Dienst­wagen Wie Sie die private Nutzung am besten versteuern

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Dienst­wagen - Wie Sie die private Nutzung am besten versteuern
Dienst­wagen. Für viele Besserverdiener attraktiver als ein höheres Gehalt. © Getty Images / Aleksandar Nakic

Ein Dienst­wagen ist für Angestellte ein interes­santes Gehalts­extra mit finanziellen Vorteilen. Wer das Firmen­auto auch privat nutzt, muss dafür Steuern zahlen. Diese Regeln gelten.

Lesen Sie auf dieser Seite:

Das Wichtigste in Kürze

Das müssen Sie beim Dienst­wagen beachten

Entscheiden.
Nutzen Sie Ihren Dienst­wagen auch privat, müssen Sie dies als sogenannten geld­werten Vorteil versteuern. Die meisten Betriebe wählen dafür die 1-Prozent-Regelung. Nutzen Sie das Auto nur selten privat, kann sich ein Fahrten­buch lohnen. Das müssen Sie vorher mit Ihrem Chef absprechen. Haben Sie trotz der Pauschal­regelung ein Fahrten­buch geführt, können Sie auch rück­wirkend diese Methode wählen.
Planen.
Wollen Sie Ihren Firmenwagen nur dienst­lich fahren, sollte Ihr Arbeits­vertrag private Nutzung ausschließen. Dann müssen Sie keinen geld­werten Vorteil versteuern.
Eintragen.
Zum Ausgleich für die Versteuerung des geld­werten Vorteils dürfen Sie Fahrten zwischen Wohnung und Arbeits­platz mit der Entfernungs­pauschale als Werbungs­kosten absetzen.
Steuererklärung.
Hilfe für die Steuererklärung 2020/2021 (für Arbeitnehmer, Beamte) bietet Ihnen unser Buch Steuererklärung 2020/2021 (mit Leitfaden für Elster).

Geld­werter Vorteil muss versteuert werden

Normaler­weise dürfen Angestellte den Dienst­wagen auch für den Arbeitsweg sowie für Privatfahrten nutzen und können sich so den Kauf eines eigenen Autos sparen. Auch Inspektionen, Reparaturen und Sprit­kosten trägt meist der Chef. Viele Mitarbeiter können dadurch ein hoch­preisiges Modell fahren. Der Vorteil durch die private Nutzung heißt geld­werter Vorteil. Ihn müssen Angestellte als Arbeits­lohn versteuern und dafür Sozial­abgaben abführen. Schon während des Jahres zieht der Betrieb Lohn­steuer ab.

Konditionen rund um den Firmenwagen aushandeln

Einen Anspruch auf einen Firmenwagen hat niemand, doch begehrte Fach- und Führungs­kräfte haben gute Karten, um im Gehalts­poker nicht nur den Wagen selbst, sondern auch eine Sonder­ausstattung und die Erlaubnis zur privaten Nutzung auszuhandeln. Was den Fahr­zeug­typ betrifft, haben die meisten Arbeit­geber klare Vorstel­lungen. Auf den verschiedenen Führungs­ebenen werden unterschiedliche Wagen gefahren – meist handelt es sich zumindest um Mittel­klassemodelle. Ein Argument für ein Elektro- oder Hybridfahr­zeug als Dienst­wagen: Auf bafa.de kann der Chef für die Anschaffung – je nach Nettolisten­preis – einen Umwelt­bonus von bis zu 6 000 Euro beantragen.

Betriebs­ausgaben für Selbst­ständige

Wer sein eigener Chef ist, muss sich darum nicht sorgen – er darf alles fahren, was sein Betrieb finanzieren kann. Aber auch Selbst­ständige müssen Steuern zahlen, wenn sie ihr Auto privat nutzen. Diese ermitteln sie im Prinzip wie Arbeitnehmer. Im Gegen­zug können sie sämtliche Ausgaben für den Firmenwagen als Betriebs­ausgaben geltend machen.

Probleme mit dem Fiskus gibt es nur in Extremfällen, wenn etwa ein Tier­arzt betrieblich einen Ferrari fährt, damit für den Betrieb jedoch nur wenige Kilo­meter zurück­legt (BFH, Az. VIII R 20/12). Jeder Unternehmer, der Umsatz­steuer zahlt, kann sich außerdem vom Finanz­amt die Mehr­wert­steuer erstatten lassen, die auf Benzin, Leasingraten und Reparaturen fällig wird.

