Die größten Aktienfonds Meldung

Templeton, Fidelity, DWS - zahlreiche Deutsche haben Anteile an den größten Aktienfonds der Welt gekauft. Finanztest zeigt, was die Fondsmanager mit ihrem Geld machen.

Für 31 Milliarden Euro könnte man fast alle Aktien des Chemieriesen BASF auf einmal kaufen. Oder alle VW-Aktien und die meisten von BMW noch dazu. 31 Milliarden Euro – so viel Geld liegt im Portfolio des Aktienfonds Templeton Growth, ­eines der größten Aktienfonds der Welt.

Kann man eine solche Summe noch sinnvoll investieren? Bankberater raten teilweise davon ab, Anteile großer Fonds zu kaufen. Zu Unrecht, meinen wir.

Für den Templeton Growth läuft es gut. Der Fonds ist seit 1954 am Markt. Er investiert weltweit und bringt zuverlässig ­gute Ergebnisse. Im Finanztest-Fondsdauertest schneidet er „überdurchschnittlich“ ab. Deutsche Anleger haben im Jahr 2005 neue Anteile für 1,1 Milliarden Euro gekauft.

Groß und gut

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31 Milliarden, das klingt mächtig und mehr nach Vermögenssammelstelle für Reiche als nach einer Geldanlage für 1 000-Euro-Sparer. Dabei müssen Anleger keine Million mitbringen, wenn sie Anteile am Templeton Growth kaufen wollen, im Gegenteil, sie können dort sogar ihre vermögenswirksamen Leistungen anlegen.

Der zweitgrößte Fonds in unserer Auswahl ist der Fidelity European Growth. Er investiert europaweit und verwaltet zurzeit 24 Milliarden Euro. Der Fonds hat im Jahr 2005 ein Plus von 32,4 Prozent gemacht. Allein dadurch ist das Fondsvermögen um rund ein Drittel gewachsen. 2005 kauften deutsche Anleger zudem Anteile in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Von unseren Jumbos ist er der Einzige mit dem Prädikat „stark überdurchschnittlich“.

Der größte Aktienfonds einer deutschen Gesellschaft ist der DWS Vermögensbildungsfonds I. Er verfügt über 7,5 Milliarden Euro. Auch er investiert weltweit – und erfolgreich. 2005 hat Fondsmanager Klaus Kaldemorgen allerdings ein weniger glückliches Händchen bewiesen. Der Fonds rangiert deshalb nicht mehr an der Spitze, sondern auf Platz 57 der Tabelle. Enttäuschte Anleger haben 750 Millionen Euro abgezogen. „Überdurchschnittlich“ ist der Fonds aber immer noch.

Der „überdurchschnittliche“ UniGlobal von Union Investment investiert ebenfalls weltweit. Sein Vermögen beläuft sich, alle Tranchen zusammengenommen, auf 4,6 Milliarden Euro.

Groß und schlecht

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Der AriDeka der Fondsgesellschaft Deka investiert europaweit. Er bringt zurzeit 5 Milliarden Euro auf die Waage, im Jahr 2005 flossen 482 Millionen Euro aus dem Fonds ab. In Anbetracht der Qualität des Fonds ist das noch wenig: In unserem Test schneidet der Fonds „stark unterdurchschnittlich“ ab.

Prozentual am meisten Geld verlor der dit-Industria, ebenfalls ein europäischer ­Aktienfonds. Dort gaben Anleger Anteile im Wert von 326 Millionen Euro zurück. Sie ärgerten sich schon länger über das schlechte Abschneiden des einst so guten Fonds – der jetzt aber wieder besser wird. Seit drei Jahren schon zeigt der Fonds eine Tendenz nach oben, diesen Monat ist er von „unterdurchschnittlich“ in die Gruppe der durchschnittlichen Fonds aufgestiegen.

Andere deutsche Gesellschaften bieten keine Aktienfonds an, die welt- oder europaweit investieren und über die 2-Milliarden-Euro-Grenze kommen.

Das Fondsportfolio

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Templeton und DWS verteilen das Geld der Anleger auf jeweils rund 100 Unternehmen, die allesamt zu den „Large Caps“ gehören, den großen Werten.

Zu den Top Ten des Templeton Growth zählen etwa der Mischkonzern Tyco International oder die deutsche Firma Siemens. Die größten Werte des DWS-Fonds sind die Deutsche Post und die Energiekonzerne Schlumberger und BP.

Die Anteile der Fonds an diesen Unternehmen bewegen sich sämtlich in einer Größenordnung, die weder für den Fonds noch für das Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist.

Der Fidelity European Growth hat mehr, nämlich 250 Titel, im Depot. Manager Graham Clapp ist der Ansicht, dass aus kleinen und mittleren Werten, den Small und Mid Caps, oft mehr herauszuholen ist als aus großen. Unter den Top Ten finden sich aber auch bei ihm bekannte Größen wie BP, der Elektrokonzern Philips oder der Rohstofflieferant Rio Tinto.

Weil er nicht weltweit, sondern nur in Europa unterwegs ist, braucht Clapp schon mehr Fantasie, um das Fondsvermögen von 24 Milliarden Euro gut anzulegen. Mit so viel Geld liegen rund 1,5 Prozent des Aktienmarktes in seiner Hand.

Aber auch der weltweit anlegende UniGlobal streut das Fondsvermögen breit. Manager Thomas Meier hat seine 4,6 Milliarden Euro in 220 Titel gesteckt.

Ob es besser ist, das Geld auf 100 oder doppelt so viele Werte zu verteilen, kommt auf die Strategie an. „Je mehr Titel, desto kleiner ist der Anteil der einzelnen Aktie am Ergebnis des Fonds“, sagt Reinhard Berben von Franklin Templeton. „Das ­bedeutet: viel Aufwand für wenig Geld.“

Thomas Meier von Union Investment macht es vom Markt abhängig, ob er groß in einen Titel einsteigt oder das Geld auf mehrere Werte verteilt. „Nach Russland oder Thailand können wir nur dann, wenn wir Aktienkörbe kaufen“, sagt er. 4 Prozent des Fondsvermögens oder rund 180 Millionen Euro hält Meier in Aktien der Deutschen Post. In Russland hat er denselben Betrag auf zehn Unternehmen verteilt.

Vorsicht im Porzellanladen

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Gleich, ob große oder kleine Werte – wenn sie ihre Orders aufgeben, gehen die Manager vorsichtig vor. „Wir wickeln sowohl die Käufe als auch die Verkäufe über mehrere Tage, manchmal auch mehrere Wochen ab“, sagt Reinhard Berben von Templeton. „Das hat außerdem den Vorteil, dass man das Timing-Risiko mindert, man erwischt ja nicht immer den richtigen Zeitpunkt.“

Auch die Händler von Fidelity passen auf, dass sie sich mit ihren Orders nicht die Preise kaputt machen. Von London aus verteilen sie die Kauf- und Verkaufsaufträge, die Clapp ihnen hereingibt, auf verschiedene Tage und Börsenplätze. Trotzdem kann es passieren, dass ein Fonds zu groß wird und nicht mehr handhabbar ist.

Ab wann es kritisch wird, hängt vom Markt ab und der Größe der gekauften Unternehmen. Der berühmte Magellan Fund von Fidelity hat in den neunziger Jahren die Ausgabe neuer Anteile gestoppt. Zeitweise war der Fonds über 100 Milliarden Dollar schwer. Mit dieser Summe könnte man heute auf einen Schlag den halben MDax kaufen, in dem immerhin 50 mittelgroße deutsche Unternehmen ­gelistet sind.

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