Arbeitnehmer können sich von ihrem Chef ein Dienst­rad finanzieren lassen und privat nutzen. Das lohnt sich bei teuren Rädern.

Dienst­fahr­rad Special

Christian Wimmer (47) finanziert sein Mountain­bike über seine Firma und spart 594 Euro.

Zwei­tausend Kilo­meter fährt Christian Wimmer (47) jähr­lich mit dem Rad. Früher setzte er sich auf sein eigenes, seit einem Jahr bezwingt er am Wochen­ende die Alpen auf seinem Dienst­rad. Schon länger hatte er ein Auge auf ein neues, leichteres Mountain­bike geworfen. Doch der Kauf­preis von 2 700 Euro war ihm zu hoch.

Im Juni 2013 startete sein Arbeit­geber in Lands­hut ein Dienst­radprojekt. Möglich gemacht hat das Ende 2012 die steuerliche Gleich­stellung von Dienst­rad und Dienst­wagen (Schreiben des Bundes­finanz­ministeriums vom 23. November 2012).

Unternehmen wie Commerz­bank, IBM oder Weleda setzen auf Fahr­radleasing, ebenso Christian Wimmers Arbeit­geber, der Motoren- und Ventilatoren­hersteller ebm-papst in Lands­hut. Wimmer ist einer der 135 Mitarbeiter, die ein hoch­wertiges Rad über ihren Arbeit­geber geleast haben. Das Fahr­rad kommt ihn dadurch 594 Euro güns­tiger.

Dienst­wagenprivileg gilt für Dienst­rad

Firmen können anstatt eines Auto­fuhr­parks Räder anschaffen und ihren Mitarbeitern zu gleichen Konditionen wie Dienst­wagen zur Verfügung stellen. Für die private Nutzung des Rades muss der Mitarbeiter monatlich 1 Prozent des Listen­preises pauschal als „geld­werten Vorteil“ versteuern. Der Listen­preis wird dabei auf volle 100 Euro abge­rundet. Die Pauschale für den Arbeitsweg von 30 Cent kann auch für Dienst­räder geltend gemacht werden.

Mit Leasingmodell zur Fahr­radflotte

„Ich habe mein altes Rad meinem Sohn über­lassen und mir ein neues gegönnt“, sagt Wimmer. Seit Februar 2014 fährt der Ingenieur mit seinem Dienst­mountainbike sechs Kilo­meter von zuhause ins Büro.

„Im Schnitt geben unsere Mitarbeiter 1 700 Euro pro Rad aus“, sagt Personalleiter Kai Gebhardt. „Viele sind aufs Rad umge­stiegen und tun etwas für ihre Gesundheit. Davon profitiert die Firma genauso wie von einem Image­gewinn im Hinblick auf eine CO2-Reduzierung.“

So funk­tioniert das Fahr­radleasing

„Das Leasingmodell entspricht dem gängigen Verfahren der Barlohn­umwandlung bei Dienst­wagen“, sagt Steuer­experte Rolf Leuner von der Kanzlei Rödl & Partner. Wimmers Arbeit­geber arbeitet mit dem auf Fahr­radleasing spezialisierten Anbieter Leaserad zusammen. Modelle mit ähnlichen Bedingungen bieten auch Leasing eBike, Eurorad und eBike Company.

Und so gehts:

  • Der Arbeit­geber schließt einen Rahmenvertrag mit der Leasingfirma über 36 Monate Lauf­zeit ab.
  • Der Mitarbeiter sucht sich bei einem Vertrags­händler das Rad aus. Er kann es nach der Lauf­zeit über­nehmen.
  • Der Mitarbeiter verzichtet auf künftige Teile seines Brutto­gehalts in bar. Diese Barlohn­umwandlung ist eine Änderung des Arbeits­vertrags.
  • Im Gegen­zug über­lässt der Arbeit­geber in einem Über­lassungs­vertrag dem Mitarbeiter das Dienst­rad als Sach­lohn zur beruflichen und privaten Nutzung.
  • Leasingrate und Diebstahl­versicherung werden dem Mitarbeiter monatlich im Rahmen der Barlohn­umwandlung steuer­begüns­tigt vom Brutto­gehalt abge­zogen, also vor dem Versteuern (Beispielrechnung).
  • Der Mitarbeiter versteuert monatlich den geld­werten Vorteil für die private Nutzung mit der 1-Prozent-Regel wie beim Dienst­wagen: Versteuert werden 1 Prozent des auf volle 100 Euro abge­rundeten Kauf­preises.

