Dialer im Internet Meldung

Wer im Internet unterwegs ist, kann jederzeit von Dialern abgezockt werden. Daran ändert auch nichts die neue Dialer-Suchmaschine der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP). Vor einer Woche ist sie medienwirksam online gegangen. Nur wenn sich der Abgezockte gegen die Horrorgebühren wehrt, hilft sie dem Betroffenen weiter. Aber dieser Weg ist nicht ganz einfach. Die größte Hürde dabei: Der Surfer muss das Anwählprogramm finden. test.de erklärt, wie Betroffene unter Umständen um die Zahlung herumkommen.

Teure Wahl

Dialer sind Programme, die automatisch über das Modem eine Nummer wählen. In der Regel verbindet das Programm mit Anbietern von 0190-Nummern, weil diese damit die höchsten Gebühren verlangen können. Dialer haben einen schlechten Ruf. Aber eigentlich handelt es sich um übliche Verfahren zur Abrechnung kostenpflichtiger Internet-Inhalte. Entweder einmalig: Der Dialer wählt sich einmal ein - das kostet zum Beispiel zehn Euro. Oder für eine bestimmte Zeit: Zehn Minuten auf einer Homepage kosten zehn Euro. Der Surfer sieht den Einwahlvorgang auf seinem Bildschirm und akzeptiert das mit einem Klick auf ein Button.

Heimliche Wähler

Dialer werden erst dann zum Schreck, wenn sie sich heimlich auf dem Rechner installieren. Der Schock kommt am Ende des Monats: Auf der Telefonrechnung stehen 0190-Nummern - die Rechnung ist um ein Vielfaches höher als in den Vormonaten. Der Ärger ist da und die Tat schon längst vergangen. Ein Dialer hatte sich während des Surfens in den Computer geschlichen und heimlich die Abzock-Nummer gewählt, ohne dass der Surfer etwas bemerkt hat. Das funktioniert in der Regel so: Das Programm startet beim ISDN-Anschluss parallel zur Provider-Verbindung eine zweite Verbindung. Oder es unterbricht bei Analog-Anschluss die aktive Netzverbindung, wählt stattdessen eine teure 0190-Nummer und stellt danach die normale Verbindung wieder her.

Gespräch oder Dialer?

Wer auf diese Weise abgezockt wurde, hat ein Problem: Die 0190-Nummern in der Telefonrechnung verraten nicht, ob sie jemand „mit der Hand“ eingetippt hat oder sie ein Dialer über den Computer gewählt hat. Denn ein Dialer tut das Gleiche wie ein Anrufer auch: Er wählt. Woher sollen Telekom, Arcor oder andere Telefongesellschaften wissen, dass der Anrufer nicht tatsächlich diese Nummer gewählt hat? Vom Kunden gewählte und vom Dialer gewählte Nummern sind nun mal nicht zu unterscheiden.

Kein Eintrag unter dieser Nummer

Hier hilft die Suchmaschine der RegTP auch nur bedingt weiter. Auch wenn die Aufklärung des Falls scheinbar nahe liegt: Alle Dialer müssen sich registrieren lassen. Sie sind somit mit Hilfe der Suchmaschine zu finden. Wenn also dort kein Eintrag auftaucht, dann war ein nichtregistrierter Dialer am Werk. Und die sind nun mal nicht erlaubt. Die ganze Sache hat einen Haken: Dass die 0190-Nummer in der Dialer-Suchmaschine keinen Eintrag hat, beweist nicht, dass ein nichtregistrierter Dialer die Telefonrechnung in die Höhe getrieben hat. Denn die 0190-Nummer könnte nach wie vor der Kunde gewählt haben. Gegen diese Vermutung kann sich der Betroffene nur scheinbar wehren. Er könnte zwar die teure Nummer anrufen, um zu zeigen, dass am anderen Ende der Leitung niemand abnimmt. Somit würde alles auf einen Dialer hindeuten. Aber zum einen kostet ihn das noch einmal die Gebühr und zum anderen könnte bei diesem „normalen“ Anruf ein belangloses Band anspringen. Also ein Band, das so tut, als könnte der Anruf unter dieser Nummer irgend einen Zweck haben.

Die Suche nach dem Dialer

Die Nummer allein reicht also nicht aus - der Dialer muss her: das Programm, das die 0190-Nummer gewählt hat. Ansonsten hat der Betroffene schlechte Karten, die Zahlung begründet zu verweigern. Doch das Auffinden ist schwierig: Besonders programmierte Dialer deinstallieren sich zum Beispiel, nachdem sie die 0190 angezapft haben. Selbst wenn der Betrogene Glück hat und den Dialer auf dem PC findet, müsste ein Experte feststellen, dass das Anwählprogramm die Nummer gewählt hat, die die hohen Gebühren verursacht hat.

Erfolg bei fehlgeschlagener Suche

Und genau hier hilft die Homepage der RegTP jetzt wirklich weiter. Aber nicht alleine die Suchmaschine. Denn die liefert für die 0190-Nummer eines registrierten Dialers knapp 300 000 Einträge: nämlich alle Anbieter, die dieses Programm benutzen, um Gebühren für ihre Angebote zu berechnen. Um den Dialer eindeutig identifizieren zu können, muss der Betroffene ein kostenloses Programm von den Seiten der RegTP herunterladen. Dieses ermittelt den so genannten Hash-Wert des Anwählprogramms - seinen „Fingerabdruck“. Bei Eingabe des Hash-Werts liefert die Suchmaschine der RegTP genau einen Eintrag. Der günstigste Fall: Der Hash-Wert steht fest - in der Suchmaschine gibt es keinen Eintrag. Daraus folgt: Der Dialer ist nicht registriert. Der 0190-Geschädigte sollte dann zum Beispiel mit der Telekom Kontakt aufnehmen, um die Zahlung der 0190-Nummern zu verweigern. Oder gegebenenfalls die Gebühren zurückverlangen, die er für diese Nummern bereits gezahlt hat.

Finden und verlieren

Richtig schwierig wirds, wenn der Dialer registriert ist. Dann muss der Betroffene die hohe Rechnung in der Regel bezahlen. Denn vieles spricht dafür, dass er mit einem Mausklick der Ausführung des Anwählprogramms zugestimmt hat. Und trotzdem kann er abgezockt worden sein. Folgendes Szenario ist denkbar: Ein Programm installiert zwei Dialer eines Anbieters. Beide Dialer wählen die gleiche 0190-Nummer. Darunter ist ein „legaler“ Dialer, der sich mit Hinweisen einwählt. Und des Weiteren ein fieser Dialer: Die Nummer wird gewählt, ohne dass es der Surfer bemerkt. Aktiv wird jedoch nur der fiese Dialer, der sich danach deinstalliert. Die Firma stellt Gebühren in Rechnung. Der betroffene Surfer findet nur den registrierten Dialer. Somit wird er unglaubwürdig mit der Behauptung, er hätte nicht bemerkt, dass der Dialer gewählt hat. Denn der registrierte Dialer weist ja ausführlich darauf hin. Doch in der virtuellen Wirklichkeit führte nicht dieser Dialer die Durchwahl aus, sondern der anonyme Dialer.

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