Fahrten­buch oder Pauschal­methode

Der geld­werte Vorteil eines Firmenwagens – im Fachjargon als „Nutzungs­wert“ bezeichnet – lässt sich auf zwei Arten ermitteln: nach der Pauschal­methode, auch 1-Prozent-Regelung genannt, oder per Einzeln­achweis. Um dem Finanz­amt diesen Nach­weis zu liefern, muss der Nutzer jedoch ein Fahrten­buch führen. Arbeit­geber und Mitarbeiter legen jeweils zu Jahres­beginn gemein­sam fest, nach welcher Methode sie den Nutzungs­wert ermitteln wollen. Ein Wechsel für dasselbe Fahr­zeug mitten im Jahr ist nicht möglich (BFH, Az. VI R 35/12).

Steuererklärung: Wechsel zum Einzeln­achweis

Stellt ein Arbeitnehmer fest, dass die pauschale Versteuerung nach­teilig war, kann er mit der Steuererklärung zum Einzeln­achweis wechseln – sofern er ein Fahrten­buch geführt hat. Dann zieht er vom Brutto­verdienst den ermittelten geld­werten Vorteil ab und ersetzt ihn durch den Wert aus dem Fahrten­buch. Sein Vorgehen erläutert er auf einem Beiblatt.

Wem das zu umständlich ist, der kann wenigs­tens den geld­werten Vorteil für seine Fahrten zur Arbeit korrigieren – das lohnt sich, wenn er den Wagen an weniger als 15 Tagen im Monat dafür genutzt hat: Statt 0,03 Prozent vom Listen­preis werden dann pro Fahrt und Entfernungs­kilometer nur 0,002 Prozent angesetzt.

Schon die Möglich­keit reicht

Nichts versteuern muss nur, wer laut Vertrag oder Betriebs­ver­einbarung das Auto nicht privat nutzen darf. Umge­kehrt fallen schon Steuern an, wenn die Möglich­keit einer Privatnut­zung besteht. Wer geltend machen will, dass er das Auto nur dienst­lich fährt, muss das per Fahrten­buch belegen (BFH, Az. VI R 39/13).

1-Prozent-Methode gängige Praxis

In der Praxis kommt meist die 1-Prozent-Regel zum Einsatz: Der Betrieb schlägt bei der monatlichen Gehalts­abrechnung jeweils 1 Prozent vom Brutto-Listen­preis des Autos dem steuer- und sozial­versicherungs­pflichtigen Verdienst zu. Für umwelt­freundliche Kfz gibt es einen Steuerrabatt (siehe unten). Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit kommen pro Monat je Entfernungs­kilometer 0,03 Prozent des Listen­preises hinzu.

Rechenbei­spiel (Verbrennungs­motor)

Bei einem Listen­preis von 33 000 Euro und einem Arbeitsweg von 25 Entfernungs­kilometern erhöht sich der steuer- und sozial­versicherungs­pflichtige Arbeits­lohn des Mitarbeiters pro Monat um fast 580 Euro.

Kfz mit Verbrennungs­motor: 1-Prozent-Regel

Bruttolisten­preis (abge­rundet auf volle 100 Euro)

33 000,00 Euro

Private Nutzung (1 Prozent)

330,00 Euro

Arbeitsweg (0,03 % x 25 km)

247,50 Euro

Geld­werter Vorteil pro Monat

577,50 Euro

Steuer­vorteil für Elektrofahr­zeuge

Wer ein ab 2019 angeschafftes E-Auto als Firmenwagen auch privat ­nutzen darf, muss dank einer Sonder­regelung seit 1. Januar 2020 monatlich statt 0,5 Prozent nur noch 0,25 Prozent des Bruttolisten­preises als geld­werten Vorteil – auch Nutzungs­wert genannt – versteuern. Das gilt bis Ende 2030 – auch für Elektroroller, E-Scooter, E-Bikes sowie S-Pedelecs, die als Kraft­fahr­zeuge gelten. Weitere Infos finden Sie in unserem Dienstrad-Special.

Preis­grenze. Damit Sie von der Sonder­regelung profitieren, darf Ihr E-Auto nicht zu teuer sein. Mit dem zweiten Corona-Steuer­hilfe­gesetz vom 29.6.2020 stieg der Grenz­wert rück­wirkend zum Jahres­beginn von 40 000 auf 60 000 Euro.

