Deutsche Sprache Meldung

Sechs Kosmetika von drei Anbietern – keine deutsche Produktbezeichnung.

Einkaufen ist out, Shopping ein Event. Per E-Mail ordert man Tickets. User surfen und chatten im Internet oder sind verlinkt. Kids finden ihr neues Handy cool: Englisch ist in. Manche befürchten den Niedergang unserer Muttersprache.

Ist Deutsch ein Fall für den Verbraucherschutz? Ja, meint Erika Steinbach, Mitglied des Deutschen Bundestags, des Goethe-Instituts, des ZDF-Fernsehrats und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen. Sie macht ihrem Ärger Luft: Eine rein englischsprachige Werbebroschüre für Kosmetika zum Beispiel, verteilt in einem Kaufhaus hierzulande, hatte sie an eine „englische Werbewoche“ denken lassen. „For men“ wurden darin Shaving Foam und Bath Soap angepriesen, „for women“ Cleansing Emulsion, Peach and Honey Mask oder Eye Make up remover Pads.

Wann es nicht mehr spaßig ist

In der Tat: Auch in anderen Bereichen erleichtern Anglizismen nicht gerade das Leben. So lassen sich elektronische Geräte wegen englischer Beschriftungen oft nur nach dem Prinzip Versuch und Irrtum bedienen. Oder mithilfe der deutschen Gebrauchsanleitung. Die aber ist nicht selten ein Kauderwelsch, unzulänglich formuliert oder übersetzt. Sollten dann noch Warnhinweise für deutsche Benutzer nicht zu entschlüsseln sein, wird die Sprachignoranz gefährlich.

Wenn dagegen ein Edel-Modist mit mehreren Vertretungen in Deutschland seinen „Spring/Summer“-Katalog nur auf Englisch erscheinen lässt, soll das wohl eher Weltläufigkeit und Eliteanspruch signalisieren: Ab einem bestimmten Preis gilt ein entsprechender Sprachcode. Und wenn in solchen Kreisen das Outfit zum Event wird, dann hat das durchaus auch komische Seiten.

Steinbach jedoch ist nicht zum Lachen zumute. Sie appelliert: „Wir brauchen einen erweiterten Verbraucherschutz. Jedes Produkt, von der Fahrkarte bis zum Weichspüler, muss deutlich lesbar in deutscher Sprache benannt und erläutert sein.“ So sollte es wohl sein. Steinbach sieht die Gefahr: „Dass durch Werbung und mangelhafte deutsche Produktbeschreibung Millionen von Menschen aus dem muttersprachlichen Dialog ausgegrenzt sind und zu sprachlichen Analphabeten im eigenen Lande gemacht werden“. Viele finden sich dennoch ganz gut zurecht. Eine Mindestausstattung an englischem Wortschatz vermitteln die Schulen. Und nach jahrzehntelangem Einfluss von Anglizismen kann man auch den Deutschen eine gewisse Lernfähigkeit nicht ganz absprechen.

Internationale Verkehrssprache

Dass auch wir um Fitnesstrainer, Surround-Receiver oder Wellness-Hotels sprachlich nicht herumkommen, wird wohl akzeptiert, wenn vielleicht auch manchmal zähneknirschend. Nur selten bemängeln unsere Leser einen unnötigen Gebrauch von Anglizismen in test. Englisch ist seit langem internationale Verkehrssprache in der Wirtschaft, Politik, Forschung oder in der See-, Luft- und Raumfahrt. Zumindest beruflich „ausgegrenzt“ ist heute eher, wer keine fundierten Englischkenntnisse mitbringt. Aber Sprachkundige vernachlässigen ihre Mut-tersprache selten, sie werden auch kaum Opfer des derzeit grassierenden „Denglisch“. Dass wir andererseits in der Parfümerie oder Boutique kaufen oder vielen die Boulette mit Pommes frites schmeckt, stört uns kaum.

Einflüsse aus der Geschichte

Besonders im Rheinischen und in Berlin haben die Franzosen deutliche sprachliche Spuren hinterlassen. Am preußischen Hof wurde „parliert“, Friedrich der Große sprach besser französisch als deutsch, auch als er verfügte, dass „Gazetten nicht geniret“ (etwa: nicht gegängelt) werden dürfen. So Fortschrittlich-Demokratisches hatte dem Monarchen Voltaire nahe gebracht – durchaus eine bleibende kulturelle Bereicherung.

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