Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat jetzt die Abwicklung des von Politikern initiierten Deutschen Vermögensfonds I angeordnet. Finanztest hatte bereits 2004 vor dem spekulativen Fonds gewarnt. Die Aufsichtsbehörde untersagte dem Deutschen Vermögensfonds I (MSF Master Star Fund Deutsche Vermögensfonds I AG & Co. KG) und dessen Komplementärin, der DPM Deutsche Portfolio Management AG, beide Braunschweig, das Finanzkommissionsgeschäft. Zur sofortigen Abwicklung des Fonds setzte die Bafin den Hamburger Rechtsanwalt Henningsmeier ein. Der Anwalt soll zunächst die Höhe der Anlegeransprüche ermitteln und feststellen, wie viel Vermögen beim Fonds noch vorhanden ist. Letzter Stand der Dinge: Ein großer Teil der rund 40 Millionen Euro Anlegergelder sind vermutlich verloren. Sogar ein Totalverlust ist nicht ausgeschlossen.

Finanztest hatte früh gewarnt

Finanztest hatte bereits 2004 vor dem spekulativen Fonds gewarnt, den Ex-Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, der frühere Berliner Senator Walter Rasch und die drei ehemaligen Staatssekretäre Helmut Holl, Wighard Härdtl und Andreas Butz Anlegern „jeder Einkommensklasse“ als „ergänzende Altersvorsorge“ empfohlen hatten. Denn bei dem Fonds handelt es sich aus Sicht von Finanztest eher um ein Zockerangebot als um eine sichere Anlage für die „private Zusatzvorsorge“. Deshalb hat Finanztest den Deutschen Vermögensfonds I auf die Finanztest-Warnliste gesetzt. Rupert Scholz hatte sich kurz nach dem Finanztest-Bericht aus dem Projekt verabschiedet. Seine Begründung: Arbeitsüberlastung.

Kein Abwicklungskonzept vorhanden

Die Abwicklung des Fonds hat die Bafin jetzt angeordnet, weil die Verantwortlichen nach Darstellung der Behörde trotz großzügig gesetzter Fristen kein tragfähiges Abwicklungs- und Umstellungskonzept vorgelegt haben. Trotz eindeutiger Vorgaben seien keine hinreichenden Angaben gemacht worden, wie die Ansprüche ausstiegswilliger Anleger unverzüglich hätten erfüllt werden können. Um die Interessen der Anleger zu schützen, seien solche Regelungen aber unverzichtbarer Bestandteil von Umstellungskonzepten, erklärte ein Bafin-Sprecher.

Zur Altersvorsorge nicht geeignet

Der Vermögensfonds warb seit März 2004 um Anleger für das als Kommanditbeteiligung konzipierte Anlageprodukt. Der Fonds schloss mit Anlegern Beteiligungsverträge mit einer Laufzeit von zehn bis 30 Jahren ab. Die Anleger beteiligten sich über die Treuhandkommanditistin Germanicum Beteiligungstreuhand GmbH in München mit Einmaleinlagen oder Ratenzahlungen am Deutschen Vermögensfonds I. Das Anlegergeld sollte in Immobilien, Wertpapiere, „alternative Investments“ wie Hedgefonds und in „Private Equity“, also in junge, nicht an der Börse notierte Unternehmen fließen. Dabei besaß der Deutsche Vermögensfonds I und die Deutsche Portfolio Management AG nicht die Erlaubnis der Aufsicht, die für die Investition von Anlegergeld in Investmentfondsanteile oder in Unternehmensbeteiligungen erforderlich ist.

Geld sollte in Vertrieb fließen

Im Bereich Private Equity plante der Fonds, satte 18 Millionen Euro in den Aufbau eines neuen Finanzvertriebs namens Invictum (unbesiegbar) zu investieren. Gerade Investitionen in Finanzfirmen sind jedoch sehr riskant und können leicht schief gehen. Weitere 22,5 Millionen Euro sollten größtenteils für die Vermittlung der Fondsanteile an die Futura Finanz AG in Hof für Provisionen draufgehen. Diese Firma steht wegen ihrer unsauberen Vermittlungsmethoden auf der Finanztest-Warnliste.

Auch Germanicum muss abwickeln

Weil die Germanicum als Treuhandkommanditistin in die unerlaubt betriebenen Finanzkommissionsgeschäfte des Vermögensfonds mit einbezogen wurde, untersagte die Bafin der Germanicum, Anlagegelder aus den Fondsgeschäften entgegenzunehmen und ordnete auch hier die unverzügliche Abwicklung an. Die Verfügungen der Bafin sind von Gesetzes wegen sofort vollziehbar. Der Deutsche Vermögensfonds, die DPM Deutsche Portfolio Management AG sowie die Germanicum können jedoch noch vor Gericht ziehen und die Aussetzung des Vollzugs beantragen. Der Fonds hat für Montag eine Pressekonferenz angekündigt. Aus seiner Sicht liegen keine verbotenen Geschäfte vor. Er will „alles Erdenkliche für die rund 7 000 Anleger unternehmen, um diese schützen“.

Update: Inzwischen gibts erste Zahlen. Danach wurde ein großer Teil des bislang eingesammelten Anlegergeldes in Höhe von 40 Millionen Euro für Anfangskosten ausgegeben. Etwa 7 000 Anleger werden schmerzliche Verluste erleiden. Auch ein Totalverlust der Anlegereinlagen ist nicht ausgeschlossen. Schuld an den Verlusten sei die Aufsichtsbehörde, meint der ehemalige Berliner Schulsenator und heutige Fondsgeschäftsführer Walter Rasch: Die Aufsichtsbehörde sei nicht gesprächsbereit gewesen und habe „Kapitalvernichtung“ betrieben. Rasch bestreitet, dass der Fonds ohne Erlaubnis Bankgeschäfte betrieben hat. Ob gegen die Verfügung der Bafin rechtliche Schritte eingeleitet werden, wollte Matthias Ginsberg, von der Initiatorengesellschaft des Fonds nicht sagen. Beim Aufsichtsamt weist man die Kritik von Rasch zurück. Die Verantwortlichen hätten trotz großzügig gesetzter Fristen kein tragfähiges Konzept vorgelegt, heißt es. So seien die Angaben, wie man die Ansprüche ausstiegswilliger Anleger hätte erfüllen können, nicht ausreichend gewesen. [28.06.2005]

Dieser Artikel ist hilfreich. 254 Nutzer finden das hilfreich.