Vorsicht: Der Listen­preis lässt sich nicht unter diese Grenze drücken, indem Sie die Umwelt­prämie gegen­rechnen. Fahren Sie über die Firma ein teureres oder bereits 2018 angeschafftes Elektro-, Hybrid- oder Brenn­stoff­zellenfahr­zeug, müssen Sie für 2020 monatlich 0,5 Prozent des Listen­preises als geld­werten Vorteil versteuern.

Rechenbei­spiel (Elektromotor)

Das E-Auto in unserem Beispiel kostet neu 43 000 Euro. Weil E-Autos gegen­über Kfz mit Verbrennungs­motor einen Steuer­vorteil haben, beträgt der zusätzliche geld­werte Vorteil bei einem Arbeitsweg von 25 Entfernungs­kilometern nur 430 Euro.

Geld­werter Vorteil E-Auto: 1 Prozent vom Viertel des Brutto-Neupreises

Bruttolisten­preis (abge­rundet auf volle 100 Euro)

43 000,00 Euro

Private Nutzung (0,25  Prozent)

107,50 Euro

Arbeitsweg (0,03 % x 25 km)

80,50 Euro*

Geld­werter Vorteil pro Monat

188,00 Euro

*Korrigiert am 27.10.2021

Bonus für ältere Hybrid- und Elektrofahr­zeuge

Bei vor 2019 angeschafften oder geleasten Elektro- und Hybrid­autos lassen sich die Kosten für das Batterie­system aus dem Listen­preis heraus­rechnen – bis zu 7 500 Euro. Das gilt seit Anfang 2018 auch für Brenn­stoff­zellenfahr­zeuge (BMF-Schreiben vom 24.1.2018, Brenn­stoff­zellenfahr­zeug).

Geld­werter Vorteil im Arbeits­lohn enthalten

Bei der Steuererklärung wartet keine zusätzliche Arbeit: Der geld­werte Vorteil ist im Arbeits­lohn enthalten und wird mit diesem als Ganzes in die Anlage N einge­tragen. Für das Finanz­amt ist bei der 1-Prozent-Regelung stets der volle Monats­betrag maßgeblich, auch wenn die Steuerzah­lerin das Auto nach­weislich nur an wenigen Tagen privat genutzt hat (Finanzge­richt Baden-Württem­berg, Az. 6 K 2540/14).

Lade­strom

Stellt die Firma Ihnen zu Hause zum Laden eine Wallbox zur Verfügung oder erstattet sie Investitions­kosten, darf sie den geld­werten Vorteil pauschal mit 25 Prozent Lohn­steuer abgelten.

Listen­preis gilt

Auch wenn die Firma nur einen Gebraucht­wagen stellt, gilt der Listen­preis für ein Neufahr­zeug. Daran ändert selbst ein vom Händler gewährter Rabatt auf den Kauf­preis nichts. Kosten für Sonder­ausstattung und Extras werden aufgeschlagen, wenn das Fahr­zeug bei Erst­zulassung darüber verfügt. Werden die Extras später einge­baut, zählen diese für die Steuer nicht mit (BFH, Az. VI R 12/09).

Mit dem Dienst­wagen zur Arbeit

Wer zwar keine Privatfahrten unternehmen darf, aber – neben beruflichen Fahrten – mit dem Dienst­wagen zur Arbeit fährt, ist von der 1-Prozent-Regelung nicht betroffen. Für den Arbeitsweg muss er sich jedoch pro Entfernungs­kilometer 0,03 Prozent des Listen­preises aufs Gehalt aufschlagen lassen.

Immerhin können Arbeitnehmer in ihrer Steuererklärung für die Fahrten zwischen Wohnung und erster ­Tätig­keits­stätte eine nach­trägliche Vergüns­tigung einfordern. Der anteilige geld­werte Vorteil wird dann auf Basis der tatsäch­lichen Fahrten mit nur 0,002 Prozent des Listen­preises besteuert (BMF-Schreiben vom 4.4.2018, Betriebliches Kraft­fahr­zeug). Das ergibt Sinn, wenn Sie weniger als 15 Tage im Monat oder weniger als 180 Tage im Jahr ins Büro gefahren sind.

