Die neuen Steuerregeln: Lohnerhöhung für viele

Viele Arbeitnehmer haben in den nächsten Jahren mehr Gehalt auf dem Konto. Durch den neuen Abzug für Versicherungsbeiträge sinkt ihre Lohnsteuer.

Ab Januar 2005 erhält Bärbel Gansebohm einige Euro mehr Gehalt ausgezahlt als bisher. Übers Jahr kommt für die 53-jährige Verlagskauffrau schon ein dreistelliger Betrag zusammen.

Diese Lohnerhöhung verdankt sie der neuen Vorsorgepauschale, die Arbeitnehmer künftig für ihre Versicherungsbeiträge bekommen. Ihr Arbeitgeber muss weniger Lohnsteuer abführen.

Die Pauschale steigt in Zukunft kontinuierlich. Denn das Finanzamt wird in den nächsten 20 Jahren immer mehr Versicherungsbeiträge als Sonderausgaben anerkennen. Bärbel Gansebohm kann auf diese Weise noch über 10 000 Euro mehr Gehalt kassieren, bis sie mit 65 Jahren in Rente geht.

Es sind zwei neue Sorten von Sonderausgaben, die das Finanzamt künftig anerkennt. In der Gehaltsabrechnung wirkt sich meist schon der größte Teil davon aus. Denn die Vorsorgepauschale berücksichtigt mit den vom Arbeitnehmer selbst gezahlten Sozialabgaben den wichtigsten Batzen.

Zur ersten Sorte der neuen Sonderausgaben gehören die Abgaben, die Arbeitnehmer für die gesetzliche oder private Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen. Auch Ausgaben für einige private Lebens- und Rentenversicherungen aus der Zeit vor 2005 zählen mit (siehe Tabelle „Neue Steuerregeln für private Renten- und LebensVS“).

Abzug bis 1 500 Euro im Jahr

Das Finanzamt zieht für alles zusammen bis zu 1 500 Euro im Jahr ab. Diesen Betrag schöpfen Arbeitnehmer im nächsten Jahr allerdings meist schon mit ihren Beiträgen für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aus.

Wenn sie brutto mindestens 14 000 Euro Lohn im Jahr verdienen, können sie mit ihren anderen Versicherungsbeiträgen zusätzlich keine Steuern mehr sparen.  Selbst für Arbeitnehmer, die eine günstige Krankenversicherung haben, ist kaum mehr drin.

Abzug bis 20 000 Euro im Jahr

Zur zweiten Sorte von Sonderausgaben zählen die Beiträge des Arbeitnehmers für die gesetzliche Rentenversicherung. Beiträge an berufsständische Versorgungswerke erkennt das Finanzamt ebenfalls an, wenn die Leistungen im Alter mit denen aus der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sind.

Auch für diese Sonderausgaben gelten aber Grenzen. Sie werden in den nächsten Jahren stufenweise gelockert.

Die Rechnung des Finanzamts ist kompliziert: Die Beamten addieren die Rentenbeiträge des Arbeitnehmers zu denen des Arbeitgebers. Von der Summe zählen im Jahr 2005 nur 60 Prozent. Der Rest kommt in den nächsten 20 Jahren in 2-Prozent-Stufen dazu.

In jedem dieser Jahre zieht das Finanzamt im letzten Rechenschritt den Beitrag des Arbeitgebers wieder ab.

Beispiel: Ein 40-jähriger Single verdient nächstes Jahr 50 000 Euro brutto. Dafür werden 9 750 Euro (19,5 Prozent) gesetzlicher Rentenbeitrag fällig. 4 875 Euro zahlt der Arbeitnehmer und 4 875 Euro der Arbeitgeber.

