Diebesgut im Internet Meldung

Das klingt verlockend: Die teure und edle Espressomaschine, die sonst nur für mehrere hundert Euro im Laden zu bekommen war, wird im Internet plötzlich für 100 Euro angeboten. Doch Vorsicht, hinter solchen Schnäppchen kann sich Diebesgut verbergen. Gerade die Anonymität des Internets macht es Dieben leicht, ihre Beute schnell wieder loszuwerden. Ungleich schwerer ist es für den Verbraucher zu erkennen, was geklaut worden ist und was nicht. Wer nicht aufpasst, ist nicht nur schnell sein Schnäppchen los, sondern hat auch den Staatsanwalt am Hals.

Die Rechtslage

Steht die Espressomaschine erst in der Küche, wen interessiert dann noch, woher sie stammt? So arglos sollten Käufer nicht sein. Sie machen sich der Hehlerei strafbar, wenn sie Gestohlenes erwerben. Wird der Dieb geschnappt, ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen die Käufer. Schon wer nur für möglich hält, dass die Espressomaschine geklaut sein könnte und trotzdem kauft, kann wegen Hehlerei belangt werden. Außerdem kann er sein Schnäppchen ganz schnell wieder los sein. „Kauft jemand gestohlene Ware, geht sie nach deutschem Recht nicht in das Eigentum des Käufers über“, sagt Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Wird also der ursprüngliche Eigentümer gefunden, bekommt dieser seine Espressomaschine zurück. Der Schnäppchenjäger geht leer aus.

Seriennummer nachschauen

Um erst gar nicht in die Gefahr zu kommen, Gestohlenes zu kaufen, bietet es sich an, die Ware zuvor zu prüfen. Dabei helfen zum Beispiel Datenbanken im Internet - wie www.sachfahndung.de oder www.gestohlen.eu. Dort sind Autos, Computer, Handys, aber auch Boote, Tiere und Baumaschinen registriert, die gestohlen wurden. Sie werden von den ehemaligen Eigentümern eingetragen, oft sogar ein Finderlohn in Aussicht gestellt. Ein seriöser Verkäufer dürfte nichts dagegen haben, zum Beispiel die Rahmennummer des angebotenen Fahrrads oder die Seriennummer des Laptops herauszugeben. Anhand dieser Angaben lassen sich die Datenbanken durchsuchen. Nachteil: Es gibt eine Vielzahl solcher Internetseiten und sie sind nicht vollständig. Das heißt: Endgültige Sicherheit bekommt der Käufer so nicht. Es bleibt beim Zufallsprinzip.

Fahrrad-Spezialisten

Die Wahrscheinlichkeit, ein gestohlenes Fahrrad wiederzubekommen, ist gering. In Berlin lag die Aufklärungsquote im Jahr 2006 bei 4,6 Prozent, 18 775 Räder wurden geklaut, nur 863 wiedergefunden. Deshalb versuchen viele Radler, ihr gutes Stück übers Internet zurückzubekommen. Auch Gebrauchtfahrradhändler schauen dort nach, bevor sie ein Rad ankaufen. Spezialisiert auf Fahrräder sind zum Beispiel www.fahrrad-gestohlen.de , aber auch bei www.gestohlen.eu gibt es diese Rubrik. Sogar einige Fahrradhändler haben eigene Stehl-Listen. Beispiel: www.ftl-berlin.net/stolen/stolen1. Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) hält den Nutzen jedoch für begrenzt. „Die Datenbanken sind nicht vernetzt, daher muss das Rad gleich in mehrere eingetragen werden. Nur ein Zugang zu den Daten der Polizei würde helfen“, erklärt er. Die Fahrradaktivisten halten es für sinnvoll, das Fahrrad codieren zu lassen. Im Code sind Wohnort, Adresse und die Initialen des Besitzers verschlüsselt. „Dann kann jeder Streifenpolizist anhand der Personalien sofort überprüfen, ob der Radler auch der Besitzer ist oder ein herrenloses Fahrrad zurück zum Eigentümer bringen“, sagt Roland Huhn.

Verkäufer dingfest machen

Selbst wenn die Schnäppchen-Espressomaschine in keiner Diebesgut-Datenbank steht, bleibt ein Restzweifel. Der kann verkleinert werden, indem der Verkäufer möglichst dingfest gemacht wird. Bernd Carstensen empfiehlt beim Kauf im Internet, vom Anbieter eine Festnetznummer zu bekommen und nicht nur per E-Mail zu kommunizieren. Rückschlüsse auf die Seriosität des Verkäufers können auch daraus gezogen werden, wie umfassend er über die Herkunft und den Zustand der Ware Auskunft gibt. Wichtig ist auch, dass die Original-Bedienungsanleitung und eine Kaufquittung dabei sind. Bei Handys, Autoradios, Navigationsgeräten oder Notebooks sollte der Verkäufer auch PIN-Codes und PUK-Daten liefern.

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