Wichtige Tipps

  • Listen Sie in Ihrer Steuer­abrechnung auf, an welchen Tagen Sie im jeweiligen Steuer­jahr in die Firma gefahren sind, und weisen Sie nach, dass Ihr Arbeit­geber diese Fahrten nach der ungüns­tigeren Pauschal­methode mit 0,03 Prozent des Listen­preises versteuert hat.
  • Die Neuabrechnung ist nur für das Gesamt­jahr möglich, nicht für einzelne Monate (Verfügung des Landes­amts für Steuern, Nieder­sachsen vom 18.6.2020, Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätig­keits­stätte).
  • Auch Fahrer eines Dienst­wagens können Kosten für den Arbeitsweg via Entfernungs­pauschale als Werbungskosten geltend machen, allerdings erst mit der Steuererklärung. Eine sofortige Verrechnung mit dem Nutzungs­wert ist nicht möglich.

Keine Werbungs­kosten bei Dienst­reisen

Fahrten zu weiteren Arbeits­stätten im Rahmen einer Auswärts­tätig­keit gelten dagegen als Dienst­reisen. Für sie ist weder ein Nutzungs­wert zu versteuern, noch lassen sich Werbungs­kosten geltend machen.

Einzeln­achweis per Fahrten­buch

Wer seinen Dienst­wagen nur selten privat fährt, ist eventuell mit einem Fahrten­buch besser dran. Jede Fahrt einzeln darin einzutragen, ist zwar deutlich aufwendiger als die 1-Prozent-Methode – dafür aber genauer.

Fahrten­buch für Wenigfahrer lohnend

Welche Versteuerung güns­tiger ist, ist immer individuell zu ermitteln. Eine Faustformel gibt es nicht – Anhalts­punkte schon. Ein Fahrten­buch lohnt sich umso eher, je weniger man den Wagen privat nutzt und je weniger man insgesamt fährt. Auch wer ein gebrauchtes oder bereits abge­schriebenes Auto fährt, profitiert von einem Fahrten­buch. Der Chef muss jedoch nicht auf Basis eines Fahrten­buchs abrechnen. Tut er das nicht, muss der Arbeitnehmer den geld­werten Vorteil in der Steuererklärung selbst korrigieren.

Tipp: Alles Infos rund um Ihre Steuererklärung auf unserer Themenseite Steuererklärung.

Berechnung deutlich aufwendiger

Auch bei der Versteuerung nach Fahrten­buch muss der Arbeit­geber bereits im Lauf des Jahres Lohn­steuer für den geld­werten Vorteil abziehen. Der steuer­pflichtige Nutzungs­wert berechnet sich hier auf Grund­lage der Gesamt­kosten eines Fahr­zeugs. Er entspricht dem Anteil der privat sowie zwischen Wohnung und Arbeit gefahrenen Kilo­meter an der gesamten Fahr­leistung.

Arbeit­geber veranschlagt zunächst vorläufige Werte

Weil es im ersten Jahr noch keine Erfahrungs­werte gibt, berechnet der Arbeit­geber vorläufige Werte. Dafür versteuert er jeden gefahrenen Kilo­meter mit 0,001 Prozent des Listen­preises. Ab dem Folge­jahr setzt er den monatlichen Nutzungs­wert zunächst vorläufig an – mit einem Zwölftel des Vorjahres­betrags. Am Ende des Jahres muss der Arbeit­geber anhand des voll­ständigen Fahrten­buchs das ganze Jahr neu rechnen und Differenzen nach­versteuern.

Nach­weis über Gesamt­kosten erforderlich

Für ihre Steuererklärung benötigen Angestellte vom Arbeit­geber einen Nach­weis über die Gesamt­kosten. Dazu gehören Abschreibung (AfA), Leasingraten und Kosten für Benzin, Öl, Reifen, Inspektionen und Reparaturen – jeweils inklusive Mehr­wert­steuer. Hinzu kommen Ausgaben für Kfz-Steuer, Auto­versicherung, Garage oder Stell­platz. Nicht dazu zählen unter anderem Beiträge für Insassen- und Unfall­versicherung. Maut- und Park­platz­gebühren werden gesondert mit dem Chef abge­rechnet, Bußgelder zahlt in der Regel der Arbeitnehmer.

Vorsicht, Betriebs­prüfung!

