Deutscher Wein 2011 Meldung

Die deutschen Winzer schwärmen vom Jahrgang 2011: Dank des warmen Spätsommers soll er besonders gut sein. Die Winzer stellen sehr fruchtige Weißweine und farbintensive Rotweine in Aussicht. Ob das stimmt, wird jeder bald kosten können. Dennoch bleibt die Konkurrenz durch italienische, spanische und französische Weine. Das zeigt auch der aktuelle Test von Rotwein.

Höhere Erträge als 2010

2010 fiel die deutsche Weinernte so gering aus wie seit 25 Jahren nicht mehr. Der aktuelle Jahrgang könnte einiges wieder gut machen: Rund neun Millionen Hektoliter Weinmost wurden in den dreizehn deutschen Weinanbaugebieten geerntet – ein akzeptabler Durchschnittswert. Die Frühburgunder-Lese startete im August, die der übrigen Rebsorten Anfang bis Mitte September. Anfang November war die Weinlese fast überall abgeschlossen. Der ausgedehnte, schöne Spätsommer ließ den Winzern genügend Zeit für die Weinlese und die Verarbeitung. Wie aus Weintrauben schließlich Wein gekeltert wird, zeigt die Bildstrecke.

Mehr Eiswein als üblich

Besonders hohe Mostmengen meldeten die Winzer aus Rheinhessen, Baden, der Pfalz und von der Mosel. In Franken und Württemberg fielen sie hingegen ähnlich gering aus wie 2010. Wichtiger als die Menge ist dieses Jahr die Qualität der Trauben. Glaubt man dem deutschen Weinbauverband, stehen dank der sonnenreichen Herbstwochen die Chancen gut, dass viele 2011er-Weine sich mit einem Prädikat schmücken dürfen. Das bedeutet, sie erreichen die höchste Qualitätsstufe. Dazu muss allerdings zunächst eine amtliche Prüfung das Prädikatsniveau des Weins bestätigen. Die sechs Prädikate stehen nur „Qualitätsweinen“ mit besonderen Charakteristika zu: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein. Unter „Spätlese“ versteht man reife Trauben, die später geerntet wurden. Hinter „Eiswein“ verbirgt sich Wein aus Trauben, die in gefrorenem Zustand gelesen und gekeltert wurden. Vielerorts ließen die Winzer diesen Herbst genügend Trauben hängen, um daraus beim ersten Frost Eiswein zu machen.

Klimawandel im Rebstock

Winzer bekommen die Folgen des Klimawandels unmittelbar zu spüren. Die Wetterschwankungen im Laufe eines Jahres haben enormen Einfluss auf die Qualität der Weintrauben. 2011 war eine echte Herausforderung: Der warme, trockene Frühling brachte die Rebstöcke sehr früh zum Blühen, dann führten eisige Mainächte vielerorts zu Frostschäden, im Sommer verursachten Hagel und Niederschläge hier und da weitere Schäden. Der warme September konnte einiges davon abfedern. Wegen der Wetteränderungen sind manche deutschen Weine heute so süß, dass Winzer sie nachträglich säuern müssen. Früher war es umgekehrt.

Skandinavier mögen deutsche Weißweine

Die Zeiten, in denen Gourmets hauptsächlich mit ausländischem Wein liebäugelten, sind längst vorbei. Deutscher Wein ist hierzulande mit 46 Prozent Marktführer, versichert das Deutsche Weininstitut. Auch international hat sich deutscher Wein einen Namen gemacht: 2010 wurden 1,2 Millionen Hektoliter ins Ausland verkauft, acht Prozent mehr als 2009. Besonders in den USA und Skandinavien legten deutsche Weißweine deutlich zu. Exportweltmeister bleiben unangefochten die Italiener: Rund 6 Millionen Hektoliter Wein gingen 2010 allein nach Deutschland.

21 Liter Wein pro Kopf

Trinkweltmeister sind weiterhin die Franzosen: Rund 29 Millionen Hektoliter Wein hat die Grande Nation 2010 konsumiert. Die Deutschen kamen auf rund 20 Millionen Hektoliter, pro Kopf wurden rund 21 Liter genossen. Wie deutscher Rotwein der Jahrgänge 2008 bis 2010 im Vergleich zu den italienischen, spanischen und französischen Konkurrenten abschneidet, zeigt ein aktueller Rotweintest. So viel sei gesagt: Vor allem die Spanier haben sich wacker geschlagen.

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