Digital Rights Management Meldung

Digitale Daten haben die geniale Eigenschaft, dass ihre Vervielfältigung verlustfrei ist. Hinzu kommt: Komprimierungsverfahren wie MP3 und MPEG reduzieren die Dateigröße von Musik-CDs oder Film-DVDs erheblich. Dadurch können Musikläden und Filmportale ihre Produkte bequem über das Internet vertreiben. Allerdings können auch die Käufer die Dateien bequem weitergeben. Damit Kunden die gekauften Songs und Filme nicht beliebig oft an Dritte liefern, hat die Industrie das Digital Rights Management (DRM, Digitale Rechteverwaltung) erfunden. Wer etwa einen Song bei iTunes oder Musicload kauft, darf diesen nur in begrenzter Anzahl kopieren. test.de sagt, wie DRM funktioniert, wo die Probleme liegen und was die Alternativen sind.

Von PDF bis MPEG

Digitale Rechteverwaltung setzen Firmen in unterschiedlichsten Bereichen und in unterschiedlicher Weise ein, um ihre Produkte vor Vervielfältigung zu schützen. So kann zum Beispiel der Rechteinhaber eines PDF-Dokuments die Nutzung so einschränken, dass sich der Text nur lesen, aber nicht drucken oder speichern lässt. Online-Videotheken verpassen den Filmen ein Verfallsdatum, sodass Surfer den Film nur innerhalb von 24 Stunden nach dem Download anschauen können. Bei Musikläden im Internet ist das DRM Standard. Wer sich dort Songs kauft, erwirbt nur eingeschränkte Rechte. So dürfen Nutzer die erworbene Datei häufig nicht mehr als drei Mal kopieren.

  • Tipp. Achten Sie gerade beim Kauf von Musik- oder Videodateien darauf, ob deren Verwendung durch DRM eingeschränkt ist.

Fairplay gegen Windows-DRM

DRM-Bestimmungen sind je nach Musikportal unterschiedlich. Es lassen sich allerdings zwei Prinzipien in der technischen Umsetzung unterscheiden. Apple verwendet in seinem Online-Shop iTunes das DRM-System Fairplay, Musikportale wie etwa Musicload benutzen das DRM-System von Microsoft. Das bedeutet zunächst, dass bei iTunes gekaufte Songs nur auf Rechnern oder MP3-Playern abspielbar sind, auf denen iTunes installiert ist. Umgekehrt laufen bei Musicload und anderen Portalen gekaufte WMA-Dateien nur auf Rechnern, die den Windows-Media-Player installiert haben. Sony geht noch einen anderen Weg. Wer bei Sonys Portal Connect einkauft, kann die Lieder nur mit der Software SonicStage im Atrac-Format downloaden und hören.

  • Tipp. Wenn Sie sich einen MP3-Player kaufen, entscheiden Sie sich letztlich auch für das entsprechende Musikportal. Es sollte Ihnen also etwa beim Kauf eines iPods klar sein, dass Sie Musik dann auch nur bei iTunes kaufen können.

Rechte für Brennen und Kopieren

iTunes-Songs sind an der Endung m4p zu erkennen. Kodiert sind sie mit AAC. Heruntergeladene Songs von Windows-Plattformen wie Musicload & Co haben hingegen das WMA-Format. Was das für die Nutzungsrechte bedeutet, wissen viele Käufer nicht. In der Datei stecken nämlich Informationen darüber, wie oft der Song als Audio-CD gebrannt, auf einen anderen Rechner kopiert und einen MP3-Player überspielt werden kann. iTunes erlaubt unbegrenztes Brennen auf Audio-CD und Überspielen auf den iPod. Die Nutzung auf mehreren Apple-Rechnern ist dagegen eingeschränkt. Maximal fünf Rechner spielen die gekaufte AAC-Datei ab. Welche Rechner das sind, entscheidet der Käufer selbst. Er kann Rechner autorisieren und deautorisieren. Es dürfen eben nur nicht mehr als fünf Rechner gleichzeitig sein. Das geht bei den Windows-DRM-Systemen nicht. Musicload vergibt zwar Linzenzen für drei PCs, doch diese lassen sich im Nachhinein nicht ändern.