So viel erkennt das Finanzamt 2005 an:
Gesamte Rentenbeiträge: 9 750 Euro
davon 60 Prozent: 5 850 Euro
Rentenbeitrag des Arbeitgebers: -4 875 Euro
Absetzbar vom eigenen Rentenbeitrag: 975 Euro

Der 40-Jährige könnte aber noch mehr absetzen. Wie viel, zeigt die nächste Rechnung: Das Finanzamt wird im Jahr 2025 Rentenbeiträge bis zum Höchstbetrag von 20 000/40 000 Euro (Alleinstehende/Ehepaare) im Jahr ansetzen. Im nächsten Jahr nimmt es 60 Prozent davon. Es zieht außerdem den Rentenbeitrag des Arbeitgebers ab.

Höchstbetrag 2025: 20 000 Euro
davon 60 Prozent: 12 000 Euro
Rentenbeitrag des Arbeitgebers: -4 875 Euro
Höchstbetrag 2005: 7 125 Euro

Die Rürup-Rentenversicherung

Mit seinem absetzbaren Rentenbeitrag von 975 Euro erreicht der 40-Jährige in unserem Beispiel den Höchstbetrag von 7 125 Euro nicht. Um ihn auszu­schöpfen, könnte der Mann noch eine der neuen Rürup-Rentenversicherungen für seine Altersvorsorge abschließen. Vom Beitrag würden die Beamten nächstes Jahr 60 Prozent anerkennen.

Die Rürup-Versicherung ist ein spezieller Typ von privater Rentenversicherung. Ihr Name geht auf den Wirtschaftsexperten Bert Rürup zurück. Er gehört zu den Vätern des Alterseinkünftegesetzes und hat maßgeblich dafür gesorgt, dass die Beiträge für diese Versicherungen ebenfalls als Sonderausgaben anerkannt werden.

Der Arbeitnehmer in unserem Beispiel könnte von seinen Beiträgen dafür noch bis zu 6 150 (7 125 – 975) Euro als Sonderausgaben absetzen. Allein wegen der Steuerersparnis im Berufsleben sollte aber niemand eine Rürup-Police abschließen. Denn bis zum Jahr 2025 können Rürup-Sparer immer nur einen Teil der Beiträge absetzen – anfangs 60 Prozent und nach und nach mehr. Die Rente aus dem Vertrag müssen sie aber später so wie die gesetzliche Rente beim Finanzamt abrechnen. Je jünger sie sind, desto mehr ist im Alter steuerpflichtig (siehe Tabelle „Steuerpflichtige Rente“).

Erhält eine heute 29-Jährige im Jahr 2040 mit 65 Jahren eine Rürup-Rente, muss sie diese voll beim Finanzamt abrechnen. Die Beiträge kann sie aber lange Zeit nicht vollständig absetzen. Erst ab dem Jahr 2025 erkennt das Finanzamt sie voll als Sonderausgaben an.

Entscheidet sich die Frau für eine Betriebsrente oder eine Rente aus einem Riester-Vertrag, ist diese später zwar ebenfalls voll steuerpflichtig. Sie bekommt für ihre Einzahlungen aber sehr viel mehr Förderung.

Rentner können weniger absetzen

Alles in allem bringt der neue Abzug für Versicherungen vielen Vorteile, aber nicht jedem. Verdienen Arbeitnehmer wenig, ist der jetzige Sonderausgabenabzug günstiger. Bei ihnen rechnet das Finanzamt weiter nach altem Recht.

Zurzeit zieht es bis zu 5 069 Euro im Jahr für „Vorsorgeaufwendungen“ ab. Im Jahr 2011 wird der Betrag aber um 368 Euro abgebaut und danach noch mal acht Jahre lang um jeweils 300 Euro. 2019 beträgt er nur noch 2 301 Euro. Ab 2020 fällt er ganz weg.

Dann können auch viele Rentner weniger absetzen als heute. Denn für die meisten ist das alte Recht besser. Sie können den höheren Abzug der Rentenbeiträge kaum nutzen, weil sie meist keine zahlen. Für Policen wie Krankenversicherungen geben sie dagegen oft über 1 500 Euro im Jahr aus.

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