Berufs­tätige, die ihre Dienst­reise mit einem Privatprogramm verknüpfen, können jetzt ihre Fahrt­kosten anteilig beim Finanz­amt geltend machen. Mit einem heute veröffent­lichten Grund­satz­urteil hat der Bundes­finanzhof das bisher geltende Aufteilungs- und Abzugs­verbot gekippt.

Dienst­reisen mit Privatprogramm

Arbeitnehmer und Selbst­ständige, können nach diesem Urteil ihre anteiligen beruflichen Reise­kosten als Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben aus den Gesamt­kosten raus­rechnen. Das Finanz­amt muss in ihrer Steuererklärung die anteiligen beruflichen Fahrt­kosten anerkennen, wenn sie eindeutig nach­weisen können, wie viel Zeit sie auf dieser Reise beruflich unterwegs waren. Bisher fielen die Fahrt­kosten für Dienst­reisen mit Privatteil voll­ständig unter den Tisch.

Finanz­amt muss anteilige Reise­kosten akzeptieren

Im strittigen Fall war ein EDV-Controller aus Nord­rhein-West­falen in die USA gereist. Von sieben Reis­etagen hatte er an vier Tagen die Computer­messe in Las Vegas besucht. Das Finanz­amt erkannte für die vier ­beruflichen Reis­etage Über­nachtungs­kosten, Verpflegungs­pauschalen und Tagungs­gebühren an. Nun muss das Finanz­amt nach aktuellem Beschluss des Großen Senats des Bundes­finanzhofs auch die anteiligen Flug­kosten des Spezialisten anerkennen. Die Richter haben entsprechend dem Verhältnis der beruflichen und privaten Reis­etage einschließ­lich der Flughafen­gebühr vier Siebtel seiner Flug­kosten anerkannt. Das bringt dem Mann 1850 Euro Werbungs­kosten­abzug.

Urteil erfasst auch gemischt genutzte Gegen­stände

Der Bundes­finanzhof kann dem Gesetz kein „Aufteilungs­verbot“ zwischen beruflich und privat veranlassten Ausgaben entnehmen, heißt es in der Begründung. Die Recht­sprechung ist auch auf andere Ausgaben anwend­bar etwa auf gemischt genutzte Gegen­stände wie es die Finanz­verwaltung zum Beispiel bei einem auch privat genutzten Computer schon zulässt. Allerdings klappt die Aufteilung sicher künftig nur, wenn sich die anteiligen beruflichen Kosten eindeutig nach­weisen lassen.

Wann anteilige Fahrt­kosten rück­wirkend erstattet werden

Steuerzahler, die auf Empfehlung des Sonder­heftes Steuern von Finanztest Einspruch gegen ihren Steuer­bescheid einge­legt haben, wenn das Finanz­amt die Aufteilung ihrer gemischten Fahrt­kosten abge­lehnt hat, können nun rück­wirkend Steuer­nach­lass erhalten. Das gilt für alle, wenn in diesem Punkt ihr Steuer­bescheid offen ist.

Tipp: In der Tabelle finden Sie alle Fahrt-, Verpflegungs- und Unter­kunfts­kosten, die Sie als Arbeitnehmer in Ihrer Steuererklärung 2009 ansetzen können. Dazu sollten Sie auch ihre anteiligen beruflichen Fahrt­kosten abrechnen, wenn sie zugleich privat unterwegs waren.

Bundes­finanzhof, Beschluss vom 21.09.2009
Aktenzeichen: VI R 94/01

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