Diagnosen verstehen Special

„Wer kann mir meinen Befund erklären?“ Dieser Hilferuf findet sich tausendfach im Internet. test sagt Ihnen, wie Sie Ihren Arzt besser verstehen.

Ein negativer medizinischer Befund ist eine gute Nachricht, ein positiver meist eine schlechte. Das klingt paradox, ist aber eigentlich ganz einfach: Bei einer Untersuchung hat sich der Verdacht auf eine Erkrankung nicht oder eben doch bestätigt. Komplizierter ist es zu verstehen, um welche Erkrankung es sich genau handelt, welche Folgen das hat und was zu tun ist. Arztbriefe sind voller medizinischer Fachausdrücke, die Laien nur schwer entschlüsseln können. Sie fragen im Internet: „Wer kann mir meinen Befund erklären?“

Begriffe wie Chondrose oder Protusio und Buchstabenfolgen wie SR oder HF 115 geben Rätsel auf. Die Netzgemeinde liefert Erklärungen manchmal im Minutentakt, doch ob die Berater fachlich qualifiziert sind, ist nicht zu erkennen. Manche schreiben immerhin dazu: „Ich bin kein Arzt, aber für mich hört sich das sehr gut an.“

Medizinstudenten engagieren sich

Auch Ärzte bieten im Internet vereinzelt ihre Dienste als Übersetzer der medizinischen Fachsprache an, beispielsweise für ein Honorar von 38 Euro für eine halbe Stunde Arbeitsaufwand. Kostenlos können Patienten sich ihren Arztbefund im Internetportal „Was hab ich?“ erklären lassen. Dort engagieren sich Medizinstudenten höherer Semester ehrenamtlich und übertragen komplizierte Befunde in verständliches Alltagsdeutsch. Wir haben das Angebot in einem Schnelltest geprüft.

Patientenansturm auf Internetportal

Eigentlich sollte der behandelnde Arzt die Patienten über die wesentlichen Erkenntnisse des Befunds informieren. Offenbar bleiben aber viele Patienten ratlos zurück. Denn der Ansturm auf das Internetportal „Was hab ich?“ ist so groß, dass Interessenten sich erst einmal auf einer Warteliste eintragen müssen. Bei unserem Schnelltest dauerte es teilweise mehrere Wochen, bis wir einen Arztbrief wieder bekamen. Mit den ausführlichen Erläuterungen zu den Befunden waren die Tester dann aber zufrieden.

Was in einem Befund steht

Diagnosen verstehen Special

Idealerweise sollten Ärzte den Befund erklären. Doch häufig fehlt die Zeit oder Patienten sind zu aufgeregt, um alles zu verstehen.

Ein Befund fasst Erkrankungen, Beschwerden, Symptome und Untersuchungsergebnisse zusammen, unter anderem auch von Laborberichten, Röntgenaufnahmen oder anderen bildgebenden Verfahren. Ebenso wird die weitere Behandlung festgelegt, zum Beispiel mit Medikamenten.

Ein ärztlicher Befund wird meist dann verfasst, wenn ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen wird oder ein Facharzt den Hausarzt über den aktuellen Stand in Kenntnis setzt. Er dient also in erster Linie dem Informationsaustausch zwischen Fachleuten. Patienten können sich allerdings – oft gegen eine Gebühr – eine Kopie des Befunds aushändigen lassen.

Die Medizinstudenten weisen auf ihrer Internetseite „Was hab ich?“ aus­drück­lich darauf hin, dass ihr Übersetzungsservice keinen Arztbesuch ersetzt und dass sie keine Therapieempfehlungen abgeben. Doch immerhin ist das Portal eines von wenigen Internetangeboten, das von der individuellen Situation der Patienten ausgeht.

Hilfreiche Adressen für Patienten

Persönliche Hilfestellung gibt beispielsweise auch der Krebsinformationsdienst. Dort beantworten überwiegend Ärzte per E-Mail oder telefonisch Anfragen zu Therapiemöglichkeiten, vergleichen Nutzen und Risiken, geben Entscheidungshilfen. Das Angebot ist ebenfalls unentgeltlich. Internet: www.krebsinformation.de, kostenfreie Rufnummer 0 800/4 20 30 40.

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) berät unter anderem bei Konflikten mit Ärzten und Kostenträgern, bei Unsicherheiten in Bezug auf Behandlungen, bei der Suche nach Ärzten, Kliniken und Selbsthilfegruppen. Mediziner, Juristen und andere Fachkräfte der UPD beraten kostenlos per E-Mail, am Telefon und in 21 regionalen Beratungsstellen. Internet: www.unabhaengige-patientenberatung.de. Kostenfreie Rufnummer 0 800/0 11 77 22.

Einige Verbraucherzentralen beraten ebenfalls Patienten, vor allem zu juristischen Fragen. Das kann zwischen 5 und 40 Euro kosten, bei Spezialberatungen auch mehr. Ein Verzeichnis der Verbraucherzentralen der Bundesländer findet sich hier: www.vzbv.de/Verbraucherzentralen.htm.

Zuverlässige Gesundheitsseiten

Neben Beratung und Erfahrungsaustausch suchen Nutzer im Internet vor allem allgemeine Informationen zu Krankheiten, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Doch im Netz kann jeder seine Erfahrungen und Tipps anbieten. Umso wichtiger ist es, sie kritisch zu hinterfragen (siehe „So können Sie prüfen“ und „Gesundheitsportale“ in test 06/2009). Nicht jede Gesundheitsseite zieht vor der Veröffentlichung Experten zurate, doch es gibt solche Angebote. Hier eine Auswahl qualitätsgesicherter Gesundheitsseiten:

  • www.gesundheitsinformation.de
    Wissenschaftlich geprüfte Informationen zu Krankheiten, Untersuchungsverfahren, Therapien. Laienverständliche Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.
  • www.patienten-information.de
    Ein Service von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung mit Patientenleitlinien, Checklisten, kommentierter Linksammlung.
  • www.medikamente-im-test.de
    Bewertung von Medikamenten auf Basis wissenschaftlicher Fachliteratur, Vergleich des therapeutischen Nutzens, Informationen über Krankheitsursachen und Prävention. Das ist ein Angebot der Stiftung Warentest.

Tipp: Für Patienten, die mitreden und mitentscheiden wollen, wenn es um ihre Gesundheit geht, bietet die Techniker Krankenkasse das Seminar „Kompetent als Patient“ an. Auch Versicherte anderer Krankenkassen können daran teilnehmen. Unter dem gleichen Titel gibt es auch eine Broschüre, im Internet zu finden unter www.tk-online.de, Suche/Webcode 5521.

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