Deutsche Aktien Test

BASF: Auch der weltgrößte Chemiekonzern leidet unter der Wirtschaftskrise. Dennoch zahlt er seinen Aktionären knapp 8 Prozent Dividende.

Die Aktienkurse sind am Boden, die wirtschaftlichen Perspektiven schlecht. Der Zeitpunkt ist ideal, um über den Kauf von Aktien oder Aktienfonds nachzudenken.

Deutsche Aktien Test

Für einen Einstieg in den Aktienmarkt sei es noch zu früh, warnen viele. Vielleicht haben sie damit recht. Vielleicht aber auch nicht. Im Frühjahr 2003 lagen die Aktienmuffel in einer ähnlichen Situation jedenfalls völlig daneben.

Der Dax war kurzzeitig unter 2 500 Punkte gefallen. Anleger, die damals in den Index investierten, konnten ihren Einsatz in nur vier Jahren mehr als verdreifachen. Selbst nach dem neuerlichen Crash stehen sie noch mit rund 60 Prozent im Plus. Die wenigsten nutzten allerdings die damalige Chance.

In der langen Börsengeschichte haben sich die Märkte nach einem Crash fast immer in überschaubarer Zeit erholt und spätestens nach ein paar Jahren neue Höchststände erreicht. Ausnahmen wie der japanische Aktienmarkt, der seinen Zenit bereits 1990 erreichte und seinen Niedergang bis heute nicht verdaut hat, sind selten.

Finanztest sieht für Anleger, die jetzt einsteigen, langfristig gute Renditechancen. Das gilt auch für den deutschen Aktienmarkt. Wir sagen, welche Fonds sich am besten eignen und welche deutschen Unternehmen demnächst die höchsten Dividenden zahlen.

Die Käufer von Aktien oder Aktienfonds müssen zwar Geduld mitbringen. Denn natürlich weiß keiner, wann ein Aufschwung kommt. Dafür haben sie gute Aussichten, langfristig weit bessere Renditen einzufahren als mit sicheren Zinsanlagen.

Deutschland ist naheliegend

Für deutsche Anleger ist es naheliegend, sich zunächst den deutschen Aktienmarkt anzusehen. Gerade in der aktuellen Situation sollten sie die Entwicklung der Gesamtwirtschaft und der Unternehmen verfolgen. Das ist bei Anlagen im Ausland sehr schwer, wenn nicht unmöglich.

Finanztest empfiehlt allen, die sich nicht intensiv mit dem Börsengeschehen beschäftigen wollen, Aktienfonds statt einzelne Aktien. Um aus Einzelaktien ein sinnvolles Depot aufzubauen, brauchen Anleger viel Zeit und relativ viel Geld. Bei kleinen Anlagebeträgen sind die Kaufkosten unverhältnismäßig hoch, und fünf bis zehn Posten sollte ein Aktiendepot schon enthalten.

Verlockende Dividenden

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Bayer: Das Leverkusener Unternehmen profitiert zurzeit vor allem von seiner Pharma-Sparte. Erst vor ein paar Jahren hat Bayer die Pharmafirma Schering übernommen.

Das Frühjahr ist in Deutschland die Dividendensaison. So verlockend wie in diesem Jahr waren die Ausschüttungen selten. Konzerne wie Bayer, Eon, K + S oder RWE wollen ihren Aktionären trotz Wirtschaftskrise mehr zahlen als im Vorjahr.

Andere Unternehmen wie Allianz, Deutsche Post und Lufthansa haben ihre Dividenden zwar drastisch gekürzt, bieten aber stolze Renditen, weil die Aktienkurse immer noch sehr niedrig sind.

Die Dividendenrendite in Prozent ergibt sich, indem man die Dividende durch den aktuellen Kurs einer Aktie teilt und das Ergebnis mit 100 multipliziert.

Anders als in unserem monatlichen Strategietest stehen in der Tabelle „Die Dividenden der Dax-Unternehmen“ in den meisten Fällen nicht die zuletzt gezahlten Dividenden, sondern der Dividendenvorschlag der Unternehmen an ihre Hauptversammlungen.

Im Normalfall ist die Zustimmung der Hauptversammlung reine Formsache, aber Anleger sollten wissen, dass die Höhe der Dividenden nicht absolut sicher ist.

Wie Dr. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut sagt, haben die Aktionäre in der Vergangenheit äußerst selten einen Dividendenvorschlag der Geschäftsleitung zurückgewiesen: „Dann hatte das Unternehmen aber zusätzlich ganz andere Probleme, nämlich Streit zwischen maßgeblichen Aktionärsgruppen sowie mit der Verwaltung.“

Leven hält aber nichts davon, eine Aktie allein wegen der hohen Dividendenrendite zu kaufen, „denn nach der Ausschüttung wird der Kurs an der Börse etwa um den Dividendenbetrag sinken. Per saldo hat der Anleger nichts gewonnen, aber die Kaufkosten können ihn ins Minus drücken.“

Anleger, die eine Aktie kaufen wollen, weil sie vom Geschäftsmodell des Unternehmens überzeugt sind, müssen sich entscheiden, ob sie das vor oder nach der Ausschüttung tun. Die hohe Rendite einzustreichen, ist natürlich verlockend. Andererseits muss der Anleger sofort 25 Prozent Abgeltungsteuer abführen.

