Digitale Fotodienste

Digitale Fotodienste: Knipsen, klicken, staunen

28.08.2003

Urlaubsfotos fürs Album sind beim digitalen Schnappschuss nur einen Mausklick weit entfernt. Ab 15 Cent gibt es gute Bilder aus dem Internet – oft besser als beim Händler um die Ecke. Doch das Drumherum ist nervig.

Inhalt

Neue Technik, neue Probleme: „Manche Kunden kommen mit ihrer Digitalkamera zu uns und fragen: 'Wo ist denn da der Film drin?'“, berichtet ein Fotohändler. „Manche schicken sogar die ganze Kamera ein.“ Im letzten Jahr wurden erstmals fast ebenso viele Digitalkameras verkauft wie herkömmliche Fotoapparate. Doch nach dem Druck auf den Auslöser beginnt für viele die Ratlosigkeit. Die Urlaubsfotos am Bildschirm ansehen? Einfach, auf Dauer aber öde. Selbst ausdrucken? Das ist teuer (Test Der beste Drucker für Sie). Da sind echte Fotos aus dem Labor etwas anderes.

Wie gut – zeigt unser Test von 15 Onlineanbietern von digitalen Abzügen, ergänzt durch eine Stichprobe von Fotohändlern in ganz Deutschland, die digitale Fotos selbst belichten. Ergebnis: Die besseren Bilder erhielten wir von den Onlineanbietern, und das zu einem oft guten Preis. Doch dafür mussten unsere Prüfer erst mühselig im Internet Bildda­ten hochladen. Was danach an Fotos im Briefkasten landete, brachte unsere Gutachter aber zum Staunen: „Die digitalen Abzüge sind viel besser als früher“, fasste unser Fotografie-Experte zusammen. „Die besten Fotos im Test erreichen die Qualität eines Abzugs aus dem Fachlabor – und der kostet ein Vielfaches. “

Harte Maßstäbe

Es war ein echter Bildermarathon für die Gutachter: Bei jedem der 15 Onlineanbieter im Test hatten wir fünfmal die gleichen Fotos bestellt, jeweils acht an der Zahl, vom Blumenmotiv über ein Stadtpanorama bis zum standardisierten Prüffoto mit Farbskalen und Grautönen. Insgesamt 600 Fotos. Nach zwei Tagen Abmusterung unter normiertem Licht stand fest: An sechs Anbietern hatten wir in puncto Bildqualität kaum etwas auszusetzen: T-Online, Bilderservice.de, kd, Schlecker, dm und Photo-Dose waren „gut“. Die 10-mal-15-Zentimeter-Abzüge wiesen bei Preisen von 15 Cent (Schlecker, dm) bis 39 Cent (Bilderservice.de) pro Stück meist eine Qualität auf, die auch professionellen Standards genügt. Fast gleichauf war das Netzwerk der Agfa-Händler Agfanet mit einem guten „Befriedigend“ (Abzüge ab 29 Cent). Abgeschlagen dagegen Kodak (59 Cent), Fujicolor (29 Cent) und Rossmann (18 Cent) mit „ausreichender“ Bildqualität. Die gleiche Note hätten im Schnitt auch die 44 Fotohändler bekommen, die für uns Bilder entwickelten. In diesen Fällen traten häufiger als bei anderen Farbverfälschungen auf. Für den Laien nicht leicht zu erkennen, kippte mal ein Blumenstrauß ins Grünliche weg, mal waren Hautfarben unnatürlich.

Abgehängt

Wie schaffen es T-Online und Drogeriemärkte, Fotoriesen wie Kodak und Fujicolor abzuhängen? Die Antwort für deren „gute“ Bildqualität ergab sich aus den Briefumschlägen, in denen die bestellten Fotos steckten: Alle bis auf Bilderservice.de trugen den Stempel des Großlabors CeWe. Das ist einer der Großen auf dem deutschen Markt. Steht das gleiche Labor im Hintergrund, wundert die gleich bleibende Qualität nicht mehr.