  • Tipp. Beim Kauf von WMA-Dateien mit Rechteschutz sollten Sie sich gut überlegen, auf welche PCs Sie die Musik kopieren, da Sie in der Regel nur drei Lizenzen erwerben.

Lizenz zum Kopieren

Digitale Rechteverwaltung lässt sich so nur mit Hilfe des Internet umsetzen. Beispiel: Musikfans gehen online, um den Song „Feel“ von Robbie Williams zu kaufen. Die Datei, die sie nach dem Bezahlvorgang herunterladen, ist speziell für sie konfiguriert. Das heißt im Falle iTunes: Zu den Songdaten von Feel packt ein Server weitere Informationen über den Käufer und dessen iTunes-Software. Die Datei weiß dann, zu welchen Apple-Rechnern sie gehört und läuft auch nur dort. Bei Musicload funktioniert das DRM-System etwas anders. Mit dem Song wird eine weitere Datei als Schlüssel mitgeliefert. Dieses Pärchen gehört von nun an immer zusammen. Sobald die Datei auf einen neuen Rechner gelangt, muss sich das Pärchen erst beim Server von Musicload legitimieren, sodass „Feel“ abgespielt werden kann. Bei der vierten Lizenzanfrage ist allerdings Schluss. Lizenzen kann der Käufer auch nicht mehr tauschen.

  • Tipp. Sie können die Dateien nicht einfach per Drag & Drop im Explorer kopieren. Erst mit den entsprechenden Programmen wie Windows Media Player, Musicload Manager oder iTunes wird auch die Lizenz mitgegeben.

Gefangen im Rechner

Der Vorteil von Apples Fairplay ist klar: Der Käufer erwirbt sich die Rechte an heruntergeladenen Songs, die Apple zentral auf einem Server sammelt, und die der Nutzer dort einsehen und für seine fünf Rechner verwalten kann. Das ist der Nachteil von Windows-DRM-Systemen: Die Lizenzen werden unwiderruflich vergeben. Wer sich also ein Musikarchiv aus gekauften WMA-Dateien anlegt und sich irgendwann einen neuen PC zulegt, kann die Songs auf diesem nicht mehr hören, wenn sie zuvor bereits drei Mal abgespeichert waren. Ähnliche Probleme können auftauchen, wenn der Nutzer sein Windows-Betriebssystem aktualisiert. Da sich die DRM-Informationen der WMA-Dateien aus Daten des Windows-Betriebssystems und des Windows-Media-Players zusammensetzen, können kleinste Änderungen zur Nichtabspielbarkeit führen.

  • Tipp. Sie können über eine Funktion im Windows Media Player die Dateien mit Lizenz sichern, bevor Sie ein neues Betriebssystem installieren. Allerdings ist nicht garantiert, dass die Musik dann wieder problemlos läuft.

Musik ohne DRM

Wer solche Schwierigkeiten umgehen will, archiviert am besten seine Lieblingssongs in komprimierter Form wie etwa MP3 ohne DRM-Einschränkungen. Das würde bedeuten, dass der Musikfan eigene CDs rippt - also in den Recher schiebt und komprimiert. Dadurch kann er über seine Musikdateien frei verfügen, solange er nicht gegen das Urheberrechtsgesetz verstößt. Die andere Möglichkeit ist der Kauf von MP3s etwa bei Finetunes. Dieses Portal bietet ungeschützte MP3s an, die keine DRM-Einschränkungen haben und sogar in einer sehr guten Qualität (192 Kilobyte pro Sekunde) komprimiert sind. Allerdings ist das Musikangebot kleiner als bei Musicload, iTunes und anderen.

  • Tipp. Wenn Sie sich ein komplettes Album online kaufen wollen, lohnt es sich möglicherweise zunächst die CD im Laden zu erwerben und diese dann auf dem Computer zu rippen. Denn ein Album kostet zum Beispiel bei iTunes auch schon knapp 10 Euro. Somit haben ihre MP3s keine DRM-Einschränkung.

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