Die neuen Steuerregeln: Neue Last im Alter

Pensionen und Einkünfte wie Zinsen und Mieten erhöhen bei den Rentnern von morgen die Steuer­last im Alter. Die Rentner von heute bleiben dagegen meist ungeschoren.

Es ist eine Minderheit der Rentner von heute, die künftig mehr Steuern zahlen muss. Alle, die neben der Rente noch andere Einkünfte haben und die deshalb jetzt schon Steuern zahlen, trifft es aber auf jeden Fall. Von ihnen wird das Finanzamt künftig mehr kassieren.

Ein Rentnerehepaar, das nächstes Jahr 18 000 Euro gesetzliche Rente und Einkünfte aus Mieten und Privatrenten von insgesamt 10 000 Euro hat, muss zum Beispiel 280 Euro mehr an das Finanzamt zahlen (siehe Tabelle „Gut situierte Rentner zahlen mehr Steuern“).

Das liegt an den neuen Regeln für die gesetzliche Rente. Davon ist nächstes Jahr die Hälfte steuerpflichtig, also 9 000 Euro. Bisher sind es nur 4 860 Euro (27 Prozent), wenn die Rente mit 65 Jahren begonnen hat. Der steuerpflichtige Teil von Privatrenten, Mieten und Pensionen ist dagegen etwa genauso hoch wie letztes Jahr. Die Rentner von heute bekommen dafür künftig fast dieselben Steuerfreibeträge wie bisher.

Die meisten heutigen Rentner haben deshalb auch künftig nichts vom Finanzamt zu befürchten. Der 74-jährige Günther Doddeck, der zusammen mit seiner Frau 25 000 Euro Rente bezieht, kann zusätzlich zum Beispiel noch Einkünfte bis 5 000 Euro kassieren, ohne dass seine Steuerlast steigt. Er wird wie bisher keine Steuern zahlen.

Weniger Altersentlastungsbetrag

Von Einkünften wie aus Zinsen, Mieten und von steuerpflichtigen Arbeitslöhnen zieht das Finanzamt den Altersentlastungsbetrag ab, wenn Rentner, Pensionäre und Arbeitnehmer am 1. Januar mindestens 64 Jahre alt waren. Er beträgt nächstes Jahr maximal 1 900 Euro.

Auch für Renten und Kapitalauszahlungen aus Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen der Firma, in die Arbeitnehmer steuerfrei Lohn eingezahlt haben, gibt es den Altersentlastungsbetrag. Ebenfalls begünstigt sind steuerpflich­tige Kapitalauszahlungen aus privaten Renten- und Lebensversicherungen.

Doch es bekommen nur noch die den vollen Freibetrag, die am 1. Januar 2005 mindestens 64 Jahre sind. Er wird bis zum Jahr 2040 auf null abgebaut.

Abbau bis zum Jahr 2040

Zurzeit zieht das Finanzamt von Nebeneinkünften wie aus Zinsen oder Mieten und steuerpflichtigen Arbeitslöhnen, die Rentner haben, 40 Prozent als Altersentlastungsbetrag ab   – jedoch höchstens 1 908 Euro im Jahr. Der Höchstbetrag wird nächstes Jahr auf 1 900 Euro abgerundet.

Die Steuerfreiheit von 40 Prozent der Einnahmen bleibt all denjenigen bis zum Lebensende erhalten, die am 1. Januar 2005 mindestens 64 Jahre alt und vor 2006 Rentner sind. Erhalten bleibt auch der Höchstbetrag von 1 900 Euro.

Erreichen Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre die Altersgrenze von 64 Jahren aber zum Beispiel erst am 1. Januar 2015, bekommen sie bis zum Lebensende nur 24 Prozent und höchstens 1 140 Euro im Jahr steuerfrei. Feiert ein Rentner im Oktober 2014 seinen 64. Geburtstag und nimmt er im Jahr 2015 Mieten von 4 000 Euro ein, sind davon durch den Altersentlastungsbetrag nur 960 Euro (24 Prozent) steuerfrei.