Beim Fahrten­buch schaut das Finanz­amt genau hin. Es muss fort­laufend geführt werden und voll­ständig sein. Nur einen repräsentativen Zeitraum einzutragen, reicht nicht aus. Zudem sind Fahrten zeit­nah zu notieren. Ungemach droht insbesondere, wenn sich die Betriebs­prüfung mit Fahrtenbüchern befasst. Erfahrene Prüfer wissen genau, wo sie den Hebel ansetzen müssen. Nach­trägliche Vermerke „am Stück“ akzeptieren sie ebenso wenig wie eine Zettel­samm­lung. Sie gleichen Benzinquittungen und Inspektions­rechnungen mit den Eintragungen im Fahrten­buch ab. Fehlen Eintragungen zu Werk­statt- oder Tank­fahrten oder stimmt der vom Tüv bescheinigte Kilo­meter­stand nicht mit den Aufzeichnungen über­ein, können die Beamten das Fahrten­buch verwerfen.

Nach­forderungen möglich

Bei groben Mängeln versteuert das Finanz­amt das Auto nach der 1-Prozent-Methode. Das kann zu Nach­forderungen an Lohn­steuer und Sozial­abgaben führen, die nicht alle Arbeit­geber über­nehmen. Das Schätzen des privaten Nutzungs­anteils anhand der Angaben im Fahrten­buch ist nicht möglich.

Fahrten­buch richtig führen

Ordnungs­gemäß.
Ein Fahrten­buch muss Mindest­anforderungen an die Form erfüllen. So ist es in gebundener oder zumindest geschlossener Form zu führen. Eine Samm­lung loser hand­schriftlicher Notizen genügt nicht – selbst wenn diese lückenlos ist und im Nach­hinein daraus ein Fahrten­buch erstellt wird. Fahrtenbücher gibt es im Schreibwaren­handel zu kaufen.
Elektronisch.
Fahrtenbücher dürfen elektronisch geführt werden, etwa per Smartphone-App. Eine nach­trägliche Änderung der Daten muss jedoch tech­nisch ausgeschlossen sein – oder zumindest in einer Extradatei dokumentiert werden. Eine Excel-Liste oder besprochene Kassetten scheiden aus (Finanzge­richt Köln, Az. 10 K 33/15).
Zeit­nah.
Tragen Sie jede Fahrt unmittel­bar nach Abschluss ein. Vermeiden Sie unbe­dingt nach­trägliche Vermerke „am Stück“. Das erregt nicht nur äußerlich das Miss­trauen des Finanz­amtes. Die Beamten kommen mithilfe statistischer Methoden auch erfundenen Kilo­meter­angaben auf die Spur.
Detailliert.
Bei beruflich veranlassten Fahrten vermerken Sie Datum, Ziel, Zweck, Kilo­meter­stand zu Beginn und Ende der Fahrt sowie die Namen der besuchten Kunden oder Geschäfts­partner. Bei größeren Umwegen interes­siert sich das Finanz­amt auch für die Reiseroute. Bei Privatfahrten reichen die gefahrenen Kilo­meter. Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeits­platz genügt ein Vermerk samt Angabe der gefahrenen Kilo­meter.
Voll­ständig.
Besuchen Sie auf einer Dienst­reise mehrere Kunden, tragen Sie diese chronologisch ein. Schieben Sie auf einer beruflichen eine private Fahrt ein, vermerken Sie diese gesondert und dokumentieren Sie den Kilo­meter­stand nach Fahrtende.
Ausführ­lich.
Geben Sie stets den beruflichen Grund Ihrer Fahrt mit dem Dienst­wagen an, etwa „Verkaufs­gespräch“. Es genügt nicht, lediglich allgemeine Angaben wie „Kunden­besuch“ zu machen. Aufgesuchte Kunden und Geschäfts­partner erwähnen Sie namentlich. Abkür­zungen für häufig besuchte Reiseziele und Geschäfts­partner sind nur dann erlaubt, wenn Sie diese auf einem beigefügten Blatt erläutern.