Zum Teil kommen Unterschiede in der Bildqualität so zustande: Vor dem Abzug werden Bilder elektronisch analysiert und aufbereitet – flaue Aufnahmen so farbiger, unscharfe schärfer gemacht. Dabei tragen manche Anbieter dick auf. Ärgerlich kann das vor allem sein, wenn man künstlerische Fotos entwickeln lässt, die bewusst Unschärfen enthalten oder dunkel gehalten sind. Mit etwas Pech wird die Kunst wegoptimiert.

Eine Frage des Formats

Natürlich – Spitzenqualität kann es nur geben, wenn die Bilddaten das auch hergeben. Ist die Auflösung zu gering, sieht man bei größeren Abzügen schnell die Pixelung. Weiteres Problem: Traditionell haben Papierbilder ein Seitenverhältnis von zwei zu drei, wie etwa beim Format 10 mal 15. Digitalkameras nehmen dagegen meist im Seitenverhältnis drei zu vier auf, der Bildschirm lässt grüßen. Vielfach muss man bei Abzügen im Standardformat deshalb wählen zwischen weißen Streifen links und rechts oder abgeschnittenen Bildteilen oben und unten. Bei manchem Gruppenbild führte das schon zu einer kopflosen Gesellschaft.

Einige Anbieter sind aber dabei, sich ans digitale Format anzupassen. Als wir etwa bei Schlecker eine digitale Bilddatei im Format drei zu vier hochluden und bei der Bestellung 10 mal 15 anklickten, bekamen wir den Abzug im Format 10 mal 13. Zwei Zentimeter weniger Bild – nicht weil Gauner am Werk waren, sondern weil so das ganze Bild aufs Fotopapier passt. Unverständlich allerdings, dass klare Hinweise auf der Webseite fehlen.

Achillesferse

Auch andere wichtige Informationen fehlen bei der Onlinebestellung, etwa zu Reklamationen. Wesentliche Infos finden sich meist nur verklausuliert in den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Da sind Onlinehändler anderer Branchen schon viel weiter. Die Webseite ist die Achillesferse der meisten Online-Fotodienste und ein Grund für bestenfalls „befriedigende“ Gesamtno­ten. Auch Datenschutz ist ein Fremdwort für viele: Es bleibt unklar, ob persönliche Daten zu Werbezwecken weitergegeben werden, einmal eingegebene Daten lassen sich nicht mehr löschen, Passwörter werden oft unverschlüsselt per E-Mail geschickt. Noch nervender im Gebrauch: Die Webseiten funktionieren zwar, doch für ungeübte Nutzer kann die Bestellung zum Spießrutenlauf werden. Man wird kaum geführt. Nur bei Bilderservice.de und Agfa konnten wir sagen: Handhabung „gut“. Praktisch bei Bilderservice.de auch die Funktion des Fotoalbums. Der Nutzer kann seine Bilder abspeichern, sie später nachbestellen oder Freunden zugänglich machen. Solche Alben bieten zwar auch andere an, die aber wegen Beschränkungen oder technischer Mängel nicht überzeugen.

Das Hochladen der Dateien ging bei Agfanet am schnellsten, dicht gefolgt vom Internet Print Service von Quelle und Karstadt. In wenigen Minuten waren mit der Agfa-Software zehn Megabyte mit DSL- oder ISDN-Anschluss übertragen, das entspricht zehn Fotos in guter Auflösung. Andere Anbieter brauchten deutlich länger: Bei fotoservice.de, Klick-Bilderbox, dm und T-Online hatten wir auch unter den optimalen Testbedingungen mit Übertragungsproblemen zu kämpfen. Und wer nur ein einfaches analoges Modem sein Eigen nennt, loggt sich entweder mit einer halben Stunde Zeit bei den beiden schnellsten ein oder wappnet sich mit Geduld – bei allen anderen Anbietern dauerte es mit dem Modem eine Stunde und mehr, bis die Bilder durch die Leitung waren.

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