsatzzweck entscheidend

Die beste Digitalkamera ist nicht automatisch auch die beste Wahl. Zumindest nicht für jeden. Entscheidend ist der Einsatzzweck:

  • Urlauber und Knipser. Sie fahren am besten mit einer guten Kompaktkamera, einem kleinen, feinen Apparat mit guter Automatik. Damit gelingen am besten unkomplizierte Schnappschüsse.
  • Ambitionierte Amateure. Wer weiter entfernte Objekte stärker heranzoomen, nicht nur mit Automatik fotografieren, aber auch keine Wechselobjektive mit sich herumschleppen möchte, ist am besten mit einer so genannten Bridgekamera bedient. Sie haben die „Figur“ einer Spiegelreflexkamera, ihr Objektiv ist aber fest mit der Kamera verbunden. Sie passen nicht mehr in jede Hosentasche, bieten aber deutlich mehr Möglichkeiten als die Kompakten. Kurzum: Sie bilden in Größe, Gewicht, Preis und Vielseitigkeit eine Brigde (= Brücke) zwischen den Kompakten und den Spiegelreflexkameras - und bieten damit einen guten Kompromiss.
  • Angehende und echte Profis. Für sie führt kaum ein Weg an einer Spiegelreflexkamera (SLR) vorbei. Die acht 2006 getesteten Modelle überzeugen vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Beispiel: Zusammen mit dem richtigen Zoomobjektiv ist das Spiel mit der Tiefenschärfe kein Problem mehr. So gelingen überzeugende Porträtaufnahmen. Dazu liefern Digitale SLRs Fotos mit besonders wenig „Bildrauschen“. Das Phänomen unruhig, grießelig aussehender Farbflächen trifft ihre im Vergleich zu Kompaktkameras großen Bildwandlerchips kaum.

Übersicht:
Tabelle Systemvergleich - Kompakt-, Bridge- oder Spiegelreflexkamera

Auf die Ausstattung achten

Machen Sie sich vor dem Kauf einer Digitalkamera am besten eine Checkliste. Was brauchen Sie, was nicht:

  • Akkus. Digitalkameras sind Stromfresser. Nur die besten schaffen etwa 400 Bilder mit einer Akkuladung. Sinnvoll: Die Kamera sollte mit einem mitgelieferten Netzteil sowie mit Akkus und Batterien in Standardgröße zu betreiben sein. Übrigens: Lithium-Ion-Akkus haben in Sachen Energieaufnahme und Umweltfreundlichkeit die Nase deutlich vorn.
  • Speichermedium. Wenn Sie bereits einen MP3-Spieler, ein Mobiltelefon oder einen PDA mit Erweiterungssteckplatz haben, sollte Ihre Kamera das gleiche Speichermedium nutzen. Das verringert Folgekosten.
  • Nachteulen und Co. Für Nachteulen sind ein Autofokus mit Hilfslicht und ein Steckschuh für den externen Blitz wichtig, der Botaniker braucht eine Makrofunktion für extreme Nähe, der Urlaubsfotograf freut sich vielleicht über eine Panoramafunktion: Damit lässt sich anhand des Monitorbilds der Kamera ein Bild exakt an das andere fügen.
  • Zubehör. Das Angebot ist reichhaltig. Doch nicht für jede Kamera ist alles zu haben. Darum: Auch hier muss die Entscheidung vor dem Kauf fallen. Beispiel: Ein Stativ ist gut für Fotos mit langer Belichtungszeit, langer Brennweite und aus Einzelbildern montierte Panoramafotos, ein Unterwassergehäuse dagegen vielleicht verzichtbar, auch wenns auf der jüngsten Photokina ein Renner war.

Billig heißt nicht immer preiswert

Fotografieren können alle Kameras. Doch wer ganz billig kauft, muss Nachteile in Kauf nehmen. Das muss zwar nicht jeden stören, kann aber im Alltag ganz schön nerven:

  • Lange Anschaltzeit. Bis die Kamera aufnahmebereit ist, vergehen oft viele Sekunden.
  • Lange Auslöseverzögerung. Nach Druck auf den Auslöser verstreichen oft mehrere Sekunden bis das Foto geschossen ist. Schnappschüsse sind so unmöglich.
  • Lange Pausen. Langsame Software in den Kameras blockiert sie mehrere Sekunden, bevor das nächste Foto möglich ist.
  • Geringe Empfindlichkeit. Flexibler sind Kameras mit einem großen Belichtungsspielraum, auch wenn etwa bei ISO 800 das Farbrauschen (vergleichbar dem körnigen Bild hoch empfindlicher Filme) bei schlechten Kameras zu- und die Farbtreue abnimmt.
  • Lahme Schnittstellen. Besonders hoch auflösende Kameras brauchen wegen ihrer großen Bilddaten eine Schnittstelle nach dem schnellen USB 2.0-Standard.
  • Schlechte Ausstattung. Speicherkarten mit zu geringer Kapazität. Bei einigen Modellen passt nicht mal ein einziges Bild in bester Qualität drauf. Ganz billige Kameras haben nur einen fest eingebauten Speicher und keinen Steckplatz für Erweiterungskarten. Ihnen fehlen oft auch Ladegerät und Akkus.

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