Tipps für den Dienst­wagen

Wenn der Arbeitnehmer zahlt

Müssen Sie Ihrem Arbeit­geber für den Dienst­wagen ein Nutzungs­entgelt zahlen? Dann verringert sich Ihr geld­werter Vorteil um diesen Betrag – egal ob das Entgelt pauschal oder kilo­meterbezogen ist oder ob Sie die Leasingrate zahlen. Dasselbe gilt, wenn Sie einen Zuschuss zu den Anschaffungs­kosten leisten – etwa für eine Sonder­ausstattung. Die Zuzahlung mindert im betreffenden Jahr den geld­werten Vorteil und damit den steuer- und abgaben­pflichtigen Arbeits­lohn. Genauso zählt eine Sonderzahlung für einen Leasingwagen.

Selbst getragene Kosten abziehen

Sie beteiligen sich an den Auto­kosten? Dann mindern Sie den geld­werten Vorteil in Ihrer Steuer­abrechnung um Ihre selbst getragene Kosten (BFH, Az. VI R 2/15). Ersterer lässt sich im Extremfall bis auf null drücken, aber nicht darunter (BFH, Az. VI R 49/14). Nicht abziehen können Sie Garagen­kosten (FG Münster, Az. 10 K 2990/17 E). Benzin­kosten weisen Sie mit Tank­quittungen oder Konto­auszügen nach. Notfalls schätzen Sie den ­Verbrauch anhand der Herstel­ler­angaben.

Steuerbonus für Lade­strom

Sie zapfen den Strom fürs E-Auto oder E-Bike an der Lade­station des Arbeit­gebers? Dann ist der Strom steuerfrei. Nutzen Sie auf eigene Kosten eine öffent­liche Lade­station, kann der Chef Ihnen gegen Nach­weis einen steuerfreien Auslagen­ersatz zahlen. Wenn Sie Ihr Fahr­zeug zu Hause laden, akzeptiert das Finanz­amt ­eine Auslagenpauschale:

  • Gibt es zusätzlich eine Lade­möglich­keit in der Firma, sind das monatlich 20 Euro (E-Auto) beziehungs­weise 10 Euro (Hybrid­auto).
  • Ohne Lade­möglich­keit in der Firma sind es 50 Euro für Elektro- und 25 Euro für Hybridfahr­zeuge.

Ab 2021 gelten höhere Pauschalen (BMF-Schreiben vom 29.9.2020, Elektromobilität).

Wichtig: Sind Ihre tatsäch­lichen Kosten höher, kann der Chef Ihnen diese gegen Nach­weis erstatten.

Entfernungs­pauschale geltend machen

Zum Ausgleich für die Versteuerung des geld­werten Vorteils für den Weg zu Ihrer ersten Arbeits­stätte machen Sie die Entfernungs­pauschale in Ihrer Steuererklärung geltend.

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39 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 01.11.2021 um 15:01 Uhr
Korrektur: Geld­werter Vorteil E-Auto

@fabian.kronner: Danke für Ihren Hinweis. Sie haben Recht. Der Steuervorteil von 1 Prozent vom Viertel des Brutto-Neupreises wirkt sich auch auf die Höhe der absetzbaren Kosten für den Weg zur Arbeit aus, die entsprechend geringer ausfallen. Wir haben die Darstellung im Beispielfalls korrigiert.

Profilbild Stiftung_Warentest am 01.11.2021 um 14:40 Uhr
Abzug selbst getragene Kosten

@neuigkeiten-infos: Den geldwerten Vorteil können Arbeitnehmende um selbst getragene Kosten für Benzin (bis auf Null) senken. Das geht mit den Benzinkosten und der Entfernungspauschale. Bei den Kosten für eine Garage kommt es darauf an, ob es sich bei der Unterbringung des Wagens in der Garage um freiwillige Leistungen des Arbeitnehmenden handelt oder ob es sich dabei um Aufwendungen handelt, die zur Erfüllung der arbeitsvertraglichen Klausel oder zur Inbetriebnahme des Fahrzeuges notwendig sind (siehe FG Münster 10 K 2990/17 E sowie Finanztest Spezial Steuern 2021, Seite 47).

