Diabetes Typ 2 - So kann man mit Diabetes gut leben

„Ich muss nur noch manchmal meine Werte messen.“ Annamária Ullmann-Ribár, 42, erhielt die Diagnose 2018. Dank Arznei­mittel sanken ihre Blut­zucker­werte. Infos zur Krankheit musste sie sich mühsam selbst suchen. Sie vermisst eine individuel­lere Beratung von Ärzten, Krankenkassen und in Schu­lungen.

Ein unab­änderliches Schick­sal ist Diabetes nicht mehr: Nicht nur Medikamente, auch gute Ernährung und viel Bewegung helfen, die Krankheit in Schach zu halten.

Sie fährt Rad, achtet auf ihre Ernährung, jahre­lang – und doch nimmt Annamária Ullmann-Ribár nicht wie gewünscht ab. Dann die Diagnose: Diabetes Typ 2. „Das erklärte einiges“, sagt die 42-Jährige. Der gestörte Zucker­stoff­wechsel wirkte in ihrem Fall als Abnehm­bremse.

Die Tages­mutter ist eine von 4,6 Millionen Zuckerkranken in Deutsch­land. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass mindestens 7,2 Prozent der Bevölkerung hier­zulande betroffen sind. Die meisten davon leiden wie Ullmann-Ribár an Diabetes Typ 2. Lange war dieser Diabetes eher eine Krankheit der Älteren, heute trifft es immer mehr Jüngere. Eine Volks­krankheit, die sich nicht heilen, aber in Schach halten lässt – durch Medikamente und Gewichts­kontrolle mithilfe guter Ernährung und Bewegung.

„Ich nehme Tabletten mit dem Wirk­stoff Metformin, nied­rig dosiert“, sagt Annamária Ullmann-Ribár. „Meine Blut­zucker­werte haben sich inzwischen verbessert. Ich brauche nicht mehr so regel­mäßig messen wie ich es noch in den ersten drei Monaten nach der Diagnose musste.“

Metformin gilt den Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest als erste Wahl bei Typ-2-Diabetes siehe Tabelle Diabetes Typ 2. Sie bewerten Mittel mit diesem Wirk­stoff als geeignet. Je nach Begleit­erkrankungen und Behand­lungs­erfolg kommen andere Medikamente ins Spiel, eventuell auch in Kombination. Liegen bereits Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen vor, sind Liraglutid und Empagliflozin in Kombination mit anderen Mitteln geeignet. Wenn nichts anderes hilft, wird Insulin verordnet. Auch diesen Wirk­stoff halten unsere Experten für geeignet.

Unser Rat

Wenn bei Ihnen Diabetes Typ 2 fest­gestellt wurde oder Sie gefährdet sind, dann ist das A und O ein gesunder Lebens­stil, damit der Zucker­stoff­wechsel nicht aus dem Ruder läuft. Zur Behand­lung mit Medikamenten erachten die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest den Wirk­stoff Metformin als erste Wahl. Der ebenfalls geeignete Wirk­stoff Insulin kommt zum Einsatz, wenn nichts anderes hilft.

Der Blut­zuckerspiegel muss sinken

Ziel jeder Diabetes-Behand­lung ist es, den Blut­zuckerspiegel zu senken. Ein gewisser Anteil an Trau­benzucker – Glukose genannt – im Blut ist lebens­wichtig: Er liefert die Energie für wichtige Körperfunk­tionen. Der mit dem Essen aufgenom­mene Zucker wird mithilfe des körper­eigenen Boten­stoffs Insulin von den Organ­zellen aufgenommen. Das Insulin wird in der Bauch­speicheldrüse produziert.

Eine erbliche Veranlagung, verstärkt durch Überge­wicht und Bewegungs­mangel, bewirkt, dass die Organ­zellen resistent gegen Insulin werden und Glukose immer schlechter aufnehmen – als Folge bleibt zu viel Zucker im Blut. Symptome des Typ-2-Diabetes können unter anderem Müdig­keit, Antriebs­schwäche, starker Durst und häufiges Wasser­lassen sein.

Im Gegen­satz zu Typ-2-Diabetes ist bei Typ-1-Diabetikern die Bauch­speicheldrüse geschädigt. Sie bildet kaum noch oder gar kein Insulin mehr – Betroffene müssen Zeit ihres Lebens Insulin von außen zuführen, meist per Spritze. Typ-2-Diabetiker dagegen müssen nicht zwangs­läufig Insulin spritzen, sondern nur, wenn andere Medikamente nicht oder nicht mehr helfen. Ausführungen zum Insulin am Ende der Startseite dieses Berichts.

