Die neuen Steuerregeln: Angebot neu prüfen

Die neue Rentenlücke können Arbeitnehmer mit ­verschiedenen Geldanlagen, Renten- und ­Lebensversicherungen schließen. Sie müssen vorher aber viele Steueränderungen beachten.

Die 29-jährige Sonja Schmitt hat eine kleine Kapitallebensversicherung fürs Alter. Die Auszahlung wird später steuerfrei sein. Das trifft sich gut, denn die junge Frau muss später schon ihre gesetzliche Rente voll versteuern.

Sobald die Redakteurin in Ausbildung mehr Geld hat, will sie noch in Fonds investieren. Hohe Rendite und gute Risikostreuung versprechen europäische und internationale Aktienfonds (siehe „Fonds im Dauertest“).

Mit Aktienfonds bleibt sie flexibel und hält ihre Steuerlast in Grenzen. Der Wert der Aktienfonds steigt in erster Linie durch Kursgewinne. Sie sind steuerfrei, wenn die Papiere mindestens ein Jahr im Depot bleiben. Von Dividenden kassieren Anleger die Hälfte steuerfrei.

Aktienfonds sind aber nur als langfristige Anlage sinnvoll, weil sonst längere Verlustphasen die Rendite empfindlich drücken können. Anleger sollten dafür mindestens zehn Jahre Zeit haben. Einige Jahre vor Rentenbeginn empfiehlt sich außerdem der Wechsel in sichere Geldanlagen. Sonst schmilzt das Polster für das Alter zu guter Letzt noch weg.

Versicherungspolicen

Die Rendite aus Renten- und Lebensversicherungen ist weniger vielversprechend, aber sicherer. Kunden können aus einer Fülle verschiedener Verträge wählen. Einige bieten im Alter eine lebenslange Rente, andere lassen dem Kunden die Wahl, das Kapital auch auf einen Schlag zu nehmen. Riester-Policen bieten sogar von beidem etwas.

Die Besteuerung ist ganz unterschiedlich. Einige Policen bringen im Berufsleben Steuervorteile, weil Versicherte die Beiträge absetzen können. Bei anderen ist stattdessen die Auszahlung ganz oder teilweise steuerfrei. Jeder kann für seinen Fall das Beste wählen.

Riester-Versicherung

Der 40-jährige EDV-Fachmann Andreas Schlien möchte die Vorteile der privaten Altersvorsorge schon im Berufsleben mitnehmen. Er bevorzugt eine Riester-Rentenversicherung. Denn dafür ist die Förderung günstiger als für alle anderen Policen: Der Sparer kassiert für seine Beiträge Zulagen vom Staat und bekommt oft auch noch ansehnliche Steuerersparnisse dazu.

Die höchste Förderung erhalten Sparer, wenn sie zusammen mit den Zulagen vom Staat den Höchstbetrag investieren, der jedes Jahr gefördert wird. Den Betrag, den sie dafür dieses und nächstes Jahr selbst einzahlen müssen, erhalten sie, indem sie die Zulagen vom Staat von 1 050 Euro abziehen.

Für sich selbst können sie 76 Euro abrechnen. Für jedes Kind, für das Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge besteht, noch mal 92 Euro. Ein Single ohne Kind kommt dieses und nächstes Jahr auf den Höchstbetrag, wenn er selbst 974 (1 050 – 76) Euro in seinen Riester-Vertrag einzahlt.

Aus Riester-Verträgen erhalten Sparer später eine Rente, können sich aber auch 30 Prozent des Kapitals in Raten oder auf einen Schlag auszahlen lassen. Bisher waren es nur 20 Prozent.

Kapitallebensversicherung

Doch ein Riester-Vertrag allein macht die Finanzen im Alter nicht fett. Außerdem hat er den Nachteil, dass die später gezahlten Renten und Kapitalsummen voll steuerpflichtig sind.

Das ist bei der kleinen Kapitallebensversicherung, die Sonja Schmitt hat, anders. Sie kann das Kapital im Alter steuerfrei kassieren.