Die Tabelle („Rente: So viel bleibt steuerfrei“) zeigt die Höhe des Prozentsatzes und des steuerfreien Höchstbetrags in den nächsten 17 Jahren  – je nachdem, in welchem Jahr Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre am 1. Januar bereits 64 Jahre alt sind:

Weitere Einschnitte für Pensionäre

Für alle, die später auch Firmen- oder Beamtenpensionen auf Lohnsteuerkarte erhalten, gehen die Einschnitte weiter. Denn der Versorgungsfreibetrag von zurzeit 40 Prozent, durch den solche Pensionen bis zum Höchstbetrag von 3 072 Euro im Jahr steuerfrei sind, sinkt bis zum Jahr 2040 ebenfalls bis auf null.

Firmenpensionäre erhalten ihn zum Beispiel für Pensionen aus Unterstützungskassen und Pensionszusagen des Betriebs, in die sie steuerfrei Lohn eingezahlt haben. Sie müssen für den Versorgungsfreibetrag aber mindestens 63 Jahre alt sein. Nur wenn sie vorher erwerbs- oder berufsunfähig werden, gilt die Altersgrenze nicht.

Kürzung der Werbungskosten

Von den Pensionen auf Lohnsteuerkarte zieht das Finanzamt zurzeit außerdem den Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro im Jahr ab. Der fällt ab dem nächsten Jahr weg. Stattdessen erkennen die Beamten für Pensionen nur noch eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro im Jahr an.

Junge Leute wie Sonja Schmitt, unsere Redakteurin in Ausbildung, werden fast alles versteuern müssen, falls sie im Alter eine Firmenpension bekommen. Sonja Schmitt ist erst 29 Jahre alt. Wenn sie eine Firmenpension abschließt, die sie mit 65 Jahren bekommt, ist bei Beginn der Pension das Jahr 2040 erreicht. Sie würde zum ersten Pensionärsjahrgang gehören, der keinen Steuerfreibetrag mehr bekommt. Das Finanzamt zieht nur noch die Werbungskostenpauschale von 102 Euro im Jahr ab.

Wie hoch der Steuerfreibetrag für Beamte und Arbeitnehmer ist, die ihre Pension schon vor 2040 beziehen, hängt davon ab, wann die Pension beginnt.

Ein heute 63-Jähriger, der ab Januar 2005 jährlich 8 000 Euro Pension bekommt, kann durch den Versorgungsfreibetrag noch 40 Prozent steuerfrei kassieren bis zum Höchstbetrag von 3 000 Euro. Zusätzlich erhält er künftig einen Steuerfreibetrag von 900 Euro.

Beträgt die Pension 8 000 Euro im Jahr, sind 40 Prozent davon 3 200 Euro. Das Finanzamt kappt den Betrag auf 3 000 Euro und addiert den Freibetrag von 900 Euro. Insgesamt sind von der Pension dann 3 900 Euro steuerfrei. Das bleibt bis an das Lebensende so.

Der steuerfreie Prozentsatz und die Freibeträge sind für jeden Jahrgang, der nach 2005 eine Pension bekommt, anders. Die Tabelle („Pension: So viel bleibt steuerfrei“) zeigt, wie stark der Abbau in den nächsten 17 Jahren ist – je nachdem, wann die Pension beginnt.

Ab dem Jahr 2040 fällt der Versorgungsfreibetrag weg, genauso wie der Altersentlastungsbetrag. Bei allen, die frühestens in 36 Jahren in Rente gehen, wird das Finanzamt von Einnahmen wie Pensionen, Zinsen und Mieten keinen Steuerfreibetrag für das Alter mehr abziehen. Dann ist fast alles voll steuerpflichtig, diese Einnahmen ebenso wie die gesetzliche Rente. Denn auch dafür ist der Freibetrag dann weg.

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