Diabetesernährung Meldung

Diabetes hat seinen Schrecken verloren. Man kann mit der Krankheit gut leben und auch gut essen. Verbote gibt es kaum noch. Unerlässlich ist aber konsequente Mitarbeit.

Halle Berry ist jung, schön und sportlich – wie alle Gespielinnen von James Bond. Und sie ist Diabetikerin. In den USA gilt die oscarprämierte Schauspielerin als Identifikationsfigur für Jugendliche mit Diabetes. Kein Wunder – schließlich sieht sie aus wie das blühende Leben.

Halle Berry war Anfang 20, als bei ihr Diabetes Typ 1 entdeckt wurde. Das ist die Variante, die fast ausschließlich in früheren Lebensjahren, vor allem bei Kindern, vorkommt. Mit Übergewicht hat sie ursächlich nichts zu tun. Anders der Diabetes Typ 2, unter dem die meisten der fünf bis sechs Millionen Diabetiker in Deutschland leiden. Dieser so genannte Altersdiabetes ist typisch für die zweite Lebenshälfte. Man bekommt ihn, wenn man die Anlage dazu geerbt hat und meist auch deswegen, weil man sich zu wenig bewegt und Übergewicht mit sich herumschleppt.

Lebensqualität

Diabetes führt zwar nicht mehr zum frühen Tod. Die Diagnose kann aber immer noch große Ängste hervorrufen. Nicht nur, dass die meisten davor zurückschrecken, sich Insulin zu spritzen. Sie befürchten auch einen Verlust an Lebensqualität durch lebenslange Diät. Und es geht nicht zuletzt um gravierende Spätfolgen wie Netzhautschäden bis hin zum Erblinden oder bis zu einem Herzinfarkt, von dem Diabetiker öfter als andere betroffen sind. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei ihnen die häufigste Todesursache. Die Chancen, Spätschäden zu minimieren oder gar ganz zu meiden, stehen nicht schlecht. Vorausgesetzt, die Krankheit wird früh genug entdeckt. Daran hapert es allerdings oft. Voraussetzung ist auch, dass der Diabetiker konsequent für gute Blutzuckerwerte sorgt. Beim Diabetes Typ 1 klappt das nur, wenn lebenslang Insulin gespritzt wird. Beim Diabetes Typ 2 gibt es mehrere Möglichkeiten, die auch kombiniert werden. Am wichtigsten ist dabei die Ernährung.

Das Essen genießen

Allerdings sind die meisten Diabetiker in Sachen Ernährung nicht oder zu wenig geschult. Doch gerade das wäre wichtig, um die neuen Freiheiten richtig zu nutzen. Süßes ade – diese Richtlinie hat ausgedient. Vorbei das ständige Zählen von Kohlenhydraten in Säften, Brot, Kartoffeln oder Gemüse. Vorbei auch permanentes Aufpassen auf überlegt zusammengesetzte Mahlzeiten zur richtigen Zeit und in angepassten Mengen.

Anders gesagt: Diabetiker können fast essen, was sie wollen – solange sie die Kohlenhydratmengen nur in etwa richtig einschätzen und mit den Medikamenten abstimmen. Dazu müssen sie nicht permanent auf Tabellen schielen und rechnen. Dort haben die Kohlenhydratportionen (KHP) die Broteinheiten (BE) abgelöst. Die sind aber nur Anhaltspunkte. Der Kohlenhydratgehalt in Lebensmitteln kann nämlich um bis zu 30 Prozent schwanken. Und wie der Organismus die Kohlenhydrate verarbeitet, hängt beispielsweise von der Tageszeit ab, von sportlicher Betätigung, Krankheit, Stress.

Unverzichtbare Kohlenhydrate

Erste Versuche mit Diabetesdiät bestanden darin, Kohlenhydrate ganz zu streichen. Schließlich sind ja sie es, die dem Stoffwechsel Probleme machen. Ein folgenschwerer, bisweilen tödlicher Irrtum. Denn Kohlenhydrate sind unersetzlich, sie halten Gehirn und Nerven, Muskeln und Organe in Trab. Dazu wandelt der Körper Kohlenhydrate in Glukose (Traubenzucker) beziehungsweise Glykogen um. Das klappt nur, wenn die Bauchspeicheldrüse genügend Insulin liefert, um den Zucker im Blut zu verarbeiten. Fehlt dieses Hormon (Diabetes Typ 1) oder kann es der Körper nicht mehr gut genug verwerten (Typ 2), steigt der Blutzuckerspiegel zu hoch (Hyperglykämie). Dann müssen Medikamente helfen, den Stoffwechsel ins Lot zu bringen.

Der Körper verarbeitet Kohlenhydrate unterschiedlich schnell. Besser ist es, wenn das langsam geht. Dann fließt die Glukose dem Blut in geringeren Mengen zu, über einen längeren Zeitraum. Blutzuckerspitzen werden vermieden, der Körper benötigt nicht so viel Insulin auf einmal, um den Zucker abzubauen. Der Stoffwechsel ist besser ausbalanciert.

Regelmäßig messen

Diabetesberater empfehlen allen, die Insulin spritzen, den Blutzucker vor und am besten auch nach den Mahlzeiten regelmäßig zu messen. Nur das informiert wirklich, wie das Essen wirkt. Die Erfahrungswerte, die sich auf diese Weise ergeben, reichen meist, um das Insulin nach Bedarf dosieren zu können. Und kommt entgegen ursprünglichen Absichten doch noch ein Nachtisch dazu, wird schnell wirkendes Insulin nachgelegt, damit der Blutzucker wieder stimmt. Allerdings muss das die Ausnahme bleiben, sonst drohen Speckröllchen, der Fettstoffwechsel läuft aus dem Ruder.

Nicht ganz so liberal läuft es für jene, die über den Tag verteilt feste Insulingaben bekommen. Sie müssen mit Kohlenhydraten genauer rechnen, disziplinierter essen. Süßes ist trotzdem erlaubt.

Der glykämische Index

Wie schnell aus Kohlenhydraten Blutzucker wird, sagt der glykämische Index (GI). Am schnellsten geht es mit Glukose (GI = 100). Je höher der GI, desto steiler die Blutzuckerkurve. Besser sind flache, möglichst gleichmäßige Kurven. Wie hoch der GI eines Lebensmittels ausfällt, wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Die wichtigsten:

  • Verarbeitungsgrad. In der Regel ist der Index höher, wenn die Lebensmittel stark zerkleinert sind. So gehen die Kohlenhydrate aus Kartoffelbrei schneller ins Blut über als die aus Pellkartoffeln, aus Apfelmus schneller als aus Äpfeln.
  • Ballaststoffe. Sie reduzieren das Tempo erheblich. Deswegen ist Vollkornbrot besser als weißer Toast oder Salzstangen.
  • Fett. Egal ob Butter, Öl oder Sahne – Fett verlangsamt die Resorption. So ist die Marmelade auf dem Butterbrot eine geringere Kohlenhydratbelastung als ein Löffel Zucker im Tee. Der GI von Schokolade ist niedriger als der von Kartoffelbrei. Aber Achtung: Viel Fett setzt an.

Auch für Gesunde gilt: Je höher der GI, desto eher wird man wahrscheinlich wieder hungrig. Deshalb sättigen die ballaststoffhaltigen Äpfel, für die sich der Organismus ja mehr Zeit nehmen muss, gründlicher als Apfelmus – und das besser als Apfelsaft.

Der GI liefert aber nur Anhaltspunkte. Noch gibt es keine einheitlichen Messmethoden. Und eine ganze Mahlzeit ist mit Einzelwerten auch nicht erfasst.

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