Das klappt aber nur noch bei allen, die den Vertrag schon haben oder bis Ende des Jahres abschließen. Denn bei Abschlüssen ab 2005 sind die Zinsen und Überschüsse im später ausgezahlten Kapital voll steuerpflichtig.

Nur wenn die Versicherung mindestens zwölf Jahre läuft und das Kapital frühestens mit 60 Jahren zahlt, macht das Finanzamt noch eine Ausnahme. Dann ist nur die Hälfte vom Kapital, das nach Abzug der bis dahin gezahlten Beiträge bleibt, steuerpflichtig.

Mit einer Kapitallebensversicherung sorgen Arbeitnehmer nicht nur für das eigene Alter vor. Sie sichern für den Fall, dass sie sterben, auch die Familie ab. Das können sie besser mit einer reinen Risikolebensversicherung tun. Die Summe, die im Todesfall an die Familie geht, ist später komplett steuerfrei  – auch bei Vertragsabschluss nach 2004.

Klassische Rentenversicherungen

Für die eigene Altersvorsorge sind die klassischen Rentenversicherungen eine Alternative. Auch damit können die Arbeitnehmer von heute ihre Steuerlast als Rentner begrenzen. Schließen sie den Vertrag erst nächstes Jahr ab, müssen sie die Beiträge zwar ohne Steuerersparnisse bestreiten, haben dafür aber im Alter große Steuervorteile.

Wenn sie nur eine Rente wollen und keine Kapitalauszahlung, nehmen sie eine reine Rentenversicherung. Von der Auszahlung ist später nur ein Bruchteil steuerpflichtig. Er hängt vom Alter bei Rentenbeginn ab und ist künftig niedriger als bisher  – auch bei Altverträgen (siehe Tabelle „Hoher Freibetrag für Privat- und Betriebsrenten“).

Mit Kapitalwahlrecht aufpassen

Wer erst im Alter entscheiden will, ob er eine Rente oder das Kapital auf einen Schlag haben will, schließt eine klassische Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht ab. Versicherte sollten den Vertrag möglichst noch dieses Jahr unterschreiben. Nur so erhalten sie die ganze Summe steuerfrei, wenn sie später das Kapital auf einen Schlag wünschen. Das ist bei nach 2004 abgeschlossenen Versicherungen nicht mehr möglich. Bei diesen Verträgen sind die Überschüsse und Zinsen im später ausgezahlten Kapital voll steuerpflichtig.

Nur wenn Kunden einen Vertrag mit mindestens zwölf Jahren Laufzeit vereinbaren, der das Kapital frühestens mit 60 Jahren zahlt, macht das Finanzamt wieder eine Ausnahme. Dann zieht es im Alter von der Auszahlung die investierten Beiträge ab. Vom Rest rechnet es die Hälfte als Kapitaleinnahme an.

Zahlt ein 40-Jähriger 20 Jahre monatlich 100 Euro Beitrag, kann er mit 60 Jahren von einer guten Gesellschaft 41 000 Euro bekommen. Nach Abzug der Beiträge bleiben 17 000 Euro. Die Hälfte  – also 8 500 Euro  – ist steuerpflichtig. Auszahlungen aus Altverträgen sind dagegen komplett steuerfrei. 

Rürup-Versicherung

Arbeitnehmer, die lieber mit den Beiträgen Steuern sparen wollen, bekommen künftig häufig Rürup-Policen angeboten. Sie sind nach dem Wirtschaftsexperten Bert Rürup benannt.

Da die Beiträge zunächst aber nur zu 60 Prozent anerkannt werden und erst später mehr Ersparnis bringen, ist die Entlastung im Berufsleben zurzeit nicht so groß wie bei anderen Verträgen.

Gleichzeitig wird nach und nach die Rente aus solchen Rürup-Verträgen steuerpflichtig. Die 29-jährige Sonja Schmitt müsste später die ganze Rürup-Rente beim Finanzamt abrechnen, könnte die Beiträge aber erst ab 2025 voll absetzen. Für sie sind deshalb Fonds, Riester-Verträge und die anderen Policen attraktiver.

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