Profilbild Stiftung_Warentest am 01.11.2021 um 14:39 Uhr
Abzug Leasingrate+ Gehaltsumwandlung

@neuigkeiten-infos: Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Arbeitgeber, Angestellte über ein "Nutzungsentgelt" an der Finanzierung des Dienstwagens zu beteiligen, z.B. durch einen Pauschalbetrag oder einzelne Kosten wie Kraftstoff etc.
Diese finanzielle Beteiligung kann entweder aus dem Nettoverdienst entnommen werden oder aus dem Brutto. Man spricht dann auch von "Gehaltsumwandlung unter Barlohnverzicht". Dazu muss in der Regel der Arbeitsvertrag geändert werden. Welche Variante zum Einsatz kommt, ist theoretisch Verhandlungssache, wird in der Praxis jedoch oft vom Arbeitgeber bestimmt. Bei Leasingmodellen ist Voraussetzung für die Gehaltsumwandlung, dass das Fahrzeug dem Arbeitgeber und nicht dem Angestellten zuzurechnen ist.
Sind vorstehende Voraussetzungen erfüllt, liegt bei der Gehaltsumwandlung ein Sachlohn in Form der Pkw-Gestellung vor. Zuzahlungen des Arbeitnehmers jeglicher Art mindern den Nutzungswert - also den vom Arbeitnehmer für die private Nutzung des Dienstwagens zu versteuernden geldwerten Vorteil. Bei Leasingmodellen ist häufig die Leasingrate höher als der Nutzungswert. Dieser wird in den meisten Fällen pauschal über die "Ein-Prozent-Regelung" (1 Prozent des Bruttolistenpreises werden monatlich zum Gehalt addiert und mitversteuert) ermittelt. In solchen Fällen lässt sich der Nutzungswert durch den Abzug der Leasingrate bis auf Null drücken - so dass im Endeffekt kein privater Nutzungsanteil mehr versteuert werden muss. Der BFH ( 15.1.2018, Az. VI B 77/17 und 30.11.2016, Az. IV R 49/14) hat jedoch klargestellt, dass der private Nutzungsanteil auch dann nicht zu negativem Arbeitslohn oder Werbungskosten führt, wenn die monatlichen Zuzahlungen des Arbeitnehmers den geldwerten Vorteil gemäß Pauschal- oder Fahrtenbuchmethode übersteigen. Er begründet dies u.a. damit, dass die Zuzahlung eben nicht geleistet wird, um eine Versteuerung des geldwerten Vorteils abzuwenden, sondern vielmehr gerade deshalb, um den Vorteil der privaten Nutzung überhaupt in Anspruch nehmen zu können.

neuigkeiten-infos am 26.10.2021 um 22:19 Uhr
Abzug von Zuzahlungen bei der Steuererklärung

Nachfrage zum Artikel:
Bedeutet das, dass die Tankkosten brutto von der 1%Regelung abgezogen werden können und man die Steuerlast durch die Steuererklärung verringern kann?
Beispiel:
Neupreis Auto 50.000 EUR
1% Versteuerung: 500 EUR (Ohne Kilometeraufschlag)
Bedeutet: Mein Sohn muss 500 EUR extra versteuern mit der Gehaltsabrechnung.
Wenn er jetzt zum Beispiel im Monat für 150 EUR tankt, 50 EUR für die Autowäsche bezahlt und für 100 EUR einen Parkplatz bei der Arbeit anmietet, bedeutet das, dass er die 300 EUR voll als Werbungskosten bei der Steuer ansetzen kann und dann nach der Steuererklärung effektiv nur 200 EUR zu versteuern hat?
Des Weiteren haben Sie geschrieben, dass bei einer Gehaltsumwandlung der Leasingrate (Sachlohn statt Barlohn) die Rate trotzdem über die Steuererklärung verrechnet werden darf. Ich habe ganz oft gelesen, dass es ausdrücklich verboten ist, da es schon aus dem Brutto abgezogen wurde und nicht aus dem Netto.

fabian.kronner am 03.08.2021 um 12:23 Uhr
Geldwerter Vorteil für Elektroautos

Nach meiner Recherche und Erfahrung ist Ihre Beispielrechnung für den Geldwerten Vorteil des Elektroautos falsch. Dies liegt vermutlich daran, dass sie abweichend vom Gesetzestext eine 0,25% Regelung anwenden, die es gar nicht gibt. Stattdessen wird die 1% Regelung auf einen Viertel des Bruttolistenpreises angerechnet. Konsequenterweise gilt dieser reduzierte Bruttolistenpreis dann auch für die Versteuerung des Wegs zur Arbeit. Dieser Beträgt in Ihrem Beispiel dann nur noch ca. € 80 pro Monat und nicht € 322,50.
Beste Grüße