Dienst­fahr­rad Special

Arbeitsweg. In ihrer Steuererklärung setzen Radfahrer die Pend­lerpauschale als Jobkosten an.

Ins Büro zu radeln, macht fit und schont die Umwelt. Im besten Fall sparen Angestellte so auch noch Steuern und Sozial­abgaben – wenn der Chef das Dienst­rad stellt. Die Steuer­experten der Stiftung Warentest erklären, welche Regeln dafür anzu­wenden sind. Wir sagen, wie Arbeitnehmer von einer Gehalts­umwandlung profitieren können, wie der Arbeit­geber den geld­werten Vorteil berechnet, und was für E-Bikes gilt.

Besonders beliebt sind Leasingmodelle

Das Fahr­rad ist das neue Status­symbol: Eltern kutschieren Kinder und Einkäufe in speziellen Lastenrädern, Renn­radler über­holen den alltäglichen Stau im Berufs­verkehr und Wochen­endfahrer legen mit energiege­ladenen Pedelecs auch weite Stre­cken ohne Mühe zurück. Hoch­wertige Räder haben ihren Preis. Güns­tiger fahren Arbeitnehmer, die ihr Rad nicht selbst kaufen, sondern es sich vom Chef stellen lassen. Besonders beliebt sind Leasingmodelle. Verzichten Arbeitnehmer dafür auf einen Teil ihres Gehalts, sparen sie Steuern und Sozial­abgaben.

Fahr­rad statt Gehalt

Ziel der nächsten Gehalts­verhand­lung: ein Dienst­rad. Das kann der Chef seinen Mitarbeitern anstelle einer Gehalts­erhöhung spendieren. Oder Arbeitnehmer verzichten freiwil­lig auf einen Teil ihres bisherigen Lohns und lassen das Rad mit dem gesparten Geld vom Chef finanzieren. Bei beiden Gestaltungen fallen weniger Sozial­abgaben und Steuern an. In der Regel schafft die Firma das Rad nicht selbst an, sondern mietet es bei einem Leasinganbieter für 36 Monate. Dieser hilft meist bei der Auswahl oder vermittelt einen Händler, versichert das Rad gegen Diebstahl und über­nimmt die Wartung.

Private Fahrten versteuern

Dienst­fahr­rad Special

Frei­zeit. Für Privatfahrten mit dem Dienst­rad fallen Steuern an.

Nutzen Mitarbeiter ihr Dienst­rad nur für den Weg von zu Hause ins Büro und wieder zurück sowie für berufliche Fahrten, entstehen keine steuerlichen Konsequenzen. Radeln sie damit jedoch auch am Wochen­ende für private Ausflüge ins Grüne, gilt das steuerlich als geld­werter Vorteil – und sie müssen die Steuerersparnis aus der Gehalts­umwandlung teil­weise zurück­geben.

Geld­werter Vorteil nach 1-Prozent-Methode berechnet

Den geld­werten Vorteil berechnet der Arbeit­geber jeden Monat nach der 1-Prozent-Methode: Zunächst rundet er den Bruttolisten­preis des Zweirads auf volle 100 Euro ab. Anschließend addiert er rein rechnerisch ein Prozent von diesem Preis zum restlichen Lohn hinzu und führt für diesen Gesamt­betrag die entsprechenden Steuern und Sozial­abgaben ab (siehe Beispiel – Steu­ersparmodell Dienst­rad, unten). Wer sich noch aktiv an Leasingraten und anderen Radkosten beteiligen muss, senkt damit seinen geld­werten Vorteil.

Beispiel – Steu­ersparmodell Dienst­rad

Wie es sich für Sie rechnet, wenn Ihr Chef für Sie ein Elektrorad zum Neupreis von 2 999 Euro least.

