Die Reportage Meldung

Kosta Panagiotidis kann lernen, wo und wann er möchte – er wird übers Internet zum E-Business-Manager ausgebildet.

Digitales Lernen macht unabhängig von Zeit und Ort. Doch es stellt die Selbstdisziplin auf die Probe.

„Wuff!“ Hektor hat seine Taktik überdacht und bellt jetzt leise, statt zu winseln: Der Rottweiler will mit seinem Herrchen Gassi gehen. Der sitzt vor seinem Computerbildschirm und hat zu tun.

Das macht aber nichts: Kosta Panagiotidis schnappt sich Hundeleine und Laptop und geht mit Hektor an die nahe gelegene Havel im Westen Berlins. Hier darf Hektor ganz Hund sein. Und Herrchen sitzt derweil lernend auf der Parkbank: Er bildet sich auf elektronischem Wege weiter.

Kosta wird an der Teles European Internet Academy, kurz Teia, zum E-Business-Manager ausgebildet. Die Teia ist einer der Anbieter, die mit computergestützten Lernplattformen im Internet eine neue Kultur des Lernens etablieren wollen – das E-Learning.

Das soll vor allem auf dem Weiterbildungs­markt geschehen. Gerade im Bereich der Internettechnologien veraltet das Wissen schnell; die Unternehmen sind zunehmend darauf angewiesen, ihre Mitarbeiter ständig mit neuem Wissen zu versorgen.

Präsenzseminare als klassische Form der Weiterbildung sind den Unternehmen oft zu teuer. In diese Lücke wollen die Anbieter virtuell vermittelter Bildung stoßen. Allein der Wegfall von Reise- und Übernachtungskosten verschafft ihnen einen Preisvorteil.

Sie führen weitere Argumente an, warum aus dem zarten Pflänzchen digitales Lernen bald ein respektabler Baum werden soll: Die Anbieter können ihre Produkte individuell auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zuschneiden – und die können selbst bestimmen, wann und wo sie diese in Anspruch nehmen.

Individuell zugeschnittenes Lernen, unabhängig von Zeit und Ort, diese Maxime gefällt nicht nur Hektor: Einfach „Weltklasse“ sei es, allein zu bestimmen, wann und wo gelernt wird, sagt Kosta.

Neulich habe er seinen Laptop sogar beim Wochenendausflug an der Ostsee ausge­packt, um ein wenig zu lernen, erzählt er: „Meine Freunde haben mich zwar für verrückt erklärt, aber ich hatte einfach Lust, was zu tun.“

Angebote müssen flexibel sein

Der 26-Jährige ist Vertriebsmitarbeiter bei einem Berliner Internet-Dienstleister, der für kleine und mittelständische Unternehmen den Internetauftritt organisiert. Sein Arbeitgeber bezahlt ihm die Schulung. Er weiß, dass gerade die kleineren Unternehmen den Rat eines IT-Generalisten suchen, der gleichermaßen von Konzeption, Wartung, Design und Marketing etwas versteht.

Kostas Studienkollegen lernen nicht alle das Gleiche, sondern das, was sie in ihrem Beruf brauchen. Der E-Business-Studiengang der Teia setzt sich aus insgesamt zwölf Bausteinen zusammen, von denen acht Pflicht und vier frei wählbar sind. Das thematische Spektrum ist dabei denkbar breit: Anwendungsgrundlagen des Internets und die Standard-Programmiersprache HTML stehen ebenso auf dem Lernplan wie Internet-Shop-Systeme. Auch speziell auf die jeweiligen Kundenkreise zugeschnittenes Marketingwissen wird gelehrt.

Die Weiterbildungsangebote der Teia sind von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) genehmigt worden. Seit März können Lernwillige, die bei der Teia eine E-Business-Quali­fikation anstreben, sich auch von der Bundesanstalt für Arbeit fördern lassen.