Knack­punkt Barlohn­umwandlung

„Damit das Leasingmodell steuerrecht­lich auf sicheren Füßen steht, muss es sich um eine echte Barlohn­umwandlung handeln“, warnt Steuer­experte Leuner. Dafür muss im Über­lassungs­vertrag sauber formuliert werden, dass der Arbeitnehmer zuerst auf künftige Gehalts­bestand­teile verzichtet und der Arbeit­geber dann im Nach­gang das Dienst­rad zur beruflichen Nutzung gewährt mit dem Recht, dieses auch privat zu nutzen.

Leuner rät interes­sierten Unternehmen: „Will der Arbeit­geber kein Risiko eingehen, kann er sich bei seinem Betriebs­stätten­finanz­amt schriftlich durch eine Lohn­steuer­anrufungs­auskunft absichern lassen und damit jede Haftung vermeiden“.

Geld sparen mit Fahr­radleasing

Unterm Strich zahlen radbegeisterte Angestellte mithilfe des Leasingmodells bis zu 30 Prozent weniger als bei einem Kauf im Laden. Christian Wimmer spart beispiels­weise rund 22 Prozent Beispielrechnung.

Beispiel: Ein Mitarbeiter verdient jähr­lich 48 000 Euro brutto und sucht sich im Februar 2014 ein Mountain­bike für 2 700 Euro aus. Seine Firma least das Rad und zieht die Rate plus Versicherungs­kosten von seinem Brutto­gehalt ab, das dadurch sinkt. Weil der Mitarbeiter das Rad auch privat nutzt, muss er monatlich 1 Prozent der Anschaffungs­summe versteuern. Zusammenge­rechnet hat er eine Belastung von 51 Euro im Monat.

Über­nimmt der Mann das Rad nach der Lauf­zeit mit einer Restrate von 270 Euro, hat er insgesamt 2 106 Euro gezahlt und spart gegen­über dem Privatkauf 594 Euro.

Lohnt sich für Fahr­radbegeisterte

„Die absolute Einsparung steigt mit dem Kauf­preis, ab 1 000 Euro spürt man das deutlich“, sagt Holger Tumat von Leaserad. „Ab diesem Preis gibt es auch nahezu keine minderwertige Qualität mehr.“ Deshalb ist das Modell vor allem für teure E-Bikes und hoch­wertige Räder attraktiv. Es lohnt sich für begeisterte Radfahrer, die gern und viel in die Pedale treten und sich so ein hoch­wertiges Rad günstig finanzieren können.

Groß­zügige Arbeit­geber kaufen Räder

Einige Unternehmen wie BASF oder Babbel schaffen Dienst­räder auf eigene Kosten an und über­lassen sie ihren Mitarbeitern auch privat – ohne das Gehalt zu kürzen. Das Rad bleibt Eigentum der Firma. Mitarbeiter müssen monatlich nur den geld­werten Vorteil versteuern. Gibt es keine eindeutige Zuordnung zu einzelnen Nutzern, ist eine Pro-Kopf-Verteilung bei der Versteuerung zulässig: Der zu versteuernde geld­werte Vorteil für alle Räder wird auf die Anzahl der nutzungs­berechtigten Mitarbeiter verteilt, egal ob sie das Rad tatsäch­lich nutzen.

Für Christian Wimmer hat sich das Leasing gelohnt. Er spart 594 Euro. Mit seinem Traumrad fährt der Bayer jetzt noch begeisterter seine Lieblings­stre­cken zwischen Tegernsee und Schliersee.

Dieser Artikel ist hilfreich. 24 Nutzer finden das hilfreich.