Die Diagnose Typ-2-Diabetes im Anfangs­stadium mit nur leicht erhöhten Werten führt nicht unbe­dingt gleich zu einer Therapie mit Medikamenten. Oft lautet der ärzt­liche Rat: Gewicht reduzieren und mehr bewegen.

Studien wecken Hoff­nung

Annamária Ullmann-Ribár hat an einer Schulung teil­genommen und war enttäuscht. „Da werden Gemeinplätze verbreitet: weniger essen, mehr bewegen – dabei lebe ich mit meiner Familie bewusst ohne Auto und erledige viel mit dem Fahr­rad oder zu Fuß.“ Sie wünscht sich individuel­lere Beratung und mehr Informationen zum Stand der Typ-2-Diabetes-Forschung und zu Studien wie der von Wissenschaft­lern der Universität Newcastle: Von 298 überge­wichtigen Probanden setzten sie die Hälfte auf eine strenge Diät. Im Zeitraum eines Jahres nahmen die Diätler im Schnitt zehn Kilo ab, bei fast jedem zweiten verschwand der Diabetes. Von der diätlosen Kontroll­gruppe waren es nur vier Prozent. Je mehr die Probanden abnahmen, desto wahr­scheinlicher verschwand der Diabetes.

Für manche Diabetiker allerdings kann Abnehmen zur Heraus­forderung werden. Wie viel Energie der Körper in den Fett­zellen speichert und wie stark er dadurch an Pfunden zulegt, ist teils auch genetisch bedingt. Darauf weisen Experten hin, die den lang­fristigen Erfolg von Abnehm- und Bewegungs­programmen infrage stellen. Für stark Überge­wichtige, denen es nicht gelingt, genug Pfunde zu verlieren, gibt es die Option einer operativen Magen­verkleinerung. Das hilft abzu­nehmen, der Diabetes kann verschwinden – ob für immer, zweifeln manche Mediziner an.

Wege zu einer gesunden Ernährung

Ulrike H. * schaffte es, ihr Gewicht zu halten: „Ich habe nach der Diagnose für einige Wochen ein Ernährungs­tagebuch geführt und die Blut­werte regel­mäßig gemessen, um zu sehen, wie sich verschiedene Lebens­mittel auf den Blut­zucker auswirken“, erzählt die 57-Jährige. „Schnell zeigte sich, dass eine kohlenhydratarme Ernährung für mich die richtige ist.“ Ihre Werte wurden normal, die Medikamente setzte sie ab – mit Unterstüt­zung ihres Arztes, eines Diabetologen. Ulrike H´s. Ziel: nie mehr Medikamente nehmen.

Auf viel Bewegung setzen

Diabetes Typ 2 - So kann man mit Diabetes gut leben

„Diabetes im Griff zu haben, ist eine Lebens­aufgabe.“ Eckhardt Templiner, 60, hatte 2007 erste Anzeichen für Diabetes. Als sich die Werte verschlechtern, ist das ein Schuss vor den Bug – weitermachen wie bisher wäre lebens­bedrohlich geworden. Ihm ist es wichtig, Arzt und Partner mit im Boot zu haben.

Eckhardt Templiner bekämpft sein Überge­wicht auf klassische Art: „Abnehmen geht für mich nur durch Kalorienreduzierung, also weniger essen.“ Als sein Sohn an Typ-1-Diabetes erkrankte, ließ der 60-Jährige immer mal wieder seine Werte checken. Sein Arzt diagnostizierte erst nur Anzeichen eines Diabetes, vor zwei Jahren aber verschlechterten sich die Blut­zucker­werte. Templiner musste handeln, auch um Folgekrankheiten wie Herz- und Gefäß­leiden oder Nervenschäden vorzubeugen.

„Ich schlucke Metformin“, sagt Templiner. „Wäre schön, wenn ich weniger davon nehmen könnte.“ Daran arbeitet er und setzt auch auf Bewegung. Dabei musste der Ex-Leistungs­sportler lernen, nicht zu über­treiben: „Früher ging ich beim Training immer an meine Grenzen und darüber hinaus. Jetzt muss ich einen Gang runter­schalten.“ Sonst sinkt der Blut­zuckerspiegel durch die Über­anstrengung zu sehr ab. Gut für Templiner: Laut Studien können schon leichte Alltags­aktivitäten wie Spazieren­gehen den Blut­zucker senken.

„Ausgewogenheit ist das wichtigste“, meint Eckhardt Templiner, dessen Blut­zucker­werte sich inzwischen verbessert haben. „Nichts über­treiben beim Sport, nicht zu einseitig essen. Man will ja trotz Krankheit den Spaß am Leben behalten.“

* Name der Redak­tion bekannt.

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