Die neuen Steuerregeln Meldung

Sonja Schmitt, 29, Redakteurin in Ausbildung, muss später ihre Rente voll beim Finanzamt abrechnen und will deshalb noch mehr als bisher für das Alter vorsorgen. Weil sie noch keinen festen Job hat, kann sie nicht auf eine Betriebsrente setzen. Sie will Fonds und Versicherungsangebote prüfen.

Vom Auszubildenden bis zum Rentner trifft das Alterseinkünftegesetz jeden. Lesen Sie, wie unsere Kolleginnen und Kollegen reagieren, und machen Sie selbst das Beste daraus.

Nächstes Jahr fängt alles ganz harmlos an. Die meisten Rentner zahlen weiterhin keine Steuern und viele Arbeitnehmer bekommen sogar etwas mehr Gehalt ausgezahlt.

Das sind aber nur die ersten Folgen des Alterseinkünftegesetzes. Von Jahr zu Jahr steigen nun die Belastungen für Neurentner. Gleichzeitig wachsen die Vorteile für Arbeitnehmer. Erst im Jahr 2040 ist die große Wende vollzogen. Dann ist die Rente voll steuerpflichtig und die Beiträge zur Altersvorsorge sind zum großen Teil steuerfrei – vorausgesetzt, das neue Steuerrecht hat auch in 36 Jahren noch Bestand. Wir zeigen am Beispiel von zwei Kolleginnen und zwei Kollegen, was sich ändert.

Entwarnung für Rentner

Die neuen Steuerregeln Meldung

Andreas Schlien, 40, EDV-Fachmann, hat Familie und bisher zu wenig in die eigene Altersversorgung investiert. Das will er ändern. Erste Wahl ist für ihn die Altersvorsorge vom Betrieb, weil er dort steuerfrei Lohn in eine Pensionskasse einzahlen und Sozialabgaben sparen kann.

Von den heutigen Rentnern trifft das Gesetz die Gutsituierten. Sie müssen im nächsten Jahr mehr Steuern zahlen.

Für die Mehrheit ändert sich die Steuerlast nicht. Dazu gehört der 74-jährige Günther Doddeck. Der ehemalige Lagerverwalter und seine Frau haben zusammen 25 000 Euro Rente im Jahr.

Die Hälfte ist ab nächstem Jahr steuerpflichtig. Doch da das Finanzamt vom steuerpflichtigen Teil noch Posten wie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abzieht, kann jeder Rentner nächstes Jahr rund 19 000/38 000 Euro Rente (Alleinstehende/Ehepaare) steuerfrei kassieren. So viel Rente hat kaum einer.

Selbst heutige Rentner, die zusätzlich zur Rente noch Arbeitslöhne oder Einkünfte aus Mieten, Zinsen und Pensionen haben, zahlen künftig selten Steuern.

Lohnerhöhung im Januar

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Bärbel Gansebohm, 53, Verlagskauffrau, spart schon genug für das Alter und sieht deshalb der neuen Steuerlast, die sie später als Rentnerin hat, gelassen entgegen. Sie will aber wissen, welche Steuerersparnisse sie ab Januar bei der Gehaltsabrechnung hat.

Künftige Renter werden viel weniger steuerfrei kassieren. Im Gegenzug können sie noch als Arbeitnehmer ab 2005 höhere Versicherungsbeiträge absetzen. Sie erhalten bei der Gehaltsabrechnung höhere Pauschalen und haben im nächsten Jahr mehr Lohn auf dem Konto .

Die 29-jährige Sonja Schmitt, die als Redakteurin in Ausbildung nicht viel verdient, bekommt nächstes Jahr nur wenige Euro mehr. Das Jahresgehalt von Bärbel Gansebohm, der 53-jährigen Verlagskauffrau, wird dagegen um eine dreistellige Summe steigen.

Die Rechnung dafür bekommen Arbeitnehmer im Alter. Denn die Jahrgänge, die nach 2005 in Rente gehen, kassieren immer weniger Rente steuerfrei.

Ein heute 50-Jähriger wird nur noch 22 Prozent seiner Rente steuerfrei ­bekommen, ein heute 40-Jähriger 11 Prozent und die Generation unter 30 Jahren gar nichts, wenn ihre Rente mit 65 Jahren beginnt.

Auch von anderen Einnahmen im ­Alter wird in den nächsten 35 Jahren für Neurentner von Jahrgang zu Jahrgang immer weniger steuerfrei sein.

Die Rentner von heute bekommen für Einkünfte aus Mieten, Zinsen, ­Dividenden und für steuerpflichtige Arbeitslöhne noch den vollen Altersentlastungsbetrag. Sie können davon bis zu 1 908 Euro im Jahr steuerfrei kassieren.

Bis zum Jahr 2040 sinkt der Freibetrag auf null. Die 53-jährige Bärbel Gansebohm wird als Rentnerin noch 1 064 Euro im Jahr steuerfrei einnehmen können. Die heute 29-jährige Sonja Schmitt wird ihre Nebeneinkünfte voll versteuern müssen.

Abschlag für Pensionäre

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Günther Doddeck, 74, Rentner, hat sich ausgerechnet, dass er zur Mehrheit der Rentner gehört, die auch künftig keine Steuern zahlen. Er hat mit seiner Frau über 25 000 Euro gesetzliche Rente im Jahr und könnte zusätzlich Einkünfte bis 5 000 Euro im Jahr steuerfrei kassieren.

Die Einschnitte gehen noch weiter. Auch für Pensionen vom Staat und von der Firma wird der Steuerfreibetrag in den nächsten 35 Jahren nach und nach abgebaut. Am Ende erhalten Pensionäre dafür nur noch eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro im Jahr.

So schlimm trifft es aber erst Neupensionäre ab dem Jahr 2040. Bei den heute 40-Jährigen wird das Finanzamt noch bis zu 1 014 Euro im Jahr als Freibetrag abziehen, wenn ihre Pension mit 63 Jahren beginnt. Bei den heute 50-Jährigen werden es noch bis zu 2 028 Euro sein.

Altersvorsorge prüfen

Je jünger Arbeitnehmer heute sind, desto mehr müssen sie künftig von ihren Alterseinkünften beim Finanzamt abrechnen. Der 40-jährige EDV-Fachmann Andreas Schlien kann mit 65 Jahren von 1 000 Euro Rente nur noch 110 Euro (11 Prozent) steuerfrei kassieren. Die 29-jährige Sonja Schmitt bekommt als Rentnerin nichts mehr steuerfrei.

Beide können die Steuerersparnis, die sie als Ausgleich in den nächsten Jahren erhalten, also gut gebrauchen. Sie müssen jetzt mehr für das Alter vorsorgen. Die Angebote reichen von Fonds über Betriebsrenten bis zu privaten Renten- und Lebensversicherungen.

Bei ihrer Wahl müssen beide überlegen, ob ihnen eine steuerfreie Auszahlung im Alter wichtiger ist oder ob sie lieber in der Einzahlungsphase Steuern sparen. Dann ist die Auszahlung steuerpflichtig.

Steuergünstige Renten aus Versicherungen sind auch in Zukunft zu haben. Will zum Beispiel Andreas Schlien aber aus einer Versicherung Kapital auf einen Schlag steuerfrei erhalten, muss er noch 2004 abschließen. Auch das ist eine Folge des Alterseinkünftegesetzes.

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