Steuer­vorteil. Die Leasingraten von 75 Euro im Monat zieht der Chef vom Lohn ab. Die private Nutzung des Rads müssen Sie versteuern. Dafür schlägt der Chef rein rechnerisch monatlich ein Prozent vom abge­rundeten Listen­preis (2 900 Euro) auf Ihr Gehalt auf, also 29 Euro. Sie versteuern monatlich 46 Euro weniger als ohne Dienst­rad und sparen je nach Steu­ersatz 6 bis 21 Euro Lohn­steuer und Soli. Weitere Steuerersparnis bringt die Pend­lerpauschale, die Sie mit 30 Cent pro Kilo­meter und Arbeits­tag ansetzen.

Günstig kaufen. Am Ende der dreijäh­rigen Leasing­zeit kaufen Sie das Rad für 300 Euro. Das Finanz­amt setzt als Rest­wert 40 Prozent des Neupreises an, also 1 200 Euro. Die Differenz von 900 Euro müssen Sie versteuern. Das über­nimmt oft der Leasinganbieter zum pauschalen Steu­ersatz von 30 Prozent sozial­abgabenfrei.

Was für E-Bikes gilt

Bei Rädern mit Elektromotor unterscheidet das Steuerrecht übrigens zwischen Pedelecs, deren Motoren ab 25 Kilo­meter pro Stunde abschalten und E-Bikes, die ihre Fahrer auch bei schnel­leren Geschwindig­keiten unterstützen. E-Biker müssen zusätzlich auch Fahrten zwischen Wohnung und Büro als geld­werten Vorteil versteuern – jeden Monat mit 0,03 Prozent vom Listen­preis des Rads. Für den Arbeitnehmer steuerfrei ist dagegen der Strom aus der Lade­station des Arbeit­gebers.

Wenig Aufwand beim Finanz­amt

In ihrer Steuererklärung tragen Arbeitnehmer wie gewohnt den Verdienst aus der Jahres­lohn­abrechnung ein. Der enthält bereits den geld­werten Vorteil für die Privatnut­zung. Auf der Ausgabenseite mindern sie ihre Einkünfte, indem sie Jobkosten wie die Pend­lerpauschale geltend machen: Für jeden Arbeits­tag setzen sie 30 Cent pro Kilo­meter der einfachen Entfernung zwischen Wohnung und Arbeits­stätte an.

Das Rad am Ende kaufen

Läuft der Leasing­vertrag aus, kann der Arbeit­geber ihn erneuern und seinem Mitarbeiter zu einem neuen Rad verhelfen. Manchmal wollen Arbeitnehmer aber ihr Dienst­rad am Ende der Leasing­zeit über­nehmen. Leasing­unternehmen berechnen dafür nach drei Jahren Nutzung üblicher­weise 10 Prozent des ursprüng­lichen Neupreises. Die Finanz­verwaltung setzt den Rest­wert dagegen in der Regel mit 40 Prozent des Neupreises an. Der Arbeitnehmer erlangt durch das güns­tige Angebot des Leasing­gebers also einen Preis­vorteil, den er versteuern muss. Das kann den Kauf unattraktiv machen.

Leasinganbieter über­nimmt Steuern

Um Arbeitnehmern den Kauf schmack­haft zu machen, über­nehmen viele Leasing­geber die Steuer auf den Preis­vorteil für den Käufer. Die Finanzbehörden erlauben ihnen, dafür einen pauschalen Steu­ersatz von 30 Prozent anzu­wenden. Hinzu kommen Solidaritäts­zuschlag und Kirchen­steuer, Sozial­abgaben entfallen.

Stol­perfalle Kauf­option

Enthält bereits der Leasing­vertrag die Kauf­option für den Mitarbeiter, kann das Finanz­amt ihn als wirt­schaftlichen Leasingnehmer ansehen. Die Folge: Er hat gar kein Dienst­rad, Steuern und Sozial­abgaben müssten nachgezahlt werden. Arbeitnehmer sollten ihr Kauf­interesse daher erst zum Laufzeit­ende anmelden oder auf ein Angebot des Leasing­gebers warten.

Tipp: Auf welchem Elektrorad Sie gut und sicher ins Büro gelangen, erfahren Sie in unserem Test E-Bikes. Die besten herkömm­lichen Trekking­räder für Männer und Frauen zeigt unser Trekkingrad-Test.

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