Das Landgericht Berlin hat der Rechtsanwaltskanzlei KTAG zum zweiten Mal binnen 14 Tagen ehrenrührige Behauptungen gegenüber dem Geschäftsführer des Deutschen VermögensfondsI und ehemaligen Berliner Schulsenators, Walter Rasch, untersagt. Die Anwälte dürfen nicht mehr behaupten, dass von den Einzahlungen der 7 000 Fondsanleger des Vermögensfonds I MSF Master Star Fund 36 Millionen Euro verschwunden seien. Zudem dürfen sie die Behauptung, der Fonds habe mit den Anlegergeldern keine Investitionen getätigt, sondern das komplette Kapital für so genannte „graue Kosten“ verbraucht, nicht wiederholen.

KTAG will Rechtsmittel einlegen

Die Ktag Rechtsanwälte, die am 19. September 2005 Strafanzeigen wegen Untreue und Betrugs gegen Rasch erstattet haben, wollen gegen die gerichtliche Verfügung Rechtsmittel einlegen. Wie berichtet, wurde der MSF Master Star Fund Deutscher Vermögensfonds I in Braunschweig nach der Schließung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht insolvent. Von den Einzahlungen der Anleger in Höhe von rund 43 Millionen Euro sollen nur etwa 5 Millionen Euro übrig sein, sodass Anleger aus der Insolvenzmasse nur geringfügig entschädigt werden können. Die Rechtsanwälte Ktag aus Berlin hatten Rasch daraufhin vorgeworfen, das Anlegergeld nicht investiert, sondern für „graue Kosten“ verbraucht zu haben. „35,8 Millionen Euro sind verschwunden“, hieß es in einer Pressemitteilung der Kanzlei.

Rasch: Geld prospektgemäß verwendet

Rasch hatte dagegen immer betont, dass das Geld wie im Prospekt vorgesehen verwendet worden sei. Der Fonds sei erst durch die Maßnahme der Aufsicht in Schwierigkeiten gekommen und die damit verbundene Rückabwicklung des Fonds. Das Anlegergeld sei nicht verschwunden sondern prospektgemäß für Anfangskosten ausgegeben worden. So floss viel Geld in Vermittlungsprovisionen sowie den Aufbau eines neuen Finanzvertriebs mit dem Namen „Invictum“.

Nur für Zocker

Finanztest hatte bereits 2004 vor dem spekulativen Fonds gewarnt, den Ex-Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, der frühere Berliner Senator Walter Rasch und die drei ehemaligen Staatssekretäre Helmut Holl, Wighard Härdtl und Andreas Butz Anlegern „jeder Einkommensklasse“ als „ergänzende Altersvorsorge“ empfohlen hatten. Denn bei dem Fonds handelt es sich aus Sicht von Finanztest eher um ein Zockerangebot als um eine sichere Anlage für die „private Zusatzvorsorge“. Deshalb hat Finanztest den Deutschen Vermögensfonds I auf die Finanztest-Warnliste gesetzt.

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