20 bis 25 Stunden wöchentlich

Der Teia-Studiengang kostet zwischen 7 395 und 8 180 Euro – je nachdem wie lange die Lernenden bis zur Abschlussprüfung brauchen. Bei einem durchschnittlichen Lernpensum von 20 bis 25 Stunden pro Woche ist der Abschluss in einem Jahr zu schaffen.

Kosta liegt ganz gut in der Zeit: Vor wenigen Tagen hat er die Qualifikationseinheit zum „GoLive“-Programm von Adobe erfolgreich bestanden. Nun kann er zum Beispiel HTML-Seiten und Quicktime-Filme mit diesem Programm erstellen. Das ist Wissen, das ein Webdesigner haben sollte.

In jeder Qualifikationseinheit lernen sich Kosta und seine Studienkollegen Stück für Stück an die Präsenzprüfung heran. Nach dem Studium des Materials müssen die Studierenden zunächst einen Online-Verständnistest bestehen, um an das Material für die Hausaufgaben zu gelangen. Diese werden von den Tutoren der Teia korrigiert und bewertet. Erst dann folgt die Prüfung – so soll ausgeschlossen werden, dass die Studierenden schummeln.

Die Prüfungen werden am Ende jedes Bausteins in der Berliner Teia-Zentrale abgelegt. Studenten, die dafür extra anreisen müssen, können bis zu drei Prüfungen auf einmal machen, um Reisekosten zu sparen.

Kosta schaffte die Zulassung zur GoLive-Prüfung mit einer professionell designten Online-Speisekarte für ein italienisches ­Restaurant.

Selbstdisziplin ist gefragt

Für jede Qualifikationseinheit gibt es eine Prüfung, außerdem eine Gesamtabschlussklausur: Bei summa summarum 13 Prüfungen, den Verständnistests und Hausaufgaben ist vor allem die Selbstdisziplin der Teilnehmer gefragt. Denn die völlig freie Zeiteinteilung beim E-Learning kann sich durchaus auch als lähmend erweisen – gerade bei schwierigen Themenkomplexen, die nicht so leicht von der Hand gehen.

Die Gefahr sei groß, dass die Studierenden schnell den roten Faden verlieren – da es eben schwieriger sei, sich ganz alleine zu motivieren, sagen Kritiker des E-Learnings.

Deshalb sind auch die Tutoren für die Teilnehmer so wichtig: Ihre Aufgabe erschöpft sich bei weitem nicht in der Korrektur der Hausaufgaben oder der Bewertung der Prüfungen. Sie sind die Schnittstelle zwischen den Studierenden und der Lernplattform, auf der sie sich virtuell bewegen.

Tutoren als virtuelle Kummerkästen

Kosta ist mit dem Service der Teia-Tutoren zufrieden. „Entscheidend ist doch, dass man bei Problemen schnell Hilfe bekommt und nicht ewig warten muss.“ Und das sei bei Teia kein Problem: Zwei bis drei Stunden dauere es in der Regel, bis seine Anfragen beantwortet seien. Das reiche vollkommen aus, sagt er.

Um diesen Service zu gewährleisten, arbeiten die Tutoren im Schichtdienst, auch an den Wochenenden. Sie haben nicht nur fach­liche Fragen zu bearbeiten. Obwohl sie nur per E-Mail kommunizieren, entwickelt sich ein persönlicher Kontakt zwischen den Teilnehmern des Kurses und den Tutoren. Da kann es auch einmal passieren, dass ein deprimierter Teilnehmer, der den Tutoren sein Leid geklagt hat, mit wohlwollenden Worten aufgebaut wird. Oder die Tutoren melden sich einfach bei den Studierenden, die längere Zeit nichts mehr gemacht haben, und fragen nach, woran es liegt.

Kosta hat diese Probleme nicht. Er hat die konkrete Perspektive, dass er bei seinem Arbeitgeber das neue Wissen anwenden kann. Auch für seine allgemeinen Berufschancen verspricht er sich einiges: „Ich komme aus der Textilbranche, da bin ich als Quereinsteiger für jede zusätzliche Qualifikation im IT-Bereich dankbar.“

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