Die letzten freien Aktionäre beißen künftig die Hunde. Denn nach den neuen Vorschriften der Deutschen Börse AG können Mehrheitsgesellschafter künftig den Rückzug einer Aktiengesellschaft von der Börse beschließen, ohne den Minderheitsaktionären ein Abfindungsangebot zu machen. Mit einer Mehrheit von 75 Prozent müssen sie dazu lediglich auf der Hauptversammlung entscheiden, sich aus dem Börsenhandel zurückzuziehen.

Die entsprechende Aktie wird dann noch sechs Monate auf den Kurszetteln notiert. Anlageexperten rechnen jedoch damit, dass nach der Ankündigung des Delistings die Kurse fallen. Denn wer will schon Wertpapiere ins eigene Depot nehmen, die ein halbes Jahr später gar nicht mehr an der Börse gehandelt werden?

Die neue Regelung ist ein weiterer Rückschritt für private Anleger. Schon das neue Übernahmegesetz brachte Nachteile: Ein Großaktionär, der mindestens 95 Prozent an einer Gesellschaft hält, darf die Restaktionäre gegen deren Willen aus dem Unternehmen drängen. Er muss ihnen allerdings ein Abfindungsangebot machen. Sorgt er nach den neuen Regeln vorher für ein Delisting, kann er den Kurs und somit auch die Höhe der Abfindung für Anleger, die ihre Aktien abgeben sollen, drücken.

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