Wer die Aktie am Dividendenzahltag oder kurz danach kauft, erhält sie normalerweise deutlich billiger als unmittelbar davor. Wie hoch der Abschlag ausfällt, hängt allerdings stark von der Marktstimmung ab. Und niemand kann vorhersagen, ob zum Beispiel die Eon-Aktie am 7. Mai billiger zu haben ist als vor der Ausschüttung.

Dividendenstrategie mit Vorbehalt

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Daimler: Ein Staatsfonds aus Abu Dhabi hielt den Automobilkonzern für attraktiv genug, um sich im großen Stile zu beteiligen.

Ungewiss ist auch, wie sich die Dividenden in den kommenden Jahren entwickeln werden. Schon deshalb taugen die aktuellen Renditen nicht als alleiniges Auswahlkriterium für Aktien. Unser regelmäßiger Strategietest hat das in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt.

Doch die Dividende ist ein wichtiges Merkmal, das Anleger auf jeden Fall in ihre Entscheidung einbeziehen sollen. Hat ein Konzern neben einer hohen Dividendenrendite eine herausragende Marktstellung, eine gute Produktpalette, solide finanzielle Rahmendaten und ein kompetentes Management, ist seine Aktie attraktiv.

Eine Rolle spielt natürlich auch die Branche. Die ehemals stolzen Dividendenrenditen von Bankaktien sind weitgehend Schall und Rauch. Bei konjunkturabhängigen Branchen wie Stahlerzeugung und Maschinenbau ist Ähnliches zu befürchten, wenn die Krise andauert. Unwahrscheinlich ist dagegen, dass das Geschäft von Versorgungsunternehmen völlig wegbricht. Den Grundbedarf für Strom und Wasser gibt es selbst in schlimmsten Krisenzeiten.

Anleger, die Aktien kaufen wollen, sollten sich vorher gründlich über die Unternehmen informieren, zum Beispiel auf deren Internetseiten. Die interessanten Daten stehen meist unter „Investor Relations“.

Traumrenditen mit deutschen Aktien

Wer in der vorangegangenen Börsenkrise die richtigen Aktien herauspickte, konnte reich werden. Kaum zu glauben, dass für die Dax-Aktien K + S oder Salzgitter in den vergangenen fünf Jahren selbst nach dem jüngsten Kurssturz immer noch ein Zuwachs von über 40 Prozent bleibt.

Auch altgediente Volkswagen-Aktionäre können sich über gigantische Depotgewinne freuen. Dass die Autobranche massive Probleme hat, merkt man dem VW-Kurs nicht an. Die Übernahme des Konzerns durch Porsche hat alles andere in den Hintergrund gedrängt.

Das gilt freilich nur für die Stammaktien des Unternehmens, denn allein sie bieten das für eine Übernahme so wichtige Stimmrecht. VW-Vorzugsaktionäre hatten das Nachsehen, ihre Papiere machten die Kursrallye nicht mit. Den grotesken Preisunterschied zwischen den Stamm- und Vorzugsaktien spiegelt die Dividendenrendite: Für die Stämme ergeben sich aus derselben Dividende aufgrund des hohen Kurses unter 1 Prozent Rendite, für die Vorzüge über 5 Prozent Rendite.

Mit Fonds am Aufschwung teilhaben

Anleger, die auf Einzelaktien verzichten, haben keine Chancen, von Kursexplosionen à la Volkswagen zu profitieren. Dafür setzen sie auch nicht auf Verliereraktien wie Hypo Real Estate oder Infineon.

Mit Aktienfonds Deutschland nehmen sie an einem möglichen Aufschwung teil, ohne sich solchen Fragen widmen zu müssen. Wer es sich einfach machen möchte, kauft einen Indexfonds. Eine Auswahl samt Bewertung steht im „Marktplatz“ (Finanztest Printausgabe) oder im Produktfinder Investmentfonds.

Aussichtsreicher sind gemanagte Fonds. Allerdings ist es sinnvoll, ihre Entwicklung auch nach dem Kauf regelmäßig zu beobachten. Gelegentlich kommt es vor, dass ein ehemals erfolgreicher Fonds die Spur verliert und dauerhaft dem Markt hinterherläuft. Dann empfiehlt sich ein Wechsel.

Die aktuellen Spitzenreiter unseres Fondstests Allianz RCM Thesaurus AT, DWS Deutschland und UniDeutschland (siehe Porträts) stehen seit Jahren in der Spitzengruppe oder zumindest im gehobenen Mittelfeld. Die Gefahr eines plötzlichen Absturzes ist bei ihnen gering.

Neben diesen Fonds, die sich auf bekannte Unternehmen konzentrieren, sind auch spezialisierte Fonds interessant. Beim Allianz-dit Nebenwerte Deutschland A (Isin DE 000 848 176 3) dominieren Aktien aus dem MDax. Noch besser schneidet in unserem Dauertest zurzeit der cominvest Adi-selekt P (Isin DE 000 976 956 2) ab, der viele Aktien aus dem MDax und dem TecDax enthält (www.test.de